Ein Video aus Guangxi, in dem eine Person von einer Drohne getragen wird, geht im Ausland viral – viele Menschen dort glauben, es handele sich um eine KI-Generierung.
Eine Person hängt Dutzende Meter über dem Boden, unter ihr tobt die reißende Flut, über ihr schwebt eine riesige Drohne. Die erste Reaktion vieler ausländischer Internetnutzer lautete: „Ist das echt?“
Denn die Szene wirkt wie aus einem Science-Fiction-Film.
Jemand postete sogar extra in dem Reddit-Forum zur KI-Identifikation eine Frage: Ist dieses atemberaubende Video einer Flutrettung real oder künstlich intelligent generiert?
Tatsächlich handelt es sich nicht um KI: Dies ist die Rettungsszene bei den Überschwemmungen in Guangxi, wo Rettungskräfte große Drohnen einsetzten, um eingeschlossene Personen zu evakuieren. Nachdem die New York Times darüber berichtet hatte, verbreitete sich das Ereignis in den sozialen Medien im Ausland wie ein Lauffeuer.
„China lebt in der Zukunft“ – mit diesem Titel überschrieb sogar ein indisches Medium seine Berichterstattung.
„Das ist wirklich eine der besten Anwendungen von Drohnen, die ich je gesehen habe“.
Andere warfen eine grundlegende Frage auf: Darf eine Drohne eigentlich keine Menschen tragen?
01: Grundsätzlich ist das Tragen von Menschen verboten
Geltenden Vorschriften zufolge muss jedes Luftfahrzeug, das Personen befördern soll, eine Lufttauglichkeitsprüfung der Zivilluftfahrtbehörde durchlaufen und ein Lufttauglichkeitszertifikat besitzen. Landwirtschaftsdrohnen sind für den Frachttransport konzipiert und verfügen nicht über die erforderliche Genehmigung zur Personenbeförderung. Einfach ausgedrückt: Drohnen dürfen keine Menschen tragen.
Denn das ist unsicher.
Für Luftfahrzeuge zur Personenbeförderung gilt eine eiserne Regel: Der Ausfall eines einzelnen Systems darf die Flugsicherheit nicht gefährden. Bei den meisten Flugzeugen gibt es einen zweiten Motor, wenn der erste ausfällt, ein Backup-System, wenn die Hydraulik leckt – und selbst bei vollständigem Verlust aller Antriebe kann das Flugzeug noch mit den Tragflächen gleiten.
Landwirtschaftsdrohnen haben all das nicht. Fällt ein Motor aus, können die verbleibenden Motoren nur noch verzweifelt kompensieren, ob sie die Drohne stabil halten, ist reines Glückssache. Es fehlen zudem sichere Kabinen für Menschen und Absturzdämpfungssysteme.
Wird Fracht unten befestigt, ist der Verlust höchstens ein finanzieller Schaden – hängt aber ein Mensch unten, gibt es keine zweite Chance für das Leben.
Deshalb ist diese rote Linie so klar gezogen. Ende letzten Jahres wurde ein Drohnenpilot in Fengjie, Chongqing, bestraft, der mit einer landwirtschaftlichen Drohne einen Menschen auf einen Berg gehoben hatte: Ihm wurde nicht nur die Betriebsgenehmigung entzogen, sondern die örtliche Polizei erließ auch ein Verwaltungsstrafverfahren.
In einer offiziellen Mitteilung von DJI wurde dies als „schwerwiegender Vorfall mit enormem Sicherheitsrisiko“ eingestuft.
Wusste man um die Sicherheitsrisiken – warum machte man dann in Hengzhou, Guangxi, eine Ausnahme?
Denn die Flut war wirklich verheerend!
In der ganzen Ortschaft Yunbiao in Hengzhou fielen Strom, Wasser und Mobilfunk aus, sie wurde zu einer einsamen Insel. Alle Straßen auf dem Boden waren überflutet, Schlauchboote konnten in der reißenden Strömung nicht anlegen, Feuerwehrfahrzeuge kamen nicht durch – alle üblichen Rettungsmethoden versagten.
Am Morgen des 6. Juli geriet ein Tanklastwagen in Yunbiao in die Flut. Der Wasserstand stieg stetig, die Strömung war so stark, dass kein Boot sich nähern konnte. Der Fahrer kletterte auf das Dach des Fahrzeugs, unter ihm wogten die trüben Fluten. Feuerwehrkräfte setzten eine Hochlastdrohne ein, ließen ein Seil herunter und hievten den Fahrer vom Dach weg aus der reißenden Flut.
Am nächsten Tag verschlechterte sich der Gesundheitszustand eines Patienten mit chronischer Krankheit im Dorf Wangzhuang plötzlich – er musste sofort ins Krankenhaus. Doch das ganze Dorf war von über zwei Meter tiefem Wasser umgeben, Boote konnten nicht eindringen. Die Gongyang-Rettungsmannschaft holte Drohnen herbei, kombinierte sie mit Booten für eine gemeinsame Luft-Wasser-Evakuierung und holte den Menschen per „Hebevorgang“ heraus, um ihn direkt ins Krankenhaus zu bringen.
In diesen beiden Rettungsaktionen hing das Leben der Eingeschlossenen buchstäblich an einem Faden – über ihnen strömte Regen, unter ihnen die reißende Flut, jede Sekunde zählte. Ein einziger zusätzlicher Moment konnte über Leben und Tod entscheiden.
„Grundsätzlich dürfen Drohnen keine Menschen tragen – aber das Wohl der Menschen geht vor Regeln“ – dieser Satz ging nach der Rettungsaktion schnell viral. Die Regel, die Drohnen von der Personenbeförderung ausschließt, dient dem Schutz des Lebens. Wenn aber das Leben bereits unmittelbar bedroht ist, darf die Regel kein Fessel sein.
