Es gibt weltweit einen Wettlauf um chinesische Transformatoren.
„Ein Jahr ago fehlten weltweit Chips, in Zukunft werden es Transformatoren sein.“
Die Prophezeiung von Elon Musk auf der Bosch Connected World Conference 2024 wird immer deutlicher Wirklichkeit. Mit dem starken Anstieg des globalen Strombedarfs sind Transformatoren heute kaum noch zu bekommen.
Europa plant eine Investition von 584 Milliarden Euro in die Ausweitung des Stromnetzes, doch der Mangel an Transformatoren verlangsamt den Fortschritt.
Große Solarprojekte in Indien liegen brach, weil nicht genügend Transformatoren zur Verfügung stehen.
Der Lieferengpass an Leistungstransformatoren und Verteiltransformatoren in den USA hat sich im Vergleich zu 2019 um 116 % bzw. 41 % verschärft. Die Nachfrage explodiert, aber die Lieferungen können nicht mithalten.
Die US - Technologiebranche hat davor gewarnt: „Der Mangel an Transformatoren behindert die Strominfrastruktur und wird die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz in den USA stark einschränken.“
Wenn es bei der globalen Transformatorenkrise Gewinner geben muss, dann ist China, das 60 % der globalen Transformatorenproduktion ausmacht, der größte von ihnen. Ironischerweise hat die USA zuvor einen Zoll von 104 % auf chinesische Transformatoren erhoben, beginnt nun aber stillschweigend die Regulierungen für chinesische Transformatoren zu lockern.
Chinesische Hersteller mit Überfülle an Bestellungen
Die neuen Produktionskapazitäten werden bereits vor ihrer Fertigstellung ausgebucht. Chinas führende Transformatorenhersteller erleben einen Höhepunkt an Bestellungen.
Die Chengdu XD Zhongte Company hat kürzlich Bestellungen für Schweden und Saudi - Arabien ausgeliefert und muss sich nun eilig um die Produktion von Geräten für Kanada und Indonesien kümmern.
Bei vielen chinesischen Herstellern reichen die Bestellwartelisten bis nach 2026. Einige europäische Kunden sind bereit, einen Aufschlag von 20 % zu zahlen, um die Lieferung sicherzustellen. Der durchschnittliche Exportpreis für chinesische Transformatoren liegt inzwischen bei etwa 20.800 US - Dollar pro Stück.
In den ersten acht Monaten von 2025 stieg der Exportbetrag chinesischer Transformatoren auf 29,711 Milliarden Yuan. Der Export nach Asien nahm um 65,39 % zu, nach Afrika um 28,03 % und nach Europa sogar um über 138 %.
Warum fehlen Transformatoren so dringend?
Um die Ursache zu verstehen, muss man wissen, was ein Transformator ist. Er fungiert wie ein „Spannungsregler“ im Stromnetz und ist für die Spannungserhöhung oder - verringerung verantwortlich. Von Handy - Ladegeräten, die 220 V in 5 V umwandeln, bis hin zu Hochspannungs - Wandlertransformatoren, die mehrere hundert Tonnen wiegen, sind solche Geräte im gesamten Stromnetz zu finden und fungieren wie das Herz des Stromsystems.
Der aktuelle Mangel an Transformatoren liegt vor allem daran, dass die westlichen Länder sich momentan in einer Phase des „großen Umbaus“ ihrer Stromsysteme befinden.
Ein Bericht von Goldman Sachs aus September 2025 zeigt, dass die meisten Stromnetzinfrastrukturen in Europa bereits 40 bis 50 Jahre im Einsatz sind. Daten von der Bank of America zeigen ebenfalls, dass 31 % der Übertragungsanlagen und 46 % der Verteilanlagen in den USA bereits über ihre geplante Lebensdauer hinaus benutzt werden.
