StartseiteArtikel

CoreWeave-Gründer realisieren 33 Milliarden US-Dollar durch Anteilsverkäufe: Der erste Riss in der Blase der KI-Rechenleistung

Tech商业2026-10-16 08:43
Der Gründer des KI-Dienstleisters CoreWeave hat seine Beteiligungen vollständig realisiert, was aufgrund des hohen Risikos eines Schuldenausfalls heftige Kontroversen auslöst.

Laut Bloomberg haben die drei Mitbegründer von CoreWeave, Michael Intrator, Brian Venturo und Brannin McBee, seit dem Börsengang im März 2025 Unternehmensaktien im Gesamtwert von 3,3 Milliarden US-Dollar verkauft. Allein im Jahr 2026 haben sie 2,4 Milliarden US-Dollar realisiert.

Der Zeitpunkt dieser Nachricht fällt genau in die Woche, in der die Kreditrisikoindikatoren von CoreWeave auf ein Allzeithoch gestiegen sind.

Am 14. Oktober sagte McBee in einem Interview mit der Financial Times, das Unternehmen strebe nach „unbegrenzten“ Mitteln von Versicherungsunternehmen, um die Expansion der KI-Rechenleistung zu unterstützen. Er beschrieb diese Art von Kapital als „unbegrenzt, das ist das gesamte Geld der Welt“. Am nächsten Tag stieg der Spread des fünfjährigen Credit Default Swaps von CoreWeave zeitweise auf 1194,5 Basispunkte und erreichte den höchsten Intraday-Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Nach der Preisgestaltung am Markt für Credit Default Swaps liegt die implizite Wahrscheinlichkeit eines Schuldausfalls von CoreWeave in den nächsten fünf Jahren bei über 60 %.

Der Aktienkurs stürzte am Mittwoch um 15,46 % ein und fiel am Donnerstag weiter. Dieser von Nvidia unterstützte KI-Cloud-Dienstleister wird zu einem Schlüsselbeispiel für die Prüfung des Marktes auf das Finanzierungsmodell der KI-Infrastruktur.

Die Gründer verkaufen, der Anleihenmarkt preist das Risiko ein

Die Geschwindigkeit des Aktienabbaus durch die drei Gründer verdient eine genaue Betrachtung.

Intrator hat seit dem 1. Januar 2026 Unternehmensaktien im Wert von über 907 Millionen US-Dollar verkauft, was ihn zu einem der fünf größten Insiderverkäufer von US-Unternehmen in den letzten zwei Quartalen macht. Bis zum Börsengang hatte er Aktien im Gegenwert von 16,5 % seiner unverwässerten Beteiligung verkauft. McBee hat noch stärker abgebaut – seit dem Börsengang hat er Aktien im Wert von 1,06 Milliarden US-Dollar verkauft, davon allein 577 Millionen US-Dollar in diesem Jahr, was 40,4 % seiner unverwässerten Beteiligung seit dem Börsengang des Unternehmens entspricht. Venturo hat im zweiten Quartal Aktien im Wert von 734 Millionen US-Dollar verkauft, was ihn zum zweitgrößten Insiderverkäufer von US-Unternehmen im gleichen Zeitraum macht.

Die Antwort des Unternehmenssprechers folgt der Standardformulierung: Die Gründer gehören nach wie vor zu den sechs größten Aktionären, halten zusammen etwa 20 % der Anteile, alle Verkäufe sind im Voraus vereinbart und vollständig offengelegt, entsprechen dem Handelsplan nach Regel 10b5-1 und sind „persönliche Finanzplanungsentscheidungen, die jeder verantwortungsbewusste Gründer mit konzentrierten Beteiligungen treffen würde“.

Gleichzeitig wächst die Verschuldung von CoreWeave rasant. Bis Ende Juni belief sich die Summe der konsolidierten Schulden und Leasingverpflichtungen auf etwa 52 Milliarden US-Dollar. Im August 2026 hob das Unternehmen seine Prognose für die jährlichen Kapitalausgaben um 4 Milliarden US-Dollar auf maximal 39 Milliarden US-Dollar an, hauptsächlich für den Kauf von GPUs und den Ausbau der KI-Recheninfrastruktur. Laut der Marktkonsensprognose von Visible Alpha wird der kumulierte negative freie Cashflow von CoreWeave zwischen 2026 und 2028 71 Milliarden US-Dollar erreichen.

Die Gründer verkaufen Beteiligungen. Das Unternehmen gibt Anleihen aus. Als der Aktienkurs von seinem Höchststand um über 60 % fiel, schmolz das Papiervermögen der Gründer zusammen um 15 Milliarden US-Dollar, aber sie haben 3,3 Milliarden US-Dollar Bargeld durch den Aktienabbau gesichert. Anleihegläubiger haben diese Möglichkeit nicht – wenn das Unternehmen in Zahlungsverzug gerät, stehen sie in der Rangfolge vor den Aktionären, vorausgesetzt, das Unternehmen verfügt noch über zu verteilende Vermögenswerte.

