Masayoshi Son verdient Geld in China, gibt es in Europa und Amerika aus und bringt keinen einzigen Cent mit nach Hause?
Masayoshi Son hat die Kapitalmärkte erneut in Erstaunen versetzt: Er hat 646 Milliarden US-Dollar in OpenAI investiert und dafür nur einen Anteil von 13 % erhalten. Das Entscheidende ist, dass ein erheblicher Teil dieser Mittel neben dem Eigenkapital aus dem Aktienverkauf auch geliehen wurde – zu einem hohen Zinssatz von fast 10 %. Dieser verrückte Stil des „All-In“ ist typisch für Masayoshi Son.
Wenn man an die vergangenen Jahre denkt: Er hat massiv in Jack Ma investiert und Alibaba 82 Millionen US-Dollar gegeben. Später erhielt er Dividenden und Erlöse aus Aktienverkäufen in Höhe von mehreren zehn Milliarden US-Dollar. Mit diesem einen Schlag wurde er zum Mythos und zum reichsten Mann Japans.
Doch nachdem er den chinesischen Markt verlassen hatte, liefen seine Investitionen schlecht. Besonders seine Projekte in den USA wurden von vielen jungen Leuten, die nur schöne Powerpoints machen, gründlich betrogen. Das soziale Einhorn IRL, OYO – das „Pinduoduo der Hotelbranche“, OneWeb, das sich an SpaceX orientierte, Wirecard – das „deutsche Alipay“, das berühmte Uber und das Shared-Office-Unternehmen WeWork: Diese bekannten Projekte haben Masayoshi Son insgesamt über 20 Milliarden US-Dollar Verlust gebracht, ganz zu schweigen von den unbekannteren Projekten, die ebenfalls Geld verschlungen haben.
Er verdiente Geld in China und verlor es in den USA – heute scheint Masayoshi Son die Orientierung verloren zu haben.
Nvidia verkauft, mit hohen Zinsen Hebel in die KI investiert
Kürzlich hat Masayoshi Son zwei Dinge getan, die die Öffentlichkeit wieder dazu bringen, zu bezweifeln, ob er „verrückt“ geworden ist.
Das Erste: Er hat 646 Milliarden US-Dollar in eine letzte einmalige Investition in OpenAI gesteckt und dafür nur einen Anteil von 13 % erhalten.
Woher stammt dieses Geld? Ein Teil davon stammt aus dem Verkauf von Vermögenswerten: Im vergangenen Oktober traf Masayoshi Son eine Entscheidung, die die Investmentbranche schockierte – er verkaufte alle seine 32,1 Millionen Nvidia-Aktien und realisierte auf einen Schlag 5,83 Milliarden US-Dollar. Damals sagte Masayoshi Son, dass er Nvidia eigentlich nicht verkaufen wollte, aber um Geld für Investitionen in OpenAI zu beschaffen, musste er den schmerzhaften Schritt tun. Er beschrieb sich sogar damit, dass er „die Nvidia-Aktien unter Tränen verkauft hat“.
Neben dem Eigenkapital aus Aktienverkäufen stammt mehr als die Hälfte dieser 646 Milliarden aus geliehenem Geld. SoftBank hat in diesem Jahr durch Anleiheemissionen und Kredite im Ausland und im Inland in Japan etwa 37 Milliarden US-Dollar beschafft und sogar eine Kreditlinie von 5 Milliarden US-Dollar durch die Verpfändung von Aktien von Arm erhöht. Um genug Geld zu leihen, hat SoftBank drei Anleihen nacheinander emittiert – mit einem maximalen Zinssatz von 9,75 %:
Das ist absolut absurd: Man braucht gar nicht nach dem aktuellen Marktzinssatz für Kredite zu fragen – selbst als der „Herr mit dem Gürtel“ vor Jahren Anleihen emittierte, erreichte der Zinssatz nicht dieses Niveau. Wenn man diese geliehenen 10 Milliarden US-Dollar ohne Zinseszins berechnet (mit jährlicher Zinszahlung), summieren sich Zinsen und Kapital auf 15,88 Milliarden US-Dollar. Aber im aktuellen Stadium kann OpenAI überhaupt keine Dividenden ausschütten – stattdessen werden täglich weiter Kosten für Rechenleistung, Forschung und Personal investiert. Er muss also erst Geld auftreiben, um diese Zinsen zu zahlen.
Das heißt: Nach einigen Jahren muss die Bewertung der Aktien, die er mit diesem Geld gekauft hat, mindestens um 60 bis 70 % steigen, und er muss sie auch verkaufen können, um gerade keinen Verlust zu machen. Außerdem darf die Zinszahlung währenddessen nicht unterbrochen werden. Wenn die Bewertung der Sicherheiten fällt, wird er außerdem aufgefordert, zusätzliche Sicherheiten zu stellen oder das Kapital vorzeitig zurückzuzahlen – ohne Sicherheiten ist dieser Kredit absolut unmöglich.
