Im Jahr 2022 kehrte sein Auto plötzlich ins Jahr 2002 zurück, der Hersteller teilte ihm jedoch mit: Warte bis zum 17. August.
Anfang Januar 2022 bemerkte ein US-amerikanischer Autobesitzer beim Starten seines Fahrzeugs, dass das Datum auf dem Zentralbildschirm nicht ganz stimmte:
Quelle: X
Darauf stand der 1. Januar 2002, die Uhrzeit zeigte 2 Uhr morgens. Nach dem Aufwachen fehlten im Kalender des Autos plötzlich 20 Jahre.
Er versuchte, die Uhrzeit neu einzustellen, stellte aber bald fest, dass das Problem komplizierter war als ein einfacher Fehler der elektronischen Uhr. Wenn er den Motor abstellte und das Fahrzeug neu startete, leuchtete der Bildschirm wieder auf und zeigte erneut den 1. Januar 2002 um 2 Uhr morgens an. Bei jedem nächsten Start passierte dasselbe.
Damals, kurz nach Neujahr, tauchten im Internet nach und nach ähnliche Berichte auf: Bei einigen älteren Fahrzeugen, die seit mehr als zehn Jahren in Betrieb waren, sprang das Datum plötzlich gemeinsam auf das Jahr 2002 zurück und die Uhren gerieten durcheinander.
Quelle: Screenshot
Sie hatten eines gemeinsam: Alle waren mit dem älteren serienmäßigen GPS-Navigationssystem dieser Generation ausgestattet. Später veröffentlichte der Hersteller eine technische Mitteilung, die diesen Fehler bestätigte.
Ein Autobesitzer öffnete das Diagnosemenü des Navigationssystems, das normalerweise nicht verwendet wird, um herauszufinden, was genau darin falsch lief. Dabei stellte er fest, dass das interne GPS-Datum dort nicht mit dem wiederholt auf der Zentralanzeige angezeigten 1. Januar übereinstimmte – es zeigte Mai 2002 an.
Quelle: acrazine
Jemand subtrahierte das tatsächliche Datum davon und stellte fest, dass das System nicht zufällig 20 Jahre zurückgesetzt wurde, sondern dass ihm genau 1024 Wochen fehlten.
Quelle: static.nhtsa.gov
1024 ist genau 2 hoch 10, und das traditionelle GPS-Navigationssignal reserviert für die „Wochennummer“ nur 10 Binärstellen. Der daraus darstellbare Zahlenbereich reicht von 0 bis 1023. Jede Woche wird die Zahl um 1 erhöht – nachdem sie 1023 erreicht hat und um 1 weitergezählt wird, springt sie wieder auf 0 zurück.
Quelle: essp
Ein vollständiger Zyklus dauert 1024 Wochen, also etwa 19,7 Jahre. Dieses Phänomen, bei dem die Wochennummer von vorne gezählt wird, hat einen Namen: GPS-Wochennummernumschlag.
Bei dieser Zeitmessung werden die von den Satelliten übermittelten Wochennummern wiederverwendet. Der Empfänger muss anhand seiner eigenen Datumsreferenz und seines Programms bestimmen, zu welchem Zyklus die aktuelle „Wochennummer“ gehört. Geräte, die dies korrekt verarbeiten, ergänzen den fehlenden Zyklus; diese älteren Systeme machten hier einen Fehler und berechneten ein Datum, das genau einen vollen Zyklus – also 1024 Wochen – zurücklag.
Der vorherige Wochennummernumschlag bei GPS fand eigentlich 2019 statt, aber die Zeitmessmethode dieser älteren Navigationssysteme war anders, sodass das Problem erst 2022 auftrat.
Die Ursache war gefunden – aber wie ließ sich das Problem beheben?
Die später vom Hersteller veröffentlichte technische Mitteilung bot eine ungewöhnliche Lösung. Es wurde kein Software-Patch bereitgestellt, der das Problem sofort beheben konnte, sondern die Autobesitzer wurden aufgefordert, auf ein ganz bestimmtes Datum zu warten:
Quelle: static.nhtsa.gov
17. August 2022.
In der Mitteilung hieß es, dass ab diesem Datum das GPS-Zeitsignal wieder gültig sein werde. Die Autobesitzer könnten die Uhr dann neu einstellen, und nach einem Neustart des Fahrzeugs würde die Zeit nicht mehr auf den Standardwert zurückspringen. Ab Neujahr gerechnet musste man mehr als sieben Monate warten.
Warum ausgerechnet bis zum 17. August?
Wenn man von diesem Datum die fehlenden 1024 Wochen abzieht, ergibt sich ein glattes Ergebnis: 1. Januar 2003. Das heißt, wenn die reale Welt den 17. August 2022 erreicht, wird in dem fehlerhaften Navigationssystem endlich der erste Tag des Jahres 2003 eintreten.
Quelle: minkara
Einige Autobesitzer testeten dies im Voraus mit einem GPS-Signalsimulator. Der Simulator konnte den Empfänger dazu bringen, GPS-Signale mit einem festgelegten Datum zu empfangen, was gleichbedeutend damit war, das Navigationssystem allein in die „Zukunft“ zu schicken. Wenn ein Datum Anfang 2022 simuliert wurde, sprang das System tatsächlich auf das Jahr 2002 zurück; wenn das simulierte Datum auf den 17. August vorgezogen wurde, funktionierte die Uhr wieder normal und ließ sich korrekt einstellen.
Das bedeutete, dass man nicht sieben Monate in der Realität warten musste, um das vom Hersteller angegebene Datum am Gerät zu überprüfen.
Schließlich kam der 17. August 2022 wirklich. Im Internet tauchten nach und nach Berichte von Autobesitzern auf: Die Uhr ließ sich wieder einstellen. Jemand stellte die Zeit neu ein, stellte den Motor ab und startete das Fahrzeug neu – und stellte fest, dass sie endlich nicht mehr auf das falsche Standarddatum zurücksprang.
Diese mehr als sieben Monate andauernde „Zeitreise“ war tatsächlich durch Abwarten vorbeigezogen.
Diese älteren Fahrzeuge konnten die Zeit endlich wieder korrekt einstellen. Was das laufende Jahr angeht, waren sie aber immer noch ein wenig verwirrt.
Quellen:
American Honda Motor Co., Inc. (2022). Clock Repair Procedure. ServiceNews Article A21120B, Version 2, January 2022.
American Honda Motor Co., Inc. (2023). Clock Repair Procedure for Vehicle Navigation Systems Using the Turquoise Map Disc. ServiceNews Article A21120B, Version 3, June 2023.
National Coordination Office for Space-Based Positioning, Navigation, and Timing. GPS Week Number Rollover. GPS.gov.
DogP. (2022). “Navi/Dash Clock Sync MEGATHREAD.” AcuraZine, January 2022.