Werfen Sie die „veraltete altbackene Logik“ über Bord – dieser Bericht verrät Ihnen, welche Inhalte junge Menschen im Alter von 10 bis 24 Jahren sehen möchten.
Wer die Gedanken der jungen Menschen versteht, versteht die Logik der Inhaltsindustrie
Wer narrative Inhalte erstellt, möchte nicht das Geld der jungen Menschen verdienen – doch die Gedanken der Jugendlichen sind wirklich schwer zu erraten.
Kürzlich hat das **Zentrum für Wissenschaftler und Geschichtenerzähler der University of California, Los Angeles** (Center for Scholars & Storytellers, kurz CSS) einen Jahresbericht mit dem Titel **»Jugendliche und Bildschirme«** veröffentlicht, dessen Thema **»Junge Menschen schreiben moderne Narrative neu«** lautet.
Um diesen Bericht zu erstellen, hat **CSS 1537 Jugendliche im Alter von 10 bis 24 Jahren befragt** und sie nach ihren Einstellungen und Gedanken zu allen gängigen populären Medien (Fernsehserien, Filme, Videospiele, künstliche Intelligenz, soziale Medien) gefragt.
Dieser Bericht beantwortet eine Frage: **Welche Art von narrativen Inhalten mögen / mögen junge Menschen in den USA nicht?**
Ausgehend davon wird auch die Logik der Hollywood-Inhaltsindustrie klarer.
Da die Rahmenbedingungen unterschiedlich sind, unterscheidet sich der Geschmack amerikanischer Jugendlicher bei narrativen Inhalten sicherlich stark von dem chinesischer Jugendlicher – aber bei genauer Lektüre des Berichts werden Sie überrascht sein, wie viele Ähnlichkeiten es in den »Gedanken« von Jugendlichen beider Länder gibt.
Junge Menschen haben ihre eigene Logik, um die Welt zu betrachten. Wenn Sie diese Logik verstehen, sind ihre Gedanken nicht mehr schwer zu erraten.
01 Medien: Wo konsumieren junge Menschen »Geschichten«?
Der Bericht stellt den jungen Menschen eine scheinbar einfache Frage: **Welche Unterhaltungsmedien können Geschichten erzählen?**
Das Wort »Geschichte« hat hier einen sehr weiten Bedeutungsumfang. Der Bericht zitiert das Verständnis einer 15-jährigen Mädchens von »Geschichte«:
Sie kann ein Beitrag in sozialen Medien sein, eine Geschichte, die jemand in einem Buch schreibt, oder eine Geschichte, die jemand einer anderen Person erzählt.
In der Rangliste der »medien, die Geschichten erzählen können«, die nach den Stimmen der Befragten ermittelt wurde, belegt YouTube mit 72,9 % den ersten Platz und übertrifft knapp Fernsehen (70,3 %) und Film (70,2 %).
Welche Unterhaltungsmedien können Geschichten erzählen? Die Befragten stufen YouTube als das größte Unterhaltungsmedium ein, das »Geschichten erzählen kann«
Dieses Umfrageergebnis wirkt auf den ersten Blick etwas absurd: Als Videoplattform übertrifft YouTube an Beliebtheit die beiden Medien Film und Fernsehen.
Genau wie in der Rangliste der Lieblingsspeisen junger Menschen, auf der Gemüse und Obst auf Platz zwei und drei stehen, und KFC auf Platz eins liegt.
Das ist wahrscheinlich der beeindruckendste Teil dieser Daten: Wenn amerikanische Jugendliche nach dem »Geschichtenerzählen« gefragt werden, fällt ihnen zuerst der Name einer Videoplattform ein. Es ist nicht streng wissenschaftlich, aber es kommt von Herzen.
Zuerst einmal ist YouTube tatsächlich der weltweit größte Streaming-Anbieter.
Statistiken zufolge hat YouTube derzeit 2,7 Milliarden monatlich aktive Nutzer auf der gesamten Plattform, etwa das Zehnfache der Abonnentenzahl von Netflix; auf Fernsehgeräten in Nordamerika liegt YouTube weit vorne, sein Zuschauermarktanteil steht seit dem ersten Übertreffen von Netflix im Sommer 2022 an der Spitze. Im April dieses Jahres betrug der Anteil 13,4 %, während der von Netflix 7,8 % lag.
Darüber hinaus zeigt die Tatsache, dass YouTube in der Rangliste der »medien, die Geschichten erzählen können« den ersten Platz belegt, dass die Fähigkeit von YouTube-Erstellern, Geschichten zu erzählen, in den Augen jugendlicher Zuschauer bereits mit der traditioneller Hollywood-Großstudios mithalten kann oder diese sogar übertrifft.