Dieser verrückte Stil, alles auf eine Karte zu setzen, ist typisch für Masayoshi Son.
Was das Zweite angeht: Er nimmt die erste Sache überhaupt nicht ernst, sondern geht zu den „Fürsten des Nahen Ostens“, um „Geld zu beschaffen“ – er plant, weitere 1000 Milliarden US-Dollar aufzunehmen, um weiter in KI zu investieren.
Laut einem Bericht der britischen „Financial Times“ sucht Masayoshi Son, Gründer von SoftBank, bei Investoren aus der Golfregion nach bis zu 1000 Milliarden US-Dollar, um seine KI-Investitionen auszuweiten. In den letzten Wochen hat er sich intensiv mit hochrangigen Vertretern unter anderem der Vereinigten Arabischen Emirate beraten. Das Geld soll für die Gründung eines Fonds verwendet werden, um zunächst Unternehmen zu erwerben und dann deren Betrieb mit KI zu transformieren.
Aber damals war sein großer Erfolg, der ihn berühmt machte, vor allem die Investition in Jack Mas Alibaba: Er gab Alibaba 82 Millionen US-Dollar, verkaufte seine Anteile nach und nach bis heute und erzielte einen Ertrag von mehreren zehn Milliarden US-Dollar. In seinem ganzen Leben war dies die erfolgreichste Investition, mit der er das meiste Geld verdiente – und das brachte ihm den Titel „Gott der Investitionen in Japan“ ein.
Später investierte Masayoshi Son in viele andere Technologieunternehmen, vor allem in plattformbasierte Unternehmen wie Alibaba, und am meisten in Projekte in den USA – aber er wurde gründlich betrogen:
Das soziale Einhorn IRL mit einer Bewertung von 1,17 Milliarden US-Dollar stellte sich schließlich heraus: 95 % seiner 20 Millionen Nutzer waren Bots, dann brach es zusammen.
OYO, das als „Pinduoduo der Hotelbranche“ bezeichnet wurde, ging vollständig unter.
OneWeb, das sich an Elon Musks SpaceX orientierte, erhielt insgesamt 3,4 Milliarden US-Dollar an Finanzmitteln, davon 2 Milliarden von SoftBank – dann ging es pleite.
Wirecard, das „deutsche Alipay“, hatte zeitweise eine Marktkapitalisierung von 200 Milliarden Euro, dann fiel sie auf 2 Milliarden Euro – das Unternehmen war am Ende.
Bei dem berühmten Uber zahlte SoftBank 7,7 Milliarden US-Dollar und verlor am Ende über 5 Milliarden beim Verkauf der Anteile.
Am extremsten ist aber das Shared-Office-Unternehmen WeWork: Sein Gründer hat Masayoshi Son überredet, ihn schnell durch die Büros zu führen, und erhielt dafür 4,4 Milliarden US-Dollar. Nachdem das Geld verbrannt war, hat er Masayoshi Son mit einem einfachen Anruf weitere 1 Milliarde US-Dollar erschlichen – alles in allem.
Sein Weg der Verluste in Europa und Amerika muss man detailliert erzählen.
Der Versuch, „ein zweites Alibaba zu schaffen“, scheiterte – das deutsche Alipay ging unter
Die zwei erfolgreichsten Investitionen von Masayoshi Son waren zuerst Yahoo und dann Alibaba. Besonders die Rendite von Alibaba war unglaublich hoch – das führte dazu, dass er sich für Projekte wie „das Taobao eines anderen Landes“ oder „das Alibaba eines anderen Landes“ zu begeistern begann, in der Annahme, dass diese ebenfalls hundert- oder tausendfache Renditen erzielen würden. Aber es gibt nur einen chinesischen Markt und nur ein Alibaba – das Ergebnis war vorhersehbar.
Vor 20 Jahren gab es in Europa ein neues aufstrebendes Internetunternehmen namens Wirecard. In den frühen Jahren bot das Unternehmen Dienste für einige Glücksspielseiten und Videoportale an. Nach dem Erwerb einer Bank im Jahr 2006 wurde es zu einem Dienstleister für umfassende Zahlungsgeschäfte.
2010 stellte die Europäische Union die Strategie für eine digitale Wirtschaft vor. Wirecard erhielt starke Unterstützung von Deutschland und sogar der Europäischen Kommission und begann, sich rasant auszudehnen.
Zunächst besaß Wirecard eine Bank und konnte das POS-Netzwerk unter der Zentralbank der EU für Abrechnungen nutzen. Nachdem es staatliche Unterstützung erhalten hatte, begann es, neue Kunden zu erwerben – unter anderem erwarb es 2017 20.000 Kunden der Citibank in 11 Ländern im asiatisch-pazifischen Raum. Seine Geschäfte erstreckten sich auf fast alle wichtigen Länder in Europa. Bis 2018 überschritt der Jahresumsatz von Wirecard 2,2 Milliarden Euro (ca. 17,5 Milliarden Yuan) und es war Partner von Zahlungsgiganten wie Visa, Mastercard, Apple Pay, WeChat und Alipay.
