Im Zeitalter der KI ist „Anstrengung“ das Wertloseste.
Welche Zeit befinden wir uns gerade in?
Manche sagen, es sei der neue Technologiezyklus nach dem Internet, andere, es sei die dritte oder vierte industrielle Revolution.
Aber nur sehr wenige Menschen spüren einen anderen Geschmack: Vielleicht ist es nicht nur eine industrielle Revolution, sondern der Anstoß für eine neue menschliche Zivilisation.
In diesen drei Tagen möchte Professor Li Shanyou eine grandiose Frage stellen: Was ist jenes „Eins“, das hinter der Entwicklung der menschlichen Zivilisation von der Agrarzivilisation zur industriellen Zivilisation und möglicherweise zur zukünftigen Zivilisation steht? Was ist das „Eins“ des Unternehmertums? Und was ist das „Eins“ der Künstlichen Intelligenz?
Seine zentrale Hypothese lautet: Jeder Sprung der menschlichen Zivilisation ist nicht einfach eine einfache Verbesserung des Erkenntnisinhalts, sondern ein Sprung des „Erkennensvermögens“. Das Wissen an sich hat keine Macht. Die wahre Macht liegt in der transzendentalen Erkenntnisstruktur, die es uns ermöglicht, zu erkennen. Dies ist das „Erkennensvermögen“.
I. Die drei Stufen des Erkennensvermögens: Sinnlichkeit, Rationalität und Erleuchtung
Ich teile das menschliche „Erkennensvermögen“ in drei Stufen ein.
Die erste Stufe ist die Sinnlichkeit. Das dahinter liegende Erkennensvermögen ist das „Raum-Zeit-Bewusstsein“. Wir nehmen die Welt über unsere Sinne wahr und interpretieren die Dinge als Erfahrungen. Die Erkenntnisweise ist die Induktion. Auf dieser Grundlage begann die Menschheit die Agrarzivilisation.
Die zweite Stufe ist die Rationalität. Das dahinter liegende Erkennensvermögen ist das „Logik-Bewusstsein“. Unser Frontallappen entwickelt sich, und wir modellieren die Welt mit Logik. Die Erkenntnisweise ist die Deduktion. Auf dieser Grundlage begann die Menschheit die industrielle Zivilisation.
Die dritte Stufe ist die Erleuchtung. Dies ist noch keine allgemeine Fähigkeit der Menschheit, sondern eine Potenzialität. Es ist eine Fähigkeit in der Tiefe unserer Seele, die ich das „Erleuchtungs-Bewusstsein“ oder das „reine Bewusstsein“ nenne.
Das Raffinierte an dieser Struktur ist: Jeder Zivilisationssprung geschieht, weil wir ein höherdimensionales „Erkennensvermögen“ freischalten. Es ist wie eine Fabrikausstattung, die festlegt, wie wir die Welt erkennen und wie weit unser Erkenntnisvermögen reicht.
Heute versuche ich, mit diesem Modell sowohl die Vergangenheit zu erklären als auch die Zukunft vorherzusagen.
1. Die Grundlage der Agrarzivilisation: Raum-Zeit und Erfahrung
In der ersten Stufe der sinnlichen Erkenntnis kennen wir am besten das Konzept der „Erfahrung“. Aber die Erfahrung ist nur das „Erkannte“, das Ergebnis. Warum können die Menschen Erfahrungen bilden? Das liegt daran, dass es das „Raum-Zeit-Bewusstsein“ als transzendentales „Empfindungsvermögen“ gibt.
Wir werden von klein auf gelehrt, dass „was man sieht, ist wahr“. Wir glauben, dass unsere Sinne wie ein transparentes Leinwand sind, das die Welt objektiv widerspiegeln kann. Aber das stimmt nicht. Schauen Sie sich mal an, das Kleid, das ich anlege. Alle von Ihnen denken, es sei weiß. Aber ist die Farbe wirklich eine objektive Wirklichkeit?
Unsere Augen können nur Lichtwellen zwischen 400 und 700 Nanometern wahrnehmen. Dieser Bereich ist nur ein winziger Teil des elektromagnetischen Spektrums. Noch wichtiger ist, dass Licht im Wesentlichen Wellenlänge und Energie ist. Es ist die visuelle Kortikalisierung, die die Wellenlänge in Farbe „verzerrt“.
Die Farbe existiert gar nicht in der objektiven Welt. Sie ist nur eine Fabrikausstattung in unserem Kopf. Dass alle von uns einen bestimmten Wellenlängenbereich als dieselbe Farbe interpretieren, zeigt, dass es eine größere, transzendentale Bestimmtheit gibt.