In diesem Jahr erzielten die von YouTubern inszenierten Filme »Obsession«, »The Backrooms« und »Iron Lung« enorme Kinoerfolge, was die Auffassung, dass YouTube »Geschichten erzählen kann und gut darin ist«, noch weiter verbreitet hat.
Von links nach rechts: Kane Parsons (»The Backrooms«), Mark Fischbach (»Iron Lung«), Curry Barker (»Obsession«)
Kürzlich äußerte Aaron Sorkin (Autor von »The Social Network«, »Moneyball«, »Die Verurteilten von Chicago 7«) bei der Nachbesprechung von Vor- und Nachteilen seines neuen Films »Social Reckoning« offen, dass er wahrscheinlich nur als Drehbuchautor geeignet ist und nie ein guter Regisseur werden kann: »Ich habe festgestellt, dass ich überhaupt kein Gespür für visuelle Gestaltung habe«.
Als Gold-Drehbuchautor wird er ständig von anderen um Rat gefragt, und seine Antwort hat sich kaum geändert:
Einige wichtige Teile des Drehbuchschreibens können man lehren und lernen, andere nicht; die Dinge, die man nicht durch Lernen beherrschen kann, sind normalerweise das, was wir als Talent bezeichnen.
Mark Zuckerberg in »Social Reckoning«
Diese Theorie könnte erklären, warum Amateur-Ersteller auf YouTube bei der technisch anspruchsvollen Aufgabe des »Geschichtenerzählens« mit den professionellen Teams von Hollywood mithalten können – weil YouTube über einen ausreichend großen Talentpool verfügt und es dort genügend talentierte Spieler gibt.
Wird die Film- und Fernsehbranche also von YouTube verdrängt?
Das ist nicht unbedingt der Fall.
In der Umfrage sind die Daten zur »liebsten Wochenendaktivität junger Menschen« sehr vorteilhaft für die traditionelle Filmindustrie: Einen neuen Film im Kino anzusehen steht an erster Stelle der freien Wochenendaktivitäten; ein neues Spiel zu spielen steht an zweiter Stelle, Live-Musik anzusehen an dritter Stelle.
Unerwarteterweise ist das Ansehen von Filmen immer noch die bevorzugte Wochenendaktivität von Jugendlichen
Dieses Statistikergebnis widerspricht der Intuition: Junge Menschen haben die Kinos nicht aufgegeben.
Dies ist kein neues Phänomen, das erst in diesem Jahr aufgetaucht ist. Laut der CSS-Umfrage steht das Anschauen neuer Filme im Kino seit drei Jahren in Folge an erster Stelle der Wochenendaktivitäten und widerlegt direkt das Vorurteil, dass die Generation Z keine Filme mag.
Die nordamerikanische Sommerkinosaison dieses Jahres war außerordentlich erfolgreich, eine große Anzahl jugendlicher Zuschauer strömte in die Kinos. Bei der Analyse dieses Phänomens zitierten einige nordamerikanische Medien das Konzept des **»Dritten Raums«**.
Der »Dritte Raum« ist ein klassisches Konzept der Stadtsoziologie:
Erster Raum: Zuhause (Wohnort, privater Bereich)
Zweiter Raum: Arbeitsplatz / Schule (Bereich, den man besuchen muss und der mit Verantwortlichkeiten und Pflichten verbunden ist)
Dritter Raum: Informeller öffentlicher Versammlungsort außerhalb von Zuhause und Arbeitsplatz – Menschen gehen hier nicht zum Überleben oder zur Erledigung von Aufgaben hin, sondern rein zum Entspannen, Treffen und Unterhalten.
Viele Jugendliche gehen am Wochenende nicht nur ins Kino, um Filme anzusehen, sondern um Freunde zu treffen und sich kurz zu unterhalten, also um ihren eigenen »Dritten Raum« zu schaffen.
Offline-Szenarien, die in China bedroht sind, werden in den USA genau zum Schutzgraben der Kinos, um mit Online-Inhalten zu konkurrieren.
In der Rangliste der »medien, die Geschichten erzählen können« steht das Spiel auf Platz 4 (68,5 %); TikTok belegt mit einer Stimmabgabe von 64,2 % den fünften Platz und steht an erster Stelle in der Unterkategorie der sozialen Plattformen; der Stimmanteil von KI auf Platz 6 beträgt nur 41,3 %, mit einem deutlichen Abstand zum fünften Platz.
