"Verkaufen", Goldman Sachs und Bank of America schlagen Alarm, doch einige erhöhen ihre Positionen
Der US-Aktienmarkt zeigt derzeit ein seltenes Muster der gespaltenen Positionierung: Die Stimmungsindikatoren auf Institutionsebene senden seit drei Wochen in Folge Verkaufssignale, während Hedgefonds und Optionshändler gleichzeitig ihre Positionen aufstocken – insbesondere bei Technologieaktien. Das gleichzeitige Vorliegen von bullischen und bärischen Signalen macht die Marktentwicklung zunehmend schwer einschätzbar.
Der Stimmungsindikator von Goldman Sachs befindet sich bereits die dritte Woche in Folge im „überdehnten“ Verkaufsbereich, und der Bull-Bär-Indikator der Bank of America Merrill Lynch erreicht ebenfalls einen Extremwert von 9,5. Der Analyst Michael Hartnett hat explizit ein Verkaufssignal ausgegeben. Die Warnungen der beiden großen Institute verstärken sich gegenseitig und trüben die derzeitige Optimismusstimmung am Markt ein.
Gleichzeitig haben Hedgefonds zum ersten Mal seit vier Wochen Nettokäufe von US-Aktien getätigt, wobei der Informations- und Technologiebereich die größten Kapitalzuflüsse verzeichnete – insbesondere Halbleiterwerte waren gefragt. Die bullische Stimmung am Optionsmarkt stieg auf den höchsten Stand seit Dezember 2020, und das Put/Call-Verhältnis fiel abrupt auf 0,61. Die völlig unterschiedlichen Handlungen dieser beiden Anlegergruppen führen zu einem widersprüchlichen Gesamtbild der Positionierung.
Goldman Sachs und die Bank of America senden gleichzeitig Verkaufssignale
Die Positionsindikatoren der beiden großen Wall-Street-Institute deuten in die gleiche Richtung: Die Marktstimmung ist überhitzt.
Der kombinierte Stimmungsindikator von Goldman Sachs fasst neun Positionsindikatoren von Institutionen, Privatanlegern und ausländischen Investoren zusammen und hat historisch eine statistisch signifikante Vorhersagekraft für die kurzfristige Rendite des S&P 500. Der Indikator befindet sich nun die dritte Woche in Folge im „überdehnten“ Verkaufsbereich.
Bei der Bank of America Merrill Lynch erklärte Stratege Hartnett, dass der aktuelle Wert ihres Bull-Bär-Indikators bei 9,5 liegt, was ein klares Verkaufssignal auslöst – und dieses starke Verkaufssignal hält weiterhin an. Der Indikator wird üblicherweise als konträrer Referenzpunkt für die Marktstimmung betrachtet: Je höher der Wert, desto stärker ist die Überhitzung des Marktes.
Hedgefonds stocken Positionen entgegen dem Trend auf – Technologieaktien als Hauptkaufziel
Obwohl die Warnsignale der Institute hoch sind, gehen die tatsächlichen Handlungen der Hedgefonds in die entgegengesetzte Richtung.
Laut Daten des Prime Brokerage von Goldman Sachs haben Hedgefonds in dieser Woche Nettokäufe von US-Aktien getätigt – das erste Mal seit vier Wochen. Die Hauptantriebskraft kam von der Rückdeckung von Short-Positionen in Einzelwerten. Der Informations- und Technologiebereich war der Sektor mit dem größten Nettokaufvolumen in dieser Woche, wobei Fondsmanager sich auf die Rückdeckung von Halbleiterpositionen konzentrierten – obwohl dieser Sektor im vergangenen Monat insgesamt noch im Nettoverkauf war.
Die Hebelwerte stiegen gleichzeitig. Der Gesamt-Hebelwert von US-Aktienfonds mit Long-Short-Strategie stieg um 1,1 Prozentpunkte auf 204 % und liegt damit im 4. Perzentil des letzten Jahres; der Netto-Hebelwert stieg um 0,7 Prozentpunkte auf 51,7 % und liegt im 21. Perzentil. Beide Werte befinden sich in einem historisch niedrigen Bereich, was zeigt, dass die Gesamtpositionierung der Hedgefonds noch relativ konservativ ist – diese Aufstockung stellt eher eine marginale Erholung dar.
Optionen und Large-Cap-Technologieaktien: Bullische Stimmung nimmt zu
Die Signale am Optionsmarkt stimmen mit der Richtung der Hedgefonds überein und sind noch deutlicher ausgeprägt.