Kant sagte: „Der Mensch gibt der Natur das Gesetz.“ Wie groß die Welt ist, die wir sehen können, hängt nicht von der objektiven Welt selbst ab, sondern von der Tiefe unseres „Erkennensvermögens“.
Zum Beispiel die Induktion. Diese Erkenntnisweise lernt man ohne Unterricht. Wenn Sie in Asien weiße Schwäne sehen und in Europa auch, dann kommen Sie zu dem Schluss, dass „Schwäne weiß sind“. Wenn die Sonne vorgestern und gestern im Osten aufgegangen ist, glauben Sie, dass sie morgen auch im Osten aufgehen wird.
Diese Art der Schlussfolgerung setzt eine implizite Annahme voraus: Raum und Zeit sind kontinuierlich. Nur weil wir auf Raum und Zeit stehen, können wir Regeln als Erfahrungen interpretieren.
Aber David Hume war der erste, der die tödliche Schwäche der Induktion entdeckte: Selbst wenn alle Prämissen stimmen, kann die Schlussfolgerung dennoch falsch sein. Sobald ein schwarzer Schwan auftaucht, wird die Schlussfolgerung, dass „Schwäne weiß sind“, widerlegt.
Die Agrarzivilisation basiert auf der auf Raum und Zeit gegründeten induktiven Erfahrungsmethode. Ihr Vorteil ist, dass sie schnell ist, so schnell, dass auch ungebildete alte Menschen sie natürlich anwenden können. Ihr Nachteil ist, dass die Erkenntnisebene niedrig ist und man in den Grenzen von Raum und Zeit gefangen ist.
2. Die Grundlage der industriellen Zivilisation: Logik und Modell
Nur sehr wenige Menschen haben den zweiten Sprung des Erkennensvermögens geschafft, von dem Raum-Zeit-Bewusstsein zum „Logik-Bewusstsein“ übergegangen und die Welt als „Modell“ interpretiert. Das erste Prinzip hinter der industriellen Zivilisation ist die Logik.
Leider wird in der modernen Bildung die Logik oft als „Erkanntes“ gelehrt und als ein aus Erfahrungen abgeleitetes Denkwerkzeug angesehen. Das ist jedoch völlig falsch. Die Logik ist ein transzendentaler „Erkenntnisvermögens“, eine objektive Wirklichkeit, die noch grundlegender als Raum und Zeit ist.
Wir denken, dass die Welt kausal ist, weil wir die Welt auf der Grundlage der kausalen Logik erkennen. Es ist wie bei einem Fisch in einem runden Aquarium. Er sieht die Welt rund, nicht weil die Welt rund ist, sondern weil das Aquarium rund ist.
Aristoteles definierte die Logik als „notwendige Ableitung“. Sie garantiert die Notwendigkeit, dass aus wahren Prämissen wahre Schlussfolgerungen gezogen werden können. Daher ist die auf Logik gegründete Deduktion, nicht die auf Erfahrung gegründete Induktion, die wahre Quelle der wissenschaftlichen Revolution.
Das klassische Syllogismus: „Alle Menschen sterben. Sokrates ist ein Mensch. Also stirbt Sokrates.“ Diese Schlussfolgerung stimmt, weil sie auf der Logikbahn läuft und logische Kontinuität hat, nicht raum-zeitliche Kontinuität.
Sobald wir ein abstraktes Modell logisch durchdringen, werden alle damit verbundenen konkreten Probleme auf einmal gelöst. Bei der Induktion müssen die Probleme dagegen einzeln gelöst werden.
Das Wesen der industriellen Zivilisation ist, auf Logik zu stehen, nicht auf Erfahrung. Wie der Physiker Stephen Hawking sagte, vertrauen wir auf den „modellabhängigen Realismus“. Sie leben nicht in der objektiven Welt, sondern in dem von Denkern geschaffenen Gedankenkanal.
Wenn Sie die Welt noch auf der Grundlage von Raum-Zeit-Erfahrungen betrachten, leben Sie noch in der Agrarzivilisation. Erst wenn Sie die Welt auf der Grundlage von logischen Modellen betrachten, leben Sie wirklich in der industriellen Zivilisation.
3. Die Vermutung über die zukünftige Zivilisation: Bewusstsein und Idee
Heute stellt der Aufstieg der Künstlichen Intelligenz eine beispiellose Herausforderung an unser rationales „Erkennensvermögen“.