Deshalb plant die EU, 1,2 Billionen Euro in die Modernisierung des Stromnetzes zu investieren, und die USA wollen in den nächsten fünf Jahren 1,1 Billionen US - Dollar in die Elektrizitätsbranche stecken. Bei diesen großen Investitionen spielen Transformatoren natürlich eine zentrale Rolle.
Andererseits hat der rasante Aufstieg neuer Branchen die Nachfrage nach Transformatoren zusätzlich erhöht. Die Stromaufnahme bei der Dreitage - Trainingszeit des ChatGPT - Modells reicht aus, um 3.000 Tesla - Autos auf 320.000 Kilometer zu bringen. Ein neues mittleres Rechenzentrum von Meta benötigt beispielsweise mehr als hundert Transformatoren zur Spannungsreduzierung.
Darüber hinaus fordern die globalen Bemühungen um eine grünere und kohlenstoffärmere Zukunft die Errichtung zahlreicher Solar - , Wind - und Wasserkraftwerke. Diese Anlagen benötigen weitaus mehr Transformatoren als herkömmliche Kohlekraftwerke. Beispielsweise ist der Bedarf eines Solarparks 1,8 Mal höher als der eines gleich großen Kohlekraftwerks.
Unter dem Einfluss mehrerer Faktoren ist der globale Mangel an Transformatoren unvermeidlich geworden. Die internationale Energie - Analyseagentur „Allied Market Research“ prognostiziert, dass der globale Markt für Transformatoren 2031 auf 103 Milliarden US - Dollar anwachsen wird, was gegenüber 58,6 Milliarden US - Dollar im Jahr 2021 eine Verdoppelung darstellt.
Angesichts dieser großen Chancen rücken die globalen Elektrizitätsriesen in die Race. Von Kapitalerwerb bis hin zur Industriekoordination versuchen sie, Marktanteile zu erobern:
Die deutsche Siemens Energy hat angekündigt, 2 Milliarden Euro in die Kapazitätserweiterung zu investieren.
Die japanische Hitachi Energy plant, bis 2027 6 Milliarden US - Dollar in die Kapazitätserweiterung zu stecken und 15.000 neue Mitarbeiter einzustellen.
Das französische Schneider Electric hat auch trotz innergemeinschaftlicher Einwände angekündigt, ein Transformatorenwerk in Samara, Russland, zu errichten.
Selbst Elon Musk hat öffentlich zugegeben, dass Tesla Transformatoren eigenständig produzieren wird...
China als führende Kraft hat bereits eine starke Transformatorenindustrie aufgebaut.
Die 2021 gegründete China Electric Equipment Group hat traditionelle Spieler wie China XD Group, Baobian Electric und Shandong Electrician Group integriert und so eine „stärkste nationale Mannschaft“ geschaffen.
China XD Group, als führendes Unternehmen in der Hochspannungsbranche, ist an allen großen Projekten beteiligt, die in die nationale Strategie aufgenommen werden. Baobian Electric hat Vorteile in Hochspannungs - und Großleistungseinrichtungen, und seine Produkte werden in mehr als 40 Länder und Regionen exportiert.
Das private Unternehmen ist ebenfalls stark. Die Xinjiang Tebian Electric Apparatus Stock Co., die seit langem an der Spitze der Top - 100 - Liste der chinesischen Elektrotechnikbranche steht, produziert jährlich 420 Millionen kVA an Transformatoren und Reaktoren und ist weltweit führend. Die Jiangsu Huapeng Electric Co. ist ein malerischer Vertreter, die in die Top - 10 - Liste der nordamerikanischen Transformatorenmarke aufgenommen wurde und die einzige chinesische Firma in der Liste ist. Sie hat weltweit den höchsten Exportanteil in der Branche der erneuerbaren Energie - Transformatoren. Die Foshan Eagle Industry Co. hat weltweit führende Positionen in Transformatoren für die Solar - und Energiespeicherbranche...
Durch diese industrielle Struktur beherrscht China 60 % der globalen Transformatorenproduktion und hat die Fähigkeit, die gesamte Wertschöpfungskette von den Rohstoffen bis zum fertigen Produkt zu beherrschen.
