„In 10 Jahren wird es am Arbeitsplatz nur noch zwei Arten von Menschen geben“ – Li Fei Fei hat das nie gesagt
In letzter Zeit haben viele Self-Media-Kanäle eine Meinung verbreitet: "Fei-Fei Li sagt, dass es in 10 Jahren nur noch zwei Arten von Arbeitskräften auf dem Arbeitsmarkt geben wird."
Also habe ich das vollständige Video der Podcast-Episode von Marina Mogilko vom 19. Juni angesehen und festgestellt, dass die Person, die diese Meinung ursprünglich formuliert hat, nicht Fei-Fei Li, sondern der CEO von MasterClass, David Rogier, ist. Fei-Fei Li hat lediglich zugestimmt.
MasterClass CEO David Rogier. Bildquelle: Internet
Meiner Meinung nach hat sie nur höflich zugestimmt, denn diese Aussage ist sehr irreführend und nicht das, was sie wirklich ausdrücken wollte. Die Medien haben den eigentlichen Kernpunkt übersehen, auf den wir später eingehen werden.
Dieser "Missverständnis"-Vorfall zeigt genau eine typische Vereinfachung der Medien bei der "Wissensverbreitung in der Ära der Künstlichen Intelligenz".
01
Interview-Hintergrund: Ein Doppelgespräch, das von Sensationsmeldungen "missbraucht" wurde
Am 19. Juni hat der große YouTube-Edutainer Marina Mogilko eine Podcast-Episode veröffentlicht, mit dem Titel "AI Godmother" Fei-Fei Li: In 10 Years There Will Be Only 2 Kinds of Workers" ("Die "Göttliche Mutter der KI", Fei-Fei Li: In 10 Jahren wird es nur noch zwei Arten von Arbeitskräften geben").
Bei diesem Gespräch gab es zwei Gäste:
Fei-Fei Li - "Göttliche Mutter der KI", Professorin an der Stanford University und Gründerin von World Labs
David Rogier - Gründer und CEO von MasterClass (das Unternehmen hat einen Schätzwert von 2,75 Milliarden US-Dollar)
Das zentrale Thema des Gesprächs war die Arbeit, die Bildung und die Beziehung zwischen Menschen und Maschinen in der Ära der KI. Da es sich um ein Doppelgespräch handelte und der persönliche Ruf von Fei-Fei Li weitaus größer war als der von David Rogier, haben die Originalautoren den Titel mit "AI Godmother" Fei-Fei Li versehen. Anschließend haben die chinesischen Medien fast einhellig die Meinung über die "zwei Arten von Menschen" Fei-Fei Li zugeschrieben.
Also sollte man zunächst den Schuldigen auf den Originalautor setzen.
02
Wer hat das "Hantel-Effekt" vorgeschlagen? - David Rogier
Die eigentliche "Einsicht" aus diesem Interview stammt von David Rogier.
Seine Worte in etwa:
"Meine Annahme ist, dass Sie den 'Hantel-Effekt' auftauchen sehen werden. Eine Gruppe von Menschen wird zu echten Experten - ein durchschnittlicher Texter kann heute jeder mit Hilfe von großen Sprachmodellen gut machen. Aber wenn ich der beste Texter der Welt bin, oder im Top-1%, kann mich die KI auch nicht so einfach schlagen. Die andere Gruppe, die wir sehen, sind 'hochautonome Universalisten' - sie können viele verschiedene Dinge tun und haben starke Fähigkeiten in Bezug auf Urteilsvermögen und Eigeninitiative."
Der von ihm beschriebene "Hantel-Effekt" ist konkret:
Linkes Ende (schwer): Die Top-1% echten Fachexperten
Rechtes Ende (schwer): Hochautonome "Universalisten"/"Vielseitige Talente"
Mitte (leicht): Menschen, die "passiv Aufgaben ausführen", werden von der KI in ihrem Existenzraum eingeschränkt
Der eigentliche Sinn dieses Effekts könnte sein, dass man sich an die beiden Enden hin entwickeln soll, aber für die meisten Normalbürger ist das nicht einfach und kann zu Angst führen.
Also hat Fei-Fei Li nach dem Zuhören einen wichtigen Punkt hinzugefügt:
"Egal, ob Sie auf der Seite der Experten oder der Universalisten stehen, Sie brauchen 'Autonomie' (Agency) - Sie sollten in der Lage sein, Werkzeuge auf einzigartige, kreative und tiefe Weise zu nutzen."
