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Das französische Regierung hat die Abschaffung von Microsoft angekündigt und einen vollständigen Übergang zu Linux vorgenommen. Windows wird nicht mehr verwendet, Teams ist verboten, und 80.000 Personen mussten dringend migrieren.

CSDN2026-04-14 11:15
Nicht nur in Frankreich, sondern in ganz Europa erhebt sich derzeit eine Welle des "Technologieunabhängigkeitstreibens".

Wenn ein Land plötzlich beschließt, eine große Anzahl von Regierungscomputern von Windows auf Linux umzustellen, würden Sie das als "technische Aufrüstung" oder als "politische Signalisierung" betrachten?

Die französische Antwort lautet: Beides, wobei letzteres noch wichtiger ist.

In den letzten Wochen haben eine Reihe scheinbar unzusammenhängender Politiken ein klares Bild ergeben - von der Abkehr von Windows zugunsten von Linux über die umfassende Ersetzung von Kollaborationstools bis hin zur Neugestaltung der Datenplattform. Frankreich treibt systematisch eine beispiellose "digitale Unabhängigkeitsaktion" voran.

Das Schlüsselwort dieser Aktion lautet: Digitale Souveränität.

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Eine außergewöhnliche interministerielle Konferenz

Am 8. April fand in Paris, unter der Förderung des französischen Premierministers, eine hochrangige interministerielle Arbeitskonferenz statt.

Diese Konferenz wurde von der französischen Regierungsbehörde für digitale Angelegenheiten DINUM geleitet und schloss mehrere Schlüsselinstitutionen ein, darunter:

● ANSSI (Nationales Amt für die Sicherheit von Informationssystemen)

● Direction générale des entreprises (Generaldirektion für Unternehmen)

● Direction des achats de l'État (Generaldirektion für staatliche Beschaffungen)

Teilnehmer waren nicht nur Regierungsbehörden, sondern auch Vertreter von öffentlichen Einrichtungen und privaten Unternehmen - das hohe Niveau zeigt, dass es sich hier nicht nur um eine IT-Entscheidung, sondern um eine "staatliche Mobilisierung" handelt.

In einer öffentlichen Erklärung sprach der französische Minister für digitale Angelegenheiten David Amiel sehr direkt: Frankreich muss "seinen digitalen Schicksal wieder in die eigene Hand nehmen" und kann nicht länger akzeptieren, dass Daten und Infrastruktur in fremden Händen liegen.

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Der erste Schritt: Die "Ent-Windowsisierung" auf Betriebssystemebene

Von allen Maßnahmen ist die Anpassung auf Betriebssystemebene am auffälligsten - das französische Ministerium für digitale Angelegenheiten DINUM hat deutlich gemacht: Es wird schrittweise von Windows abrücken und zu Linux wechseln.

Diese Veränderung scheint nur eine "Systemumstellung" zu sein, aber tatsächlich:

● Die Software-Ökosysteme der Regierungsendgeräte müssen insgesamt migriert werden.

● Interne Systeme, Bürosoftware und Wartungssysteme müssen neu aufgebaut werden.

● Das Fähigkeitssystem der IT-Mitarbeiter muss ebenfalls neu gestaltet werden.

Warum wird Linux gewählt? Der Grund ist einfach: Open Source, kontrollierbar, anpassbar und nicht an einen einzigen Hersteller gebunden. Im Vergleich dazu steht hinter Windows Microsoft, was bedeutet, dass Systemregeln, Aktualisierungsrhythmus, Preissystem und sogar Sicherheitsstrategien in gewissem Maße in den Händen einer externen Firma liegen.

Für normale Unternehmen kann dies nur ein Kostenproblem sein, aber für ein Land ist es ein Risikoproblem.

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Der zweite Schritt: Die Ersetzung von Kollaborationstools für 80.000 Mitarbeiter

Das Betriebssystem ist nur die Grundlage. Die Kollaborationstools haben einen direkteren Einfluss auf die tägliche Arbeit.

Die französische Nationale Krankenversicherungsanstalt (CNAM) hat angekündigt: Sie wird 80.000 Mitarbeiter von den bestehenden Tools auf die einheitliche staatliche digitale Plattform migrieren. Das neue System umfasst: Tchap (Interne Kommunikation), Visio (Videokonferenz), FranceTransfert (Dateiübertragung). Visio basiert auf dem Open-Source-Videokonferenzsystem Jitsi und dient hauptsächlich als Ersatz für Microsoft Teams.