Laut Daten von Barchart ist der Grad der Bullischheit von Optionshändlern am Aktienmarkt auf den höchsten Stand seit Dezember 2020 gestiegen. Das Gesamt-Put/Call-Verhältnis fiel abrupt auf 0,61, was einen deutlichen Anstieg der Wetten auf Aufwärtspotenzial am Markt widerspiegelt.
Die Optionsaktivitäten bei Large-Cap-Technologieaktien sind ebenfalls lebhaft. Daten des Volatilitäts-Handelsdesks von Goldman Sachs zeigen, dass das Volumen von Call-Optionen auf große Technologieaktien deutlich zugenommen hat. Daten der Deutschen Bank zeigen wiederum einen leichten Anstieg der Positionen bei großen Wachstums- und Technologieaktien: Der Positionswert für Large-Cap-Technologieaktien liegt bei 0,65 Standardabweichungen und im 88. Perzentil des letzten Jahres – was zwar hoch ist, aber noch kein Extremniveau erreicht.
Darüber hinaus haben laut Daten von Sentiment Trader die Kaufaktivitäten von Insidern im Technologiesektor deutlich zugenommen. Dieses Signal wird üblicherweise als Hinweis darauf gewertet, dass Teilnehmer mit Informationsvorteilen über die Unternehmensaussichten mit echtem Kapital Position beziehen.
Privatanleger ziehen sich zurück – die gesamte Positionsstruktur tendiert zur Spaltung
Im Gegensatz zu den Entwicklungen bei Institutionen und Hedgefonds ziehen sich Privatanleger deutlich zurück.
Laut Daten von Vanda Research ist die Geschwindigkeit, mit der Privatanleger derzeit Aktien kaufen, auf den langsamsten Stand seit mehr als sechs Jahren gesunken – was zeigt, dass die Beteiligung der Privatanleger am Markt deutlich nachlässt.
Betrachtet man die gesamte Positionierung, zeigt der kombinierte Wert der Deutschen Bank, dass die Aktienpositionen in dieser Woche leicht auf ein „moderates Übergewichtungsniveau“ gestiegen sind: Der Wert liegt bei 0,21 Standardabweichungen und im 53. Perzentil. Die Positionen bei Large-Cap-Aktien sind etwas höher und liegen im 68. Perzentil; die Positionen bei Large-Cap-Technologieaktien sind noch höher und befinden sich im 88. Perzentil – aber noch nicht im extremen Bereich.
Bei den Momentum-Strategien sind laut Daten von JPMorgan die entsprechenden Positionen und Performances von ihren Hochpunkten zurückgegangen, aber es gibt noch keinen extremen Abwärtstrend.
Anormale Volatilitätsstruktur: Extreme Divergenz zwischen Einzelwerten und Indizes
Derzeit gibt es am Markt ein weiteres bemerkenswertes strukturelles Signal: Eine extreme Divergenz zwischen der impliziten Volatilität von Einzelwerten und der impliziten Volatilität von Indizes.
Daten der Deutschen Bank zeigen, dass die implizite Volatilität auf Einzelwertebene hoch ist, während die implizite Volatilität auf Indexebene relativ moderat ausfällt – die Lücke zwischen beiden hat sich auf ein Extremniveau ausgeweitet. Dieses Phänomen entspricht einem Marktumfeld mit sehr geringer Korrelation zwischen Aktien und stark streuenden Renditen von Einzelwerten.
Das bedeutet, dass die derzeitigen Marktrisiken nicht von einem systemischen Gesamtabwärtstrend ausgehen, sondern sich vielmehr in einer starken Spaltung zwischen einzelnen Aktien äußern. Für Investoren gewinnt die Fähigkeit zur Aktienauswahl im aktuellen Umfeld deutlich an Bedeutung – während die Risikoprämie, die mit einer einfachen Halte-Strategie von Indizes erzielt werden kann, relativ begrenzt ist.
Dieser Artikel stellt keine persönliche Anlageberatung dar und gibt nicht die Meinung der Plattform wieder. Märkte sind risikoreich – Anlagen erfordern Vorsicht, treffen Sie Ihre Urteile und Entscheidungen unabhängig.
Dieser Artikel stammt aus dem WeChat-Offiziellen Konto „Wall Street CN“, Autor: Bu Shuqing, und wird mit Genehmigung von 36Kr veröffentlicht.