Beispielsweise ist das Orientierungs - Siliziumblech, das Kernmaterial von Transformatoren, das den Stromverbrauch von Transformatoren um 45 % bis 50 % reduzieren kann, als „Kunstwerk im Stahl“ bekannt.
China ist in dieser Schlüsseltechnologie weltweit führend. Im Jahr 2024 betrug die Produktion von Orientierungs - Siliziumblech in China 3,0325 Millionen Tonnen, das ist das Fünffache des japanischen und das Achtfache des US - amerikanischen Volumens.
Noch beeindruckender ist, dass die Baosteel Group die weltweit einzige Produktionslinie für Siliziumbleche mit einer Dicke von 0,18 mm und 0,20 mm gebaut hat, die die Winkelabweichung des Materials auf 4,5 Grad begrenzen kann und die Leistung auf das Maximum bringt.
Von der Notlage zur Spitze
Die Erfolge der chinesischen Transformatorenindustrie sind nicht einfach zu erzielen. In den 1980er Jahren befand sich die chinesische Transformatorenbranche in einer schwierigen Situation, in der sie stark von ausländischen Ländern abhängig war.
Damals wurde das 500 - kV - Gezhouba - Nanjing - Gleichstromübertragungsprojekt gebaut, ein Superprojekt, das von Hubei im Westen bis nach Shanghai im Osten reicht und die Aufgabe hat, die Energie - Verbindung zwischen Zentralchina und Ostchina herzustellen.
Zu dieser Zeit befand sich China auf einem Niveau von „keine Technologie, keine Geräte, keine Erfahrung“ in Bezug auf die 500 - kV - Hochspannungs - Gleichstromübertragung.
Diese schwierige Situation zwang das Projekt, auf ausländische Länder angewiesen zu sein. Die Kerngeräte mussten fast ausschließlich aus Ländern wie Japan, Deutschland und Schweden importiert werden.
Alte Elektrizitätsfachleute erinnern sich an die damalige Situation und sagen: „Jedes Mal, wenn wir von ausländischen Experten lernen wollten, wie man die Geräte justiert, wurden wir immer gebeten, uns in kritischen Momenten zurückzuziehen.“
Beim Bau der Überquerungsleitung der Xu - Hu - Linie haben einige Länder sogar die chinesischen Mitarbeiter mit veralteten Plänen belogen.
Alte Elektrizitätsfachleute können damals mehr oder weniger einige solche frustrierenden und unangenehmen Geschichten erzählen.
Im September 1985 führte Zhu Yinghao, der damalige stellvertretende Chefingenieur der Shenyang Transformer Factory, ein Team an, das die Aufgabe übernahm, einen 500 - kV - 360 - MVA - Dreiphasen - Lastschalt - Autotransformator für das Gezhouba - Kraftwerk zu entwickeln.
Das Team um Zhu Yinghao arbeitete Tag und Nacht und erzielte schließlich einen Durchbruch. Aber damals bestand ein weit verbreiteter Mangel an Vertrauen in die heimischen Produkte. Das Gezhouba - Kraftwerk machte Plan B und bestellte gleichzeitig einen gleichen Transformator in Japan. Das japanische Gerät sollte als „Hauptspieler“ dienen, während das chinesische Gerät nur als „Reserve“ geplant war.
Quelle: Museum der chinesischen Wissenschaftler
Im Juni 1986 lieferte das Team um Zhu Yinghao das Gerät pünktlich aus, und die Erstinbetriebnahme vor Ort war erfolgreich. Das japanische Gerät wurde jedoch lange nicht ausgeliefert. Als das japanische Gerät endlich eintraf, fiel es innerhalb von 10 Minuten aus. Das chinesische Produkt, das ursprünglich als „Reserve“ geplant war, musste nun in die enge Spielzeit gehen und wurde der „Retter“.
Dieser Moment war ein historischer Wendepunkt für die chinesische Produktion von Hochwert - Transformatoren.