Auf diese Weise wurde Wirecard zu einer deutschen Aktie im Bereich Finanztechnologie. Seine Marktkapitalisierung erreichte zeitweise 24,6 Milliarden Euro (ca. 195,1 Milliarden Yuan), übertraf die der Deutschen Bank, wurde in den deutschen Blue-Chip-Index DAX aufgenommen und hatte nach Volkswagen und Siemens das zweithöchste Gewicht. Es galt als deutsches Technologieunternehmen, das in der Lage war, die Giganten aus dem Silicon Valley herauszufordern.
Genau das ist, was der Markt als „deutsches Alipay“ bezeichnet hat.
Aber im Jahr 2018, diesem Höhepunkt, erhielt die Finanzaufsicht Singapurs einen Anruf eines Hinweisgebers. In dem Anruf wurde aufgedeckt, dass das lokale Team von Wirecard Rechnungen und Verträge gefälscht hatte, um die Einnahmen zu erhöhen.
Anfang 2019 enthüllte die „Financial Times“ diese Angelegenheit. Die singapurische Polizei stellte bei Ermittlungen fest, dass die mutmaßlichen Fälschungen sich auf drei Unternehmen mit Hauptsitz in Dubai, Singapur und den Philippinen konzentrierten – und diese drei Unternehmen lieferten über 95 % der Gewinne von Wirecard.
Nachdem die Untersuchungsergebnisse veröffentlicht wurden, brach der Aktienkurs ein. Wirecard trat auf, um die „Financial Times“ zu widersprechen und behauptete, alles seien falsche Nachrichten. Die deutsche Aufsicht unterstützte dies und verbot sogar Leerverkäufe von Wirecard durch globale Investoren. Überraschenderweise stieg der Aktienkurs daraufhin langsam wieder an:
Die deutsche Aufsicht, die Wirecard beschützte, erhielt viel Kritik – aber plötzlich erschien Masayoshi Son als „weißer Ritter“, um zu retten: Im April 2019 beteiligte sich SoftBank mit 900 Millionen Euro an Wirecard, erwarb Wandelschuldverschreibungen von Wirecard und sagte sogar, dass er mit Alibaba zusammenarbeiten würde, um das Unternehmen zu unterstützen.
Aber niemand ahnte, dass es im nächsten Jahr zum Skandal kam:
Wirecard veröffentlichte plötzlich eine Mitteilung: Der Wirtschaftsprüfer EY konnte nicht bestätigen, ob 1,9 Milliarden Euro (2,1 Milliarden US-Dollar) Bargeld in seinem Jahresabschluss existieren. Daher wurde die Veröffentlichung des letztjährigen Jahresberichts und des Quartalsberichts für das erste Quartal dieses Jahres abgesagt.
Danach stürzte der Aktienkurs von Wirecard innerhalb einer Woche von über 100 Euro auf nur noch 1,28 Euro ab. Die verpfändeten Aktien von Markus Braun, CEO und Großaktionär von Wirecard, wurden zwangsliquidiert. Er wurde kurz darauf verhaftet, drei weitere Führungskräfte werden ermittelt.
Der Gigant mit einer Marktkapitalisierung von 200 Milliarden Euro fiel auf 2 Milliarden Euro, wurde von der Frankfurter Börse vom Handel ausgesetzt und beantragte wenige Tage später direkt Insolvenz.
Nun wurde aus dem „deutschen Alipay“ das „deutsche Zhangzidao“ – das Ausmaß der Fälschung und die Schwere des Vorfalls waren viel größer. Einige Medien nannten es sogar die „deutsche Version von Enron“.
Eigentlich gab es schon lange Hinweise auf die Unregelmäßigkeiten bei Wirecard:
In diesen drei Jahren erhielt EY keine Informationen über die wichtigen Konten von Wirecard von der Oversea-Chinese Banking Corporation in Singapur. Es prüfte nur die Dokumente und Screenshots, die von den Drittverwaltern und der Wirecard selbst bereitgestellt wurden, und gab die Prüfung ab. Auch KPMG, das für die Prüfung von Wirecard zuständig war, weigerte sich, zu unterschreiben – weil eine Zahlung von 1 Milliarde Euro für eine Übernahme nicht bestätigt werden konnte.
Nach dem Vorfall versuchten die Mitarbeiter von SoftBank, Warren Buffett die Schuld zu geben:
„Die Inspiration, letztes Jahr in Wirecard zu investieren, kam von Buffett. Wie allgemein bekannt ist, hat Buffett einmal durch strukturierte Investitionen Wandelschuldverschreibungen von bevorzugten Aktien gekauft, um in Unternehmen zu investieren, die während der Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten waren – und damit Gewinn erzielt.“
Der alte Herr Buffett wurde völlig unschuldig in die Sache hineingezogen.