Kartierung der HEVC-Patentpool-Rechte: Wer kontrolliert die Gebührenerhebung und die Macht in der Videobranche?
Ein Kampf um die Macht und das Sprechrecht in Bezug auf Videocodierungsstandards brodelt unter der Oberfläche.
Im Januar 2026 veröffentlichte HEVC Advance die neueste Patentliste. Diese Liste scheint zunächst nur ein trockenes technisches Dokument zu sein, aber wenn man die darin enthaltenen Daten genauer analysiert, entdeckt man eine Machtkarte, die die Interessenverteilung in der gesamten Videobranche betrifft.
31.435 Patente, 46.288 Ansprüche (CLAIM), 46 Lizenzgeber, 2.630 abgelaufene Patente – Dies ist keine einfache Zahlenfolge, sondern ein vollständiges Portrait des wichtigsten Patentpools im globalen Bereich der Videocodierung.
Die drei Ebenen hinter einer Liste
HEVC Advance hat in der Cover Letter die drei Kernfunktionen dieser Liste klar dargelegt:
Erstens, der Umfang der Patentpool-Lizenzvereinbarung (PPL). Diese Liste enthält alle Standard-essentiellen Patente (SEP), für die die Lizenzgeber von HEVC Advance die Lizenzerlaubnis besitzen, unabhängig davon, ob diese SEP explizit in der Liste aufgeführt sind. Das bedeutet, dass lizensierte Parteien, die die PPL-Vereinbarung unterzeichnet haben, auch dann geschützt sind, wenn die Lizenzgeber selbst nicht wissen, dass ein bestimmtes Patent ein standard-essentielles Patent ist.
Zweitens, die Erfüllung der Patentmarkierungsanforderungen. Insbesondere die Anforderungen des US-Patentrechts § 287(a). Einfach ausgedrückt, wird damit der Welt signalisiert, dass Produkte, die HEVC/H.265-Funktionen nutzen und die in dieser Liste aufgeführten Patente markieren, gesetzlich und konform sind.
Drittens, die Liste umfasst drei Arten von Ansprüchen (CLAIM): Encoder (Kodierer), Bitstream (Bitstrom), Decoder (Dekodierer). Die Cover Letter hebt besonders einen wichtigen Punkt hervor: Ein Encoder verletzt normalerweise auch direkt die Ansprüche eines Decoders, da der Kodierungsprozess selbst die Dekodierungsfunktion enthält.
Die Gesamtlage: 31.435 Patente, 46.288 Ansprüche (CLAIM)
Schauen wir uns zunächst die Gesamtzahlen an:
Wichtige Erkenntnis: Durchschnittlich hat jedes Patent etwa 1,47 Ansprüche (CLAIM). Angesichts der technischen Komplexität des HEVC-Standards ist diese Dichte eigentlich nicht hoch – was bedeutet, dass viele Patente „einzelne Ansprüche“ und nicht „Patentbüschel“ sind.
Die Lage der Lizenzgeber: Der Wettlauf zwischen Samsung und der Dolby-Gruppe
Sortiert nach Anzahl der Ansprüche (Top 20):
Wichtige Erkenntnis:
- Samsung ist der absolute Herrscher: Mit 8.202 Ansprüchen (CLAIM), was 19,0% der Gesamtanzahl ausmacht, liegt es weit vorne. Dies stimmt gut mit seiner Position auf den globalen Märkten für Fernseher und Smartphones überein.
- Die Dolby-Gruppe hat erstaunliche Kräfte: DVC (Dolby Video Compression) + DLLC (Dolby Laboratories Licensing Corporation) + DIAB (Dolby International AB) halten zusammen etwa 9.499 Ansprüche (CLAIM) (wenn man DIAB mitzählt), was etwa 22% der Gesamtanzahl ausmacht – gleich wie Samsung! Dolby hat eine weitaus stärkere Kontrolle über die Ökosysteme im Bereich der Videocodierung als die Außenwelt annimmt.