KI-generierte Bilder von Nutzern verbreiteten sich rasch in sozialen Medien: In der Dämmerung schwebt eine riesige Drohne in der Luft, ihr Suchlicht durchdringt die Dunkelheit, während Rettungskräfte auf dem Boden zusehen, wie der Gerettete sicher landet.
Das ist kaum von einem Superhelden-Film zu unterscheiden! „Unglaublich stark“, „Wenn das ein echtes Foto wäre, würde es den Pulitzer-Preis gewinnen“ – so lauten die Kommentare.
Nutzer erfanden auch witzige Anekdoten dazu.
Feuerwehr: Können eure Drohnen Menschen ziehen? DJI: Nein, sie können nur Lasten unter 200 kg transportieren.
Feuerwehr: Ich frage, ob sie Menschen ziehen können? DJI: Nein, nur Lasten unter 200 kg, keine Personenbeförderung – das erfordert spezielle Umbauten.
Feuerwehr: Wie baut man sie um? DJI: Man muss nur das Logo verdecken.
Denn das Logo steht für Regeln – deckt man es zu, rettet man erst das Leben. In dieser Rettung zeigte sich die perfekte Balance zwischen Technik und Regeln: Technik dient den Menschen, Regeln dürfen im Notfall gebrochen werden.
Was bei dieser Rettung am meisten beeindruckte, war aber nicht nur die Szene der „menschenziehenden Drohne“. Nach Ausbruch der Katastrophe strömten Drohnenpiloten aus ganz China nach Hengzhou. Wie Liang Weilei, der lokale Händler von DJI Agricultural, berichtete, waren zu Spitzenzeiten über 300 Drohnen gleichzeitig im Einsatz, mehr als 400 Piloten beteiligten sich. Einige kamen aus Shanxi, Hunan, Zhejiang, andere sogar aus dem fernen Heilongjiang. Sie reisten mit ihren eigenen Drohnen zur Flutzone und bildeten eine zivile Rettungsmannschaft.
Chen Hengsong, ein Drohnenpilot aus Laibin, Guangxi, war einer der ersten, die vor Ort ankamen. Am 6. Juli sah er online die Hilferufe und fuhr alleine mit dem Auto nach Yunbiao in Hengzhou. Im Fahrzeug transportierte er eine industrielle Drohne, mehrere Ersatzakkus und einen Dieselgenerator. In den folgenden Tagen flog er mit seiner Drohne durch mehrere überflutete Gebiete und beteiligte sich ununterbrochen an Rettungsmissionen.
Aus Yichang in Hubei, tausende Kilometer entfernt, reisten weitere Piloten über Nacht zur Unterstützung. Am Abend des 7. Juli sahen Song Younian und sein Kollege Huang Rongtang online die Hilfsanforderungen der Katastrophenregion und fuhren sofort über 1100 Kilometer nach Hengzhou, um vor Ort zu sein. Später organisierte die Yichang Zenong Intelligent Agricultural Machinery Co., Ltd. weitere vier Piloten, die mit FC200-Drohnen zur Frontlinie aufbrachen. Der erst 23-jährige Song Younian arbeitete nach seiner Ankunft über 60 Stunden ununterbrochen an Rettungsmissionen.
Die Piloten lieferten mit ihren Drohnen immer wieder Vorräte in die Katastrophengebiete: Mineralwasser, Brot, Instantnudeln, Notfallmedikamente – Dinge, die im Alltag überall verfügbar sind, wurden in der Krise zur wertvollen Hoffnung für die Eingeschlossenen. Eine Drohne konnte Dutzende Kilogramm Fracht auf einmal transportieren und pendelte an einem Tag Dutzende Male. Dank der Drohnen konnten 400 Mitarbeiter einer überfluteten Schweinefarm, die tagelang eingeschlossen waren, heiße Nudeln essen.
Bis zum 8. Juli hatten die Drohnen bereits über 1000 Tonnen Hilfsgüter für die Eingeschlossenen abgeworfen.
Wie hätte man diese Orte früher erreicht?
Es gab keine Straßen. Die Flut verschlang alle Autobahnen, Landwege und Feldwege. Die auf Karten markierten Routen lagen unter Wasser, es gab keine Orientierungspunkte. Selbst mit Schlauchbooten ließ sich die Richtung in der reißenden Strömung kaum kontrollieren – bei dem Tanklastwagen am 6. Juli versuchten die Boote mehrmals vergeblich, anzulegen. Vor einigen Jahren hätte man bei einer solchen „Drei-Ausfall“-Katastrophe (Strom, Wasser, Kommunikation) nur durch Waten, Rudern und Tragen von Hand helfen können.
Eine Kiste Wasser, ein Sack Reis – vom Sammelpunkt zum eingeschlossenen Dorf musste man die Last drei- oder viermal umladen, halb überflutete Hügel überqueren, eingestürzte Brücken umgehen. Bis die Lieferung ankam, war oft ein ganzer Tag vergangen.
Deshalb sagten viele: Die Kraft der Technik wurde hier greifbar.
02: Wie können Drohnen überhaupt Menschen tragen!
In der Vorstellung vieler Menschen sind Drohnen nur fliegende Kameras, ähnlich wie ferngesteuerte Autos, die bei einem Aufprall auf Bäume abstürzen oder sich im Flug verlaufen.
Deshalb war die erste Reaktion vieler, als eine riesige Drohne über der Flut auftauchte und einen erwachsenen Menschen aus der Gefahrenzone evakuierte: Moment mal … seit wann haben sich Drohnen so entwickelt?