Vom Bilibili-UP-Creator zu einem börsennotierten Unternehmen mit einem Marktwert von 50 Milliarden Yuan: Das 33-jährige Wunderkind wagt erneut den Schritt an die Hongkonger Börse
Am Abend des 20. September hielt Qiyuan Robotics eine Pressekonferenz in Shanghai, und Peng Zhihui (auch bekannt als Zhihui Jun) stand auf der Bühne. Er verfügt über eine lange Liste von Identitäten: ehemaliger „Talent-Junior“ von Huawei, Mitbegründer, Präsident und CTO von Intelligent Robotics sowie Vorstandsvorsitzender des an der A-Börse notierten Unternehmens Shangwei New Materials. Auf der Pressekonferenz bezeichnete er sich selbst aber meist als „Produkterlebnisbeauftragter“.
Qiyuan ist eine Verbraucherrobotermarke unter Shangwei New Materials. Shangwei New Materials war ursprünglich ein Unternehmen der STAR-Marktplattform, das Materialien für Windradblätter und umweltfreundliche korrosionsbeständige Materialien herstellt. Im Jahr 2025 erwarb Intelligent Robotics durch vertragliche Übertragung kombiniert mit Übernahmeangebot eine Mehrheitsbeteiligung von 63,62 % für rund 2,1 Milliarden Yuan.
Obwohl Intelligent Robotics wiederholt bestritten hat, dass diese Transaktion eine „Umgehung der Börsennotierung“ darstellt, ist der Aktienkurs von Shangwei New Materials danach sprunghaft angestiegen, was zweifellos auf die Unterstützung durch das Konzept von Intelligent Robotics zurückzuführen ist.
Im Jahr 2025 stieg der Aktienkurs von Shangwei New Materials im Gesamtjahr um mehr als 1800 %, und sein Marktwert stieg von über 3 Milliarden Yuan auf heute rund 55 Milliarden Yuan. Im Vergleich dazu liegt die von den Ankerinvestoren angegebene Zielbewertung von Intelligent Robotics, das am 24. Juli den Prozess für die Börsennotierung in Hongkong bestätigt hat, nur zwischen 40 und 50 Milliarden Hongkong-Dollar.
Auf dieser Pressekonferenz stellte Qiyuan die zwei persönlichen Robotermodelle Q1 und T1 vor, deren Einstiegspreis bei 19999 Yuan liegt. Damit wurde der Preis für einen zweibeinigen humanoiden Roboter, der laufen und sprechen kann, auf einmal unter 20000 Yuan gedrückt. Die Auslieferung beginnt am 1. Oktober – vorher lag der Richtpreis für diese Produktkategorie bei 39900 Yuan für das Modell Unitree R1.
Quelle: Screenshot der offiziellen Website von Qiyuan
Aus Sicht des Kapitalmanagements betreibt Intelligent Robotics das B2B-Geschäft mit den vier Produktlinien Yuanzheng, Lingxi, Jingling und Kuo Tuo, deren Kunden hauptsächlich aus industriellen und gewerblichen Szenarien stammen, mit dem Ziel, an die Hongkonger Börse zu gehen. Das an der A-Börse verbleibende Shangwei New Materials erzählt dagegen eine C2C-Geschichte. Beide Seiten können die Technologie, Lieferkette und Markenunterstützung des „Intelligent Robotics-Systems“ gemeinsam nutzen.
Diese Geschichte funktionierte zwar im letzten Jahr auf dem überhitzten Markt für verkörperte Intelligenz, wird aber heute mit immer mehr Fragezeichen versehen. Mehr als eine Woche vor der Pressekonferenz schoss Shao Tianlan, Gründer von Mech-Mind, in seinen Freundeskreis auf WeChat fortwährend und behauptete, dass eine Gruppe von „organisierenden“ Unternehmen für verkörperte Intelligenz „falsche, nicht nachhaltige Einnahmen“ durch Datenerfassungszentren und verbundene Transaktionen erzielt.