Die Künstliche Intelligenz ist aus Logik und Modellen geboren. Wenn die Menschen nur auf der zweiten Stufe bleiben, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass sie von der Künstlichen Intelligenz ersetzt werden. Aber die Krise ist auch eine Chance. Sie zwingt uns zu einem neuen Sprung, um die dritte Stufe des „Erleuchtungs-Bewusstseins“ freizuschalten.
Wir beweisen die Existenz dieser Stufe auf die Art von Descartes.
Descartes führte ein bemerkenswertes Gedankenexperiment durch: Selbst wenn ich in einer virtuellen Welt lebe und ein böser Teufel alles, was ich sehe, höre und denke, in meinen Kopf einprägt, muss ich immer noch nach etwas suchen, das unbedingt wahr ist.
Er stellte fest, dass ich nicht sicher sein kann, ob mein Körper wahr ist, ob die Außenwelt wahr ist oder sogar ob der Inhalt meines Denkens wahr ist, denn das alles ist Erkanntes. Aber eine Sache ist unbedingt wahr: Ich denke.
Wenn ich denke, muss es einen denkenden Subjekt geben, das denkt. Dieses denkende Subjekt bin ich. Das ist das „Cogito, ergo sum“, eines der repräsentativsten ersten Prinzipien der modernen Philosophie.
Aber wenn wir noch einen Schritt weiter gehen: Was bedeutet es, wenn Sie sagen, „Ich weiß, dass ich denke“?
Es ist wie wenn Sie aus einem Traum aufwachen und sagen, „Ich weiß, dass ich gerade geträumt habe“. Dass Sie wissen, dass Sie geträumt haben, bedeutet, dass Sie auf einer höheren Bewusstsebene als der Traum stehen. Der Traum ist Ihr Erkanntes.
Genauso bedeutet „Ich weiß, dass ich denke“ unbedingt, dass Sie auf einer höheren Bewusstsebene als das Denken stehen und das „Denken“ selbst als Objekt betrachten.
Diese höhere Ebene ist die „Erleuchtung“, das sogenannte reine Bewusstsein. Es ist keine Begabung von wenigen Geistlichen, sondern eine Fähigkeit, die jeder Mensch in sich trägt. Wenn Sie nur wissen, dass Sie denken, dann beweist das, dass Sie auf ihr stehen.
Wenn die Menschen diesen Sprung des Erkennensvermögens schaffen können, wird das „Erkannte“ nicht mehr Erfahrung oder Modell sein, sondern „Idee“.
Platons „Höhlenmetapher“ hat schon lange gezeigt: Die Welt, die wir mit unseren Sinnen sehen, ist nur der Schatten in der Höhle. Die „Ideenwelt“ außerhalb der Höhle im Sonnenlicht ist die wahre Welt.
Zum Beispiel: Was ist eigentlich „Schönheit“? Wir sagen oft, dass etwas schön ist und nehmen die Schönheit als Adjektiv. Aber Platon fragte: Woher kommt die „Schönheit“ selbst, wenn Sie sagen, dass dieses Ding schön ist? Er meinte, dass die Schönheit kein verschwommenes Adjektiv ist, sondern ein objektives, ideelles Wesen.
Die Schönheit selbst ist ewig, hat keinen Anfang und kein Ende, wird nicht geboren und stirbt nicht, nimmt nicht zu und nimmt nicht ab. Alle schönen Dinge haben sie als Quelle. Erst durch sie werden diese Dinge schön. Aber die Schönheit selbst ist immer da, übersteigt Zeit und Raum, Logik und Gehirn. Die Idee kann nur von der Seele verbunden und wahrgenommen werden.
II. Nur durch den Sprung des Bewusstseins kann man sich selbst überwinden
1. Die Bewusstseinsstufen: Ein anschaulicher Rahmen
Der Bewusstseinsforscher David Hawkins hat eine „Bewusstseinsstufen-Skala“ erstellt. Es muss jedoch beachtet werden, dass Hawkins' Bewusstseinsstufen kein von der Mainstream-Wissenschaft anerkannter Messwert sind. Selbst in der Mainstream-Wissenschaft wird nicht angenommen, dass das Bewusstsein das tiefste Element ist.
Wir nehmen es daher als einen relativ anschaulichen metaphorischen Rahmen, um uns besser das Thema zu verstehen. Mit Hilfe dieses Rahmens nehme ich an, dass es drei Bereiche der Bewusstseinsfrequenz gibt:
Niedrigfrequenzbereich: Etwa 85 % der Menschen befinden sich in diesem Bereich. Sie bleiben unterhalb der Sinnlichkeit und werden von Emotionen und Instinkten geleitet.
Hochfrequenzbereich: Etwa 15 % der Menschen gelangen in diesen Bereich. In Bezug auf die Erkennt