- LG Electronics darf nicht vernachlässigt werden: LGE liegt mit 4.963 Ansprüchen (CLAIM) auf Platz drei und hat einen Anteil von 11,5%. Dies ist eine weitere wichtige Kraft aus Südkorea im Bereich der Videocodierung.
- Japanische und südkoreanische Unternehmen dominieren: In der Top 10 befinden sich sieben japanische Unternehmen (Canon, JVCKENWOOD, Sony, Mitsubishi, Panasonic, Toshiba, NEC, Fujitsu) und zwei südkoreanische Unternehmen (Samsung, LG), zusammen neun Unternehmen. Dies ist ein Indikator für die technologische Akkumulation der japanischen und südkoreanischen Videobranchen.
- Die chinesische Kraft erhebt sich allmählich: Huawei hält 1.058 Ansprüche (CLAIM) (etwa 2,5%) und ist der vorne liegende chinesische Lizenzgeber. ZTE hat nur neun Patente, Oppo nur eins.
Ablaufende Patente: Das „Dämmerlicht“ von Panasonic
Wichtige Einsicht:
- Fast die Hälfte der Patente von Panasonic sind abgelaufen (48,2%). Dies bedeutet, dass der Einfluss von Panasonics HEVC-Patenten schnell abnimmt. Als ehemaliger Gigant in der Videocodierung könnte dies das unvermeidliche Ergebnis einer langfristigen Alterung der Patentstrategie sein.
- Beinahe die Hälfte der Patente von IP Bridge (ein japanisches Patentinvestitionsunternehmen) sind ebenfalls abgelaufen (48,5%). Dies ist ein Unternehmen, das sich auf das Patentmanagement spezialisiert hat. Die hohe Ablaufquote könnte darauf hinweisen, dass seine Patentportfoliostrategie aggressiver ist.
- Die Dolby-Gruppe (DIAB + DVC + DLLC) hat insgesamt etwa 868 abgelaufene Ansprüche (CLAIM), aber im Verhältnis zu ihrer Gesamtanzahl ist der Anteil nicht hoch.
Profile-Verteilung: Main/Main10 sind die absoluten Kernelemente
Wichtige Einsicht: Main/Main10 (die Kernprofile von HEVC) machen 91,4% der Ansprüche (CLAIM) aus. Dies ist das eigentliche „Hauptkampffield“. Die erweiterten Profile wie Optional, Range Extension, Scalable, 3D, Screen Content etc. machen zusammen weniger als 9% aus und haben eher die Funktion, Plätze zu beanspruchen.
Kategorie-Verteilung: Der Decoder ist die „Nuklearwaffe“
Wichtige Einsicht:
- Die Ansprüche (CLAIM) des Decoders machen 58,3% der Gesamtzahl aus, das ist doppelt so viel wie die des Encoders.
- Das bedeutet, dass jedes Unternehmen, das HEVC-Dekodierungs-Chips oder -Software herstellt, ein höheres Risiko eines Patentverstoßes eingeht.
- Die Cover Letter hebt besonders hervor: Ein Encoder verletzt normalerweise auch direkt die Ansprüche eines Decoders, da der Kodierungsprozess selbst die Dekodierungsfunktion enthält – dies ist keine gesetzliche Lücke, sondern eine technische Realität.
Ablaufjahre: 2031 - 2032 ist der „Dammbruch“
Wichtige Einsicht:
- 2031 - 2032 ist die Hochphase der Patentabläufe, 25.569 Ansprüche (CLAIM) werden ablaufen, was 59,3% der Gesamtanzahl ausmacht.
- Das bedeutet, dass in den nächsten 5 - 6 Jahren viele Kernpatente von HEVC in die öffentliche Domain übergehen werden.
- 91,2% der Ansprüche (CLAIM) laufen zwischen 2025 und 2035 ab – Die „Haltbarkeitsdauer“ des Patentpools ist viel kürzer, als man denkt.
Die chinesische Kraft: Huawei steht hervor
Wichtige Einsicht:
- Huawei ist das einzige chinesische Unternehmen, das in die Top 15 eingestiegen ist, aber seine 1.058 Ansprüche (CLAIM) machen nur 12,9% der von Samsung aus.