Die Vorstellung von „unbegrenzten Mitteln“ und die Realität: Das von McBee der Financial Times beschriebene Finanzierungskonzept zielt im Kern darauf ab, den Billionen-Dollar-Fonds der Versicherungsbranche in das Finanzierungssystem für KI-Rechenleistung einzubinden. Das Unternehmen plant, „verzögerte Auszahlungs-Terminkredite“ mit Chipvermögen als Sicherheit weiter voranzutreiben und den derzeit genutzten Stromverbrauch von 1,5 Gigawatt auf über 8 Gigawatt bis Ende 2030 auszubauen.

Dieses Konzept ist nicht ohne Präzedenzfall. Ein im März 2026 abgeschlossener Kredit über 8,5 Milliarden US-Dollar, der durch Chipvermögen und einen langfristigen Vertrag von Meta über die Beschaffung von Rechenleistung besichert ist, erhielt vollständige Investment-Grade-Ratings von Moody's A3, DBRS A(low) und Fitch A-sf. Er wurde von Blackstone Credit & Insurance verankert, die Teilnehmer umfassen eine Reihe globaler Finanzinstitute und Versicherungsinvestoren, und die Zeichnung verzeichnete eine „bedeutende“ Überzeichnung.

Aber es gibt einen entscheidenden strukturellen Unterschied. Dieses Investment-Grade-Rating gilt für diese spezifische Transaktion, nicht für das Unternehmen CoreWeave selbst. Der Kreditnehmer ist ein Insolvenz-abgeschirmtes Zweckgesellschaft, der Kredit ist durch alle seine Vermögenswerte besichert und hat keine Rückgriffsmöglichkeit gegen die Muttergesellschaft. Die Ratingagenturen bewerteten den Cashflow aus dem Vertrag von Meta zusammen mit dem Restwert der Nvidia-Chips, nicht die Bilanz von CoreWeave. Die drei Ratings der CoreWeave-Haupteinheit selbst liegen alle im Spekulationsbereich: Moody's Ba3, S&P B+, Fitch BB-.

McBee selbst räumte ein, dass Kredite, die durch Abnahmeverträge von nicht investmentfähigen Kunden (z. B. KI-Labore) besichert sind, „noch nicht die Zugangsschwelle für Versicherungsmittel erreicht haben“. Die von ihm vorgestellten „unbegrenzten Mittel“ stehen derzeit nur für spezifische Transaktionen mit Investment-Grade-Kundenverträgen zur Verfügung, nicht für CoreWeave als Ganzes.

Ein Rechenbeispiel für Wertvernichtung

Der DA-Davidson-Analyst Gil Luria hat CoreWeave zuvor als „subprime-ähnliches“ Objekt im KI-Bereich bezeichnet. In einem Podcast stellte er ein konkretes Rechenbeispiel vor: Die Kreditkosten von CoreWeave liegen bei etwa 9 %, aber die Kapitalrendite beträgt nur 1 %. Selbst wenn das vom Unternehmen gesetzte Ziel von 4 % bis 5 % Rendite erreicht wird, reicht dies immer noch nicht aus, um die Finanzierungskosten zu decken.

Lurias Vergleich lautet: Man nimmt einen Kredit zu 9 % Zinsen auf, um US-Staatsanleihen mit 5 % Rendite zu kaufen. Jeder Schritt dieser Strategie vernichtet Wert.

Der Analyst Jordan Chalfin vom Forschungsinstitut CreditSights wies auf ein weiteres strukturelles Problem hin: Es besteht eine Laufzeitinkongruenz zwischen den langfristigen Mietverträgen für Rechenzentren von CoreWeave und den kurzfristigen Verträgen mit Kunden. „Sobald es zu einer Überbauung von Rechenleistung kommt, welchen Grund haben Kunden dann noch, ihren Vertrag mit CoreWeave zu verlängern?“

Diese Probleme können vorübergehend unter der Annahme beiseite geschoben werden, dass die Nachfrage nach KI-Rechenleistung weiter wächst. Aber Gartner warnte in einem im Oktober veröffentlichten Bericht auf einer makroskopischeren Ebene: Bis 2030 könnten KI-Infrastrukturinvestitionen von über 3,5 Billionen US-Dollar einem Wertminderungsrisiko ausgesetzt sein, da der Investitionsboom in dieser Branche das Wachstum der Einnahmen übersteigen könnte, das diese Investitionen tragen könnte.

Jensen Huangs Befürwortung und die Zweifel des Marktes

Während der Anleihenmarkt die Ausfallwahrscheinlichkeit von CoreWeave mit über 60 % preist, gab Nvidia-CEO Jensen Huang in einem Interview in Stockholm, Schweden, eine völlig andere Einschätzung ab. „Die Stärke von CoreWeave wächst jeden Tag“, sagte er, „ich bin optimistisch. Tatsächlich sinken ihre Kapitalkosten gerade.“ Auf die Frage, ob Nvidia CoreWeave finanzielle Unterstützung leisten müsse, erklärte Huang, dies sei nicht erforderlich.

Nvidia hält etwa 