Hier muss besonders auf TikTok hingewiesen werden: TikTok steht an erster Stelle der Unterkategorie sozialer Plattformen, liegt aber deutlich hinter YouTube zurück.
Können YouTube-Nutzer Geschichten erzählen, und TikTok-Nutzer nicht so gut?
Eine interessante Interpretation lautet: Dank der Kombination aus Langvideos, Serialisierung und einem Ökosystem von tiefgründigen Erstellern wirkt YouTube in den Augen junger Menschen mehr wie ein Träger für Geschichtenerzählen als TikTok; TikTok wird von Jugendlichen eher als fragmentierter »Augenblick« denn als vollständige Erzählung wahrgenommen.
Eine andere Erklärung: YouTube konzentriert sich auf Querformatvideos mit dem Wohnzimmerfernseher als Hauptnutzungsszenario – im Vergleich zum Scrollen von vertikalen TikTok-Videos auf dem Handy ist dies deutlich näher an der Form des Film- und Fernsehkonsums.
Das heißt, wenn es nur um das »Ansehen von Geschichten« geht, bevorzugen Jugendliche die Form, die zwischen traditionellem Film und vertikalem Kurzvideo liegt?
Wer sagt, dass junge Menschen keine »Mäßigung« mögen?
Es gibt zwei weitere Datengruppen, die man vergleichen kann.
1. Wenn Kurzvideos (Reels, YouTube Shorts, TikTok usw.) als eigenes »Format« separat gemessen werden, halten etwa 79 % (fast 4/5) der Befragten sie für fähig, Geschichten zu erzählen.
2. 78,4 % der Befragten sehen sich zumindest auf einer sozialen Medienplattform Film- und Fernsehinhalte an.
Medien verschmelzen miteinander, und Geschichten können sich zu jeder beliebigen Form entwickeln.
02 Inhalte: Welche Art von »Geschichten« wollen junge Menschen sehen?
»Was wollen junge Menschen in Film- und Fernsehwerken sehen?«
Das ist eine sehr praktische Frage, die am engsten mit der Film- und Fernsehindustrie zusammenhängt.
Die Umfrageergebnisse können teilweise eine Frage beantworten: Warum sind manche Werke, die alle auf den Markt abzielen, ein großer Erfolg, während andere Werke scheitern?
Der Bericht zeigt, dass die drei beliebtesten Themen, die Jugendliche in Filmen und Fernsehen sehen wollen, nacheinander »Geschichten über den Sieg aus widrigen Umständen (voller Hoffnung / heilsam und positiv)«, »Freundschaft und soziale Kreise« und »Menschen, deren Leben dem eigenen ähnelt« sind – das Superheldengenre ist auf Platz 5 gefallen.
Das heißt für Inhaltsersteller: Wenn Sie junge Zuschauer ansprechen und auf sichere Karten setzen wollen, ist »Authentisch, warm, mit Verbindung« die erste Wahl. Es ist keine gute Idee mehr, Jugendliche mit visuellen Effektwundern anzulocken.
Der Bericht zeigt, dass die Vorliebe von Jugendlichen für Beziehungsnarrative einheitlich auf »Entsexualisierung, Betonung von Freundschaft« ausgerichtet ist: 63,8 % wünschen sich, dass romantische Handlungen »sich auf die Freundschaft zwischen den Partnern statt auf Sex konzentrieren«; 57,3 % wollen mehr Darstellung reiner Freundschaft sehen; 56,8 % wünschen sich, dass heterosexuelle Beziehungen »zuerst Freundschaft sind und nicht zu einer Liebesbeziehung werden«.
Diese Tendenz hängt offensichtlich mit dem Wandel der soziokulturellen Verhältnisse zusammen. Sie beeinflusst nicht nur traditionelle Liebesfilme und -serien, sondern die Darstellung von Beziehungen zwischen Mann und Frau in allen Film- und Fernsehwerken.
Einfaches »CP-Paar-Bilden« kann Jugendliche nicht mehr leicht beeindrucken. »Entsexualisierte CPs« sind vielleicht genau das, was die aktuelle Generation junger Menschen am liebsten sehen will.
Aus dieser Perspektive gehören Nezha und Ao Bing, Zhongli Quan und Lü Dongbin also zu den CPs, die »entsexualisiert sind und Freundschaft betonen«, nicht wahr?
Auch bei Schauspielern ist der Geschmack von Jugendlichen etwas überraschend.
Auf die Frage »Wer sollte die Hauptrolle spielen?« wählten 39,8 % »neue Schauspieler, die man noch nie gesehen hat«, 38,2 % wählten »bekannte Schauspieler«, und nur 16,8 % wählten »Internet-Prominente«.