- ZTE kann fast vernachlässigt werden (neun Patente).
- China hat noch großen Raum für Verbesserungen bei der Akkumulation von Patenten im Bereich der Videocodierungsstandards.
- Es ist bemerkenswert, dass Huaweis Patentstrategie in den USA (117 Patente) sich im Wesentlichen mit der in China (125 Patente) deckt, was ein Bewusstsein für die globale Strategie zeigt.
Unterbewertete Fakten: Fünf wichtige Einsichten
1. Die Dolby-Gruppe ist nicht nur ein „Audiosunternehmen“
Dolby ist am besten für seine Audiotechnologie bekannt, aber in diesem Patentpool hält die Dolby-Gruppe etwa 22% der Ansprüche (CLAIM), nur hinter Samsung. Dies liegt daran, dass die Videokomprimierungstechnologie im HEVC-Standard stark mit Dolbys Codierungstechnologie verwandt ist. Dolbys Strategie im Videobereich ist weitaus umfangreicher, als die Außenwelt annimmt.
2. Die Ansprüche (CLAIM) des Decoders sind die „Nuklearwaffe“
Der Anteil des Decoders beträgt 58,3%, was bedeutet, dass es fast unmöglich ist, für ein Unternehmen, die HEVC-Patente zu umgehen. Unternehmen, die HEVC-kompatible Geräte herstellen, müssen nicht nur „möglicherweise“ eine Lizenz für die Decoder-Patente erwerben, sondern „unbedingt“.
3. Das Ablaufen von Patenten bedeutet nicht „Verschwinden“, sondern „Freigabe“
25.569 Ansprüche (CLAIM) laufen zwischen 2031 und 2032 ab, was bedeutet:
Die Verhandlungen über neue Patentpools werden intensiver werden.
Die Patentgebühren könnten sinken.
Aber in der Übergangszeit wird der bestehende Patentpool immer noch der Hauptstrom sein.
4. Panasonic zieht sich zurück
Mehr als 48% der Patente sind abgelaufen, was bedeutet, dass der Einfluss von Panasonics HEVC-Patenten schnell abnimmt. Für den Patentpool ist der Ausstieg eines etablierten Spielers ein langfristiges Risiko – die Anzahl der Lizenzgeber könnte abnehmen, aber das Einflussvermögen einzelner Unternehmen könnte zunehmen.
5. Apple ist nicht auf der Liste
Als einer der größten Smartphone-Hersteller der Welt ist Apple nicht auf der Liste der Lizenzgeber. Dies bedeutet, dass Apple noch nicht dem HEVC Advance-Patentpool beigetreten ist und möglicherweise eine Lizenz durch separate Verhandlungen erwerben muss – oder es wählt, nicht dem Patentpool beizutreten und direkt das Risiko von Patentverstoßklagen zu tragen.
Die Auswirkungen auf die Branche: Wer zahlt für was?
Das Wesen des HEVC Advance-Patentpools ist ein „Patentbündnis“ – indem die SEP mehrerer Unternehmen integriert werden, wird eine Ein-Stop-Lizenzierung ermöglicht. Dies senkt die Verhandlungskosten für lizenzierte Parteien, aber es bedeutet auch, dass die Patentgebühren von der gesamten Branche getragen werden.
Endgerätehersteller (Fernseher, Mobiltelefone, Spieler): Für jedes verkauftes HEVC-kompatible Gerät müssen sie dem Patentpool Gebühren zahlen. Die Patentgebühren werden normalerweise nach der Anzahl der Geräte berechnet.
Chiphersteller: Hersteller von Dekodierungs-Chips und Kodierungs-Chips müssen ebenfalls eine Lizenz erwerben.
Inhaltsanbieter: Unternehmen, die HEVC-kodierten Inhalt produzieren (z. B. Netflix, Disney+), müssen möglicherweise auch eine Lizenz aus dem Patentpool erwerben.
Abschluss
28.805 gültige Patente, 43.095 Ansprüche (CLAIM), 46 Lizenz