Fei-Fei Li. Bildquelle: Internet
Das heißt, die Meinung über die "zwei Arten von Menschen" stammt von David; der "Gemeinsamkeitsfaktor der beiden Arten von Menschen (Autonomie)" wurde von Fei-Fei Li hinzugefügt. Die Medien haben die gesamte Meinung Fei-Fei Li zugeschrieben, was ein typischer "Halo-Effekt" ist - großer Ruf + vereinfachter Titel.
Meiner persönlichen Meinung nach liegt der Diskussionswert dieser Meinung nicht darin, Angst zu wecken, sondern darin, zu zeigen, dass man nicht darauf fokusieren sollte, dass die KI Menschen ersetzt, sondern in welche Richtung sich die Menschen entwickeln sollten.
03
Welche hochwertigen Meinungen von Fei-Fei Li wurden im Interview von den Medien übersehen?
Ehrlich gesagt haben viele Medien einige nützliche Meinungen von Fei-Fei Li in diesem Interview nicht wirklich verbreitet.
Meinung 1: Die Kosten für Intelligenz werden nicht auf Null gehen
Fei-Fei Li widerspricht der Aussage, dass die KI die Kosten für Intelligenz gegen Null gehen lässt. Sie hält diese Aussage für "unverantwortlich".
Ihr Argument ist:
Die menschliche Intelligenz beinhaltet das Wahrnehmungs-, Emotions-, Raum- und Körperintelligenz, die sich über 500 Millionen Jahre der Evolution entwickelt haben - viel komplexer als das, was große Sprachmodelle replizieren können.
Sie hat das Beispiel des "Basketballspiels" verwendet:
Wenn eine Person einen Wurf macht, arbeiten die Sprachintelligenz, die Raumintelligenz und die Körperintelligenz zusammen. Die KI ist derzeit hauptsächlich auf der sprachlichen Ebene gut. In Bereichen, die tiefe Urteilsfähigkeit, Kreativität, Empathie und Entscheidungen in unsicheren Situationen erfordern, behalten die Menschen den Vorteil.
Bildquelle: Internet
Die Bedeutung dieser Meinung für Geschäftsleser ist: Lassen Sie sich nicht von der Idee der "Null-Kosten für Intelligenz" täuschen. Das wirklich Seltene ist "Urteilsvermögen + Empathie + Entscheidungen in unsicheren Situationen".
Meinung 2: Drei Fallstricke bei der KI-Verwaltung
Fei-Fei Li warnt Unternehmen davor, in drei Fallstricke bei der KI-Verwaltung zu geraten:
Fallstrick 1: Die KI als Personalabbau-Tool verwenden
Die KI sollte keine Designer und Ingenieure ersetzen, sondern die Prozesszeiten verkürzen, damit die Mitarbeiter sich schwereren Problemen widmen können.
Fallstrick 2: Werkzeuge einfach zusammenwerfen
Es reicht nicht, einfach Werkzeuge zu kaufen. Die Mitarbeiter müssen das Arbeitssystem neu gestalten.
Fallstrick 3: Angst bei den Mitarbeitern hervorrufen
Rohrige Befehle von oben nach unten lassen die Mitarbeiter befürchten, ihre Jobs zu verlieren. Die KI sollte durch "Neugier" eingeführt werden, damit die Mitarbeiter sehen können, wie sie ihnen hilft.
Bildquelle: Internet
Diese drei Fallstricke sind ein "Ratgeber, um Fehler zu vermeiden" für alle Unternehmen, die sich in die KI-Transformation begeben.
Meinung 3: Die Veränderung der Essenz der Bildung
Fei-Fei Li ist der Meinung, dass das Kernstück der Bildung in der Ära der KI die Förderung von "Agency" - Autonomie - ist.
"Angesichts einer Technologie mit so starker kognitiver Fähigkeit ist die Autonomie oder Initiative der Schlüssel. Machen Sie sich mit ihr vertraut, beherrschen Sie sie, haben Sie keine Angst und vermeiden Sie sie nicht."
Das Kernstück der Bildung ist nicht mehr das "Wissen vermitteln", sondern das "Bilden von Menschen, die in der Lage sind, kontinuierlich neu zu lernen, sich anzupassen und neugierig zu sein".
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David stellte Fei-Fei Li eine entscheidende Frage. Wie hat Fei-Fei Li geantwortet?
Im Interview hat David Rogier Fei-Fei Li eine sehr scharfe Frage gestellt:
"Wenn die KI nicht in der Lage ist, physikalische Intelligenz (physical intelligence) und räumliche Intelligenz (spatial intelligence) zu erlernen, kann sie dann nicht die gleiche Intelligenz wie der Mensch erreichen?"
Wie hat Fei-Fei Li geantwortet?
Sie hat das Beispiel des "Basketballspiels" verwendet:
"Die menschliche Aktivität ist eine tiefe Verschränkung von Sprach-, Raum- und Körperintelligenz. Beim Wurf bewegen Sie nicht nur den Winkel und die Stärke (Körperintelligenz), sondern auch die Position des Gegners (Raumintelligenz), und Sie müssen auch entscheiden, wann der beste Zeitpunkt für den Wurf ist (Sprachintelligenz/Urteilsvermögen)."
Mit diesem Beispiel hat sie gezeigt, dass die menschliche Intelligenz nicht "modular" ist, sondern "tief verschränkt". Die KI ist derzeit gut auf der sprachlichen Ebene, aber die räumliche Intelligenz und die Körperintelligenz sind immer noch "der nächste große Durchbruch für die KI" - dies ist auch der Hauptgrund für die Gründung von World Labs (World Labs ist ein "Raumintelligenz"-Unternehmen, das von Fei-Fei Li Ende 2024 gegründet wurde. Im Juni 2026 hat es 1 Milliarde US-Dollar an Kapital beschafft und hat einen Schätzwert von über 1 Milliarde US-Dollar).
Bildquelle: Internet
Fei-Fei Li's Antwort hat eine tiefe Einsicht:
"Die KI hat nicht nur das Problem, dass ein 'Modul fehlt', sondern das Problem, 'wie man mehrere Module integriert'."
Dies unterscheidet sich von der aktuellen Idee der "Werkzeugaufrufe" (tool use) von großen Sprachmodellen. Fei-Fei Li ist der Meinung, dass eine echte allgemeine KI (AGI) eine tiefe Integration von "Sprache + Raum + Körper" erfordert, und nicht "ein großes Sprachmodell mit einigen Werkzeugen an der Seite".
Außerdem mag Fei-Fei Li das Konzept der allgemeinen KI (AGI) nicht. Sie sagt, aus der Sicht der Wissenschaftler gibt es derzeit keine klare Definition für dieses "allgemeine", es ist ziemlich unklar, also möchte sie nicht über dieses unklare Thema diskutieren. Aber sie hat festgestellt, dass dies auf dem öffentlichen Meinungslagefeld am meisten diskutiert wird.
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Was ist die Wurzel der "Agency" (Autonomie)? - Eine "Fehlversuche zulassende Umgebung"
Viele Medien betonen in ihrer Berichterstattung, dass "Agency" (Autonomie) sehr wichtig ist, aber niemand fragt nach: "Was ist die Wurzel der 'Agency' (Autonomie)?"
Der eigentliche Höhepunkt dieses Interviews liegt hier:
David Rogier hat eine sehr tiefe Einsicht geäußert -
"Agency (Autonomie) ist nicht angeboren. Die Wurzel der Agency ist eine 'Revolte' - eine Revolte gegen die Logik des 'Lobes suchen'. Agency wird in einer Umgebung geprägt, die es Menschen erlaubt, zu riskieren, zu scheitern und wieder aufzustehen."
David Rogier erklärt weiter:
"Innerhalb des Unternehmens beobachten wir, dass viele Mitarbeiter in der Ära der KI angstvoll werden - sie befürchten, ersetzt zu werden. Aber diejenigen, die wirklich erfolgreich sind, sind diejenigen, die die KI aktiv zum Probieren nutzen. Agency ist keine Fähigkeit, sondern die Frage, 'ob man es wagt'."
Dies steht in Einklang mit der "schnell scheitern"-Kultur im Silicon Valley - die Essenz der "Agency" (Autonomie) ist die "Fähigkeit, in einer unsicheren Umgebung aktiv zu handeln".
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