Offensichtlich besteht die Essenz dieses Schritts darin, von der Nutzung amerikanischer SaaS-Lösungen zu einem "selbstgebauten + Open-Source-kontrollierbaren System" zu wechseln.

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Der dritte Schritt: Die umfassende Migration von medizinischen Daten - das sensibelste Gebiet

Wenn man sagt, dass das Bürosystem noch "außenstehend" ist, dann ist die Datenplattform der Kern. Die französische Regierung hat deutlich gemacht: Sie wird bis Ende 2026 die nationale Gesundheitsdatenplattform auf eine "vertrauenswürdige nationale Lösung" migrieren.

Diese Entscheidung ist äußerst sensibel, da es sich um medizinische Daten (höchste Privatsphäreebene), staatliche Datenverwaltung und die Kontrolle über die Cloud-Infrastruktur handelt - in der gegenwärtigen globalen Situation ist dieser Schritt besonders wichtig.

Die Realität hat gezeigt, dass, wenn man sich auf ein externes Technologysystem verlässt, nicht nur der Service eingeschränkt werden kann, der Datenzugang kontrolliert werden kann, sondern dass auch das gesamte System das Risiko einer "Lieferunterbrechung" besteht.

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Nicht nur Frankreich, Europa wendet sich insgesamt

Die Aktionen Frankreichs sind kein isoliertes Ereignis. Tatsächlich hat in Europa in den letzten Jahren eine Welle der "technologischen Unabhängigkeit" begonnen:

● Im April 2024 hat der deutsche Bundesstaat Schleswig-Holstein 30.000 PCs von Windows auf Linux migriert.

● Im Juni des vergangenen Jahres hat das dänische Ministerium für Digitalisierung offiziell angekündigt, dass es bis Herbst dieses Jahres alle Microsoft-Produkte endgültig einstellen und vollständig auf Open-Source-Alternativen umstellen wird: Das Betriebssystem wird auf Linux geändert, und für die Bürosoftware-Suite wird LibreOffice gewählt.

● Im Oktober des vergangenen Jahres hat die österreichische BMWET offiziell angekündigt, dass es den Microsoft-Cloud-Service aufgegeben und vollständig auf die Open-Source-Plattform Nextcloud migriert hat.

Warum beginnen sie mit der massiven "Ent-Microsoftisierung"? Die Antwort lässt sich auf zwei Schlüsselwörter zusammenfassen: Unsicherheit + Risikoübertragung.

Da die Vereinigten Staaten immer häufiger Sanktionsmaßnahmen anwenden und einige Organisationen und Personen direkt von amerikanischen Diensten ausgeschlossen werden, können Bankkonten, Cloud-Services und Softwarezugang eingeschränkt werden. Europa hat allmählich erkannt, dass wir möglicherweise zu viele Schlüsseltechnologien an die Vereinigten Staaten übergeben haben - was würde passieren, wenn die kritische Infrastruktur von den Vereinigten Staaten abhängig wäre und es zu einem Konflikt käme?

Deshalb äußerte sich der französische Minister für digitale Angelegenheiten David Amiel sehr direkt in Bezug auf die Entscheidung der französischen Regierung:

"Wir müssen uns von der Abhängigkeit von amerikanischen Tools befreien und die Kontrolle über unser digitales Schicksal wieder erlangen. Wir können es nicht länger dulden, dass unsere Daten, Infrastruktur und strategischen Entscheidungen von Lösungen abhängen, deren Regeln, Preise, Entwicklungspfade und Risiken wir nicht kontrollieren können."

Eine weitere Ministerin für Künstliche Intelligenz, Anne Le Hénanff, betonte ebenfalls: "Digitale Souveränität ist keine Option, sondern eine strategische Notwendigkeit."

Schließlich hat Microsoft, der Entwickler von Windows, bei Fragen der Medien zu diesem Thema sich "schweigend" gezeigt.

Referenzlink: https://www.numerique.gouv.fr/sinformer/espace-presse/souverainete-numerique-reduction-dependances-extra-europeennes/

Dieser Artikel stammt aus dem WeChat-Account "CSDN", Autor: Zheng Liyuan, veröffentlicht von 36Kr mit Genehmigung.