Am Tag nach der Pressekonferenz stieg der Aktienkurs von Shangwei New Materials im Tagesverlauf um fast 7 %, schloss aber am Ende des Handelstages mit einem Rückgang von 4,14 %. Eine Frage lässt sich nicht vermeiden: Wie hoch ist die Glaubwürdigkeit der Einnahmen von Qiyuan Robotics? In welchem Umfang nutzt es die Kapitalkraft von Intelligent Robotics?
Den Preis für zweibeinige humanoide Roboter auf „Handyniveau“ senken
Qiyuan Robotics stellt den ersten offiziellen Vorstoß des Intelligent Robotics-Systems in den Markt für persönliche Roboter dar. Der Einstiegspreis von 19999 Yuan entspricht in etwa dem Budget für ein High-End-Handy, mit dem man einen zweibeinigen humanoiden Roboter kaufen kann. Die Explorationsversion kostet 26999 Yuan, das Modell Q1 ist 88 cm hoch, wiegt 15 kg und lässt sich zusammengeklappt in einen Rucksack stecken.
Die Art und Weise, wie Qiyuan Produkte herstellt, weist deutliche Merkmale von Intelligent Robotics auf. Peng Zhihui gab an, dass das Team Dutzende von Haushalten besucht hat und die Höhe von Q1 auf 88 cm festgelegt hat – nahe der Augenhöhe eines zwei- bis dreijährigen Kindes, damit es sich natürlich in den häuslichen Raum integrieren kann.
Auf der Bühne verbrachte er viel Zeit damit, zu erläutern, wie Benutzer die Außenhülle des Roboters per 3D-Druck austauschen können. Die Grundlage für diese Produktdarstellung ist das von Qiyuan selbst entwickelte „Eiergelenk“: Es wiegt 260 Gramm, hat einen Durchmesser von 47 mm, eine maximale Drehmomentdichte von 85 N·m/kg. Das Gelenk wurde auf die Größe eines Eies verkleinert, sodass der zweibeinige Roboter erst in einen Rucksack gesteckt und der Preis unter 20000 Yuan gedrückt werden kann.
Quelle: Screenshot des offiziellen öffentlichen Kontos von Qiyuan Robotics auf WeChat
Bei der Marketingstrategie orientiert sich Qiyuan eindeutig an der Unterhaltungselektronik: Auf der Pressekonferenz traten nacheinander Huang Xiaoming, Hu Jun und Tian Liang mit seiner Frau auf. Der Hauptveranstaltungsort in Shanghai war gleichzeitig mit Erlebnisläden in 7 Städten im ganzen Land verbunden, was dem Muster „zuerst Aufmerksamkeit erzeugen, dann Vertriebskanäle aufbauen“ folgt.
Auf der Ebene des Geschäftsmodells nutzt Qiyuan zudem die Lieferkette und die Massenproduktionskapazität des Intelligent Robotics-Systems, um die Kosten zu senken – Intelligent Robotics hat im März 2026 den zehntausendsten Roboter ausgeliefert und bis Ende Juni bereits 15000 Einheiten erreicht. In einem System zu wachsen, das die Massenproduktion bereits erfolgreich umgesetzt hat, ist auch der größte Vorteil von Qiyuan gegenüber Startups für verkörperte Intelligenz.
Auf der Kapitalseite zeigt der Halbjahresbericht 2026, dass der den Aktionären von Shangwei New Materials zuzurechnende Nettogewinn einen Verlust von 167 Millionen Yuan aufweist. Der Hauptgrund dafür sind die Forschungs- und Entwicklungsausgaben für das Robotergeschäft in Höhe von 164 Millionen Yuan, die mehr als 90 % der gesamten F&E-Ausgaben ausmachen. Obwohl das neue Geschäft noch keine Einnahmen aus der Massenproduktion erzielt hat, hat es bereits Vorauszahlungen in Höhe von 210 Millionen Yuan eingebracht.
Im August hat Shangwei New Materials einen Aktienanreizplan veröffentlicht, der gleichzeitig seine zukünftigen Entwicklungsziele festlegt: Im Jahr 2026 soll der Anteil der Einnahmen aus dem neuen Geschäft am Gesamteinnahmen nicht unter 25 % liegen, im Jahr 2027 soll er gegenüber 2026 um nicht weniger als 160 % wachsen und im Jahr 2028 gegenüber 2026 um mehr als 700 % netto steigen.