Seitdem, obwohl die internationalen Konzerne immer noch hohe Barrieren errichtet haben, haben die chinesischen Ingenieure erkannt, dass dies kein unüberwindbares Hindernis mehr ist.
Im Jahr 2005 brachte China eine epische Vision auf den Plan: Die Übertragung von Strom aus Westchina nach Ostchina. Das Projekt soll eine tausend Kilometer lange „Energieweg“ zwischen der energiereichen Westregion und der wirtschaftlich entwickelten Ostregion errichten.
Aber die realen Herausforderungen waren immens. Bei der Übertragung von Strom über lange Entfernungen ist der Strom wie Wasser, das auf Widerstände stößt und kontinuierlich verbraucht wird. Selbst ein 1 % - iger Stromverlust bedeutet eine enorme Verschwendung.
Je höher die Spannung, desto geringer der Verlust. Um eine verlustarme Übertragung über lange Entfernungen und mit hoher Leistung zu erreichen, muss die Spannung auf über 1.000 kV Wechselstrom oder ± 800 kV Gleichstrom erhöht werden.
Aber der Sprung in die Hochspannungs - Technologie bedeutet nicht nur, dass die Transformatoren so groß wie mehrere Stockwerke werden, sondern auch, dass es eine Reihe von technischen Problemen zu lösen gibt. Die USA und Europa haben in den 1970er Jahren an 1.000 - kV - Hochspannungstechnologien geforscht, und die Sowjetunion hat sogar eine 1.150 - kV - Versuchsleitung gebaut, aber alle Projekte mussten letztlich wegen zu vieler Schwierigkeiten aufgegeben werden.
Beispielsweise ist das Isolationsproblem in Hochspannungstransformatoren ein großes Hindernis. Die USA haben versucht, ein spezielles Keramikmaterial als Isolator zu verwenden, aber der daraus hergestellte Transformator wog 7.000 Tonnen. Nicht nur die stabile Funktion, sondern auch der Transport war schwierig, und die Forschung musste abgebrochen werden.
Angesichts des gleichen Isolationsproblems gaben die chinesischen Wissenschaftler nicht auf. Nach Jahren der Forschung haben sie ein Material namens „Windungsisolationpapier“ entdeckt. Dieses Material kann nicht nur die Isolationsleistung erheblich verbessern, sondern auch das Gewicht des Transformators von 7.000 auf 500 Tonnen reduzieren.
Innerhalb dieses „Riesen“ gibt es bis zu 250.000 Papier - Isolationsbauteile, deren Präzision erstaunlich ist.
Im Jahr 2025 hat die Gesamtlänge der chinesischen Hochspannungs - Gleichstromleitungen 40.000 Kilometer überschritten. In dem Moment, in dem Sie die Augen blinken, wird der Strom von Changji in Xinjiang bereits 30 Mal über 3.300 Kilometer nach Guquan in Anhui übertragen! Die Vision der Stromübertragung aus Westchina nach Ostchina ist Wirklichkeit geworden.
Das Elektrizitätsreich
Der Durchbruch bei der Herstellung von Transformatoren in China ist ein Spiegelbild des Aufstiegs der chinesischen Elektrizitätsbranche.
Im November 2025 wurde China das erste Land in der Geschichte, dessen Handelsbilanz einen Überschuss von einer Billion US - Dollar erreichte. In der Elektrizitätsbranche ist ebenfalls ein „Billionen - Markenzeichen“ erreicht worden: Im Juli 2025 hat die Stromerzeugung erstmals eine Billion Kilowattstunden pro Monat überschritten, was dem gesamten jährlichen Stromverbrauch Japans entspricht. Dies hat die britische Medienwelt erstaunt und dazu geführt, dass sie sagten: Das erste „Elektrizitätsreich“ in der Menschheitsgeschichte ist entstanden.
Man muss bedenken, dass 1949 jeder chinesische Bürger nur neun Kilowattstunden Strom