Mit anderen Worten: Qiyuan geht einen standardisierten Produzierungsweg vor: Produkte definieren, den Preis senken, Vertriebskanäle aufbauen und dann die Zweifel durch Absatzmengen und Einnahmenwachstum beantworten.
Peng Zhihui sagte: Die Logik der Aufteilung des Intelligent Robotics-Systems lautet „Szenarien entkoppeln, spezialisierte Vertiefung“. Tian Hua, CEO von Shangwei New Materials, erklärte dazu: Roboter werden in industrielle, häusliche und persönliche Kategorien unterteilt, und Qiyuan konzentriert sich auf persönliche und häusliche Anwendungen.
Man kann sagen, die Geschäftslogik der beiden Roboterhersteller besteht darin, dass sich eines auf Industrie und Gewerbe konzentriert, das andere sich an persönliche Nutzer richtet, nach außen die Unterstützung des Intelligent Robotics-Systems teilt und nach innen den Markt nach Szenarien aufteilt.
Die „Visitenkarte“ von Intelligent Robotics
In dieser Geschichte ist Peng Zhihui die Schlüsselfigur sowohl bei Intelligent Robotics als auch bei Qiyuan.
Er wurde 1993 auf dem Land in Ji'an, Jiangxi, geboren, und seine Eltern waren einfache Angestellte. Er absolvierte seinen Bachelor- und Masterstudiengang an der University of Electronic Science and Technology of China. Nach dem Abschluss trat er als KI-Algorithmen-Ingenieur in das OPPO-Forschungsinstitut ein. In seiner Freizeit lud er auf Bilibili seine anspruchsvollen Erfindungen hoch – ein autonom fahrendes Fahrrad mit Kosten von weniger als 10000 Yuan, einen Roboterarm, der Trauben nähen kann – wodurch er mehr als 2,8 Millionen Fans gewann und den Spitznamen „wilder Eisenmann“ erhielt.
Im Jahr 2020 bestand er sieben Runden von Vorstellungsgesprächen und wurde mit einem Spitzenjahresgehalt von 2,01 Millionen Yuan in das Huawei-Programm „Genie-Jugendlicher“ aufgenommen. Er trat das Shanghai AI-Forschungsinstitut ein, um Forschung zu Ascend-Chips und KI-Algorithmen zu betreiben. Ren Zhengfei erwähnte später in einer internen Rede bei Huawei ausdrücklich diesen jungen Mann, der das autonome Fahrrad entwickelt hat.
Ende 2022 verließ Peng Zhihui Huawei und schloss sich mit Deng Taihua zusammen. Der 1977 geborene Deng Taihua arbeitete mehr als 20 Jahre bei Huawei und stieg bis zum Vizepräsidenten des Unternehmens und Präsidenten der Produktlinie für Rechentechnik auf. Er lud diesen talentierten jungen Mann ein, gemeinsam ein Unternehmen zu gründen. Im Februar 2023 wurde Intelligent Robotics gegründet. In der öffentlichen Funktion ist Deng Taihua Vorstandsvorsitzender und CEO und verantwortet Betrieb, Kapital und Lieferkette. Zhihui Jun ist Präsident und CTO, verantwortet die Technik und fungiert zudem als „Visitenkarte“ von Intelligent Robotics.
Quelle: Offizielle Website von Intelligent Robotics
Nach der Zusammenarbeit der beiden wuchs Intelligent Robotics mit einer Geschwindigkeit, die in der chinesischen Roboterbranche fast ohne Beispiel ist. Deng Taihua gab auf der Partnerkonferenz im April dieses Jahres bekannt, dass der Umsatz von Intelligent Robotics 2023 etwa 300000 Yuan, 2024 etwa 60 Millionen Yuan betrug und 2025 über 1,05 Milliarden Yuan lag. Damit ist es das schnellste Roboterunternehmen in China, das einen Umsatz von über 1 Milliarde Yuan erzielt hat.
Das Wachstum im Jahr 2026 beschleunigt sich weiter: Im ersten Quartal überschritt der Quartalsumsatz 1 Milliarde Yuan, womit in einem einzigen Quartal der gesamte Umsatz von 2025 erzielt wurde. Die Verluste von Intelligent Robotics verkleinern sich Jahr für Jahr: Der den Aktionären zuzurechnende Nettogewinn von 2023 bis 2025 betrug -103 Millionen Yuan, -95,36 Millionen Yuan bzw. -83,54 Millionen Yuan.
Die Massenproduktion ist eine weitere Aufstiegskurve: Bis Ende Juni 2026 wurde der 15000ste Roboter von Intelligent Robotics ausgeliefert. Im ersten Halbjahr dieses Jahres ergab eine Statistik des Marktforschungsinstituts SAG, dass Intelligent Robotics mit einem Lieferanteil von 44 % die Spitzenposition weltweit einnimmt.
Auf den Roboterhersteller bezogen hat Intelligent Robotics zudem eine Reihe von Ökosystemunternehmen ausgegründet: Lingjie Dianyuan für geschickte Roboterhände, Qingtian Zu für eine Vermietungsplattform, Mifeng für Datenerfassung. Das Geschäft mit vierbeinigen Robotern wurde in Intelligent Robotics Kuo Tuo aufgeteilt, das von Deng Taihua persönlich geleitet wird.
Deng Taihua hat für Intelligent Robotics den „358-Großplan“ festgelegt: Der Umsatz soll 2025 1 Milliarde Yuan erreichen, 2027 10 Milliarden Yuan übersteigen und 2030 100 Milliarden Yuan anstreben. Auf der Konferenz im April sagte er, dass die Serie „Yuanzheng“ bereits mehr als 2000 Einheiten ausgeliefert wurde und die Produktionskapazität für das zweite Quartal dieses Jahres bereits vollständig gebucht ist.
Der Zeitpunkt zum Entfernen der Spekulationsblase ist gekommen
Aber hinter den beeindruckenden Liefermengen und Umsätzen: Wer sind die Käufer der Roboter von Intelligent Robotics?
Derzeit stammen die Hauptabnehmer der humanoiden Roboter von Intelligent Robotics immer noch von institutionellen Seiten. Nach Berichten von „Caijing“ hat Intelligent Robotics direkt oder indirekt an mehr als zehn Projekte mit staatlichem Kapitalhintergrund teilgenommen, wobei mehrere Projektbeträge in Millionenhöhe liegen.
Zum Beispiel hat Intelligent Robotics im Juli 2025 das Projekt zur Beschaffung von Datenerfassungs- und Ausstellungsrobotern von Zhuhai Zhihui Yuanqi Technology Co., Ltd. mit einem Betrag von 12,736 Millionen Yuan gewonnen. Der Käufer selbst ist jedoch ein Joint Venture, an dem Intelligent Robotics beteiligt ist – Intelligent Robotics hält 30 % der Anteile, 40 % der Anteile werden von einem Staatsunternehmen unter der Zhuhai Huafa-Gruppe gehalten, das gleichzeitig auch Anteilseigner von Intelligent Robotics ist.
Diese Vorgehensweise ist in der Branche kein Geheimnis. Im Februar dieses Jahres teilte eine zentrale Person aus der Branche dem Magazin „China Entrepreneur“ mit, dass viele Projekte nach ähnlichem Muster ablaufen: Unter der Unterstützung einer Plattform wird ein Datenerfassungszentrum aufgebaut. Das Geld aus dem Verkauf von Robotern wird als Einnahme verbucht, das Geld für den Rückkauf von Daten wird als F&E-Ausgabe und nicht als Aufwand verbucht. In der Gewinn- und Verlustrechnung zeigt sich dann ein starkes Wachstum der Einnahmen bei hohen F&E-Ausgaben.
Die Datenerfassung an sich ist kein Vergehen. Der Mangel an Daten ist ein gemeinsames Problem der gesamten Branche. Der Aufbau eines hochwertigen Datenerfassungssystems mit echten Geräten und der Verkauf von Robotern an Institutionen ist ein übliches Phänomen in der Branche. Der wesentliche Grund liegt darin, dass die Fähigkeit zur kommerziellen Umsetzung von Robotern noch nicht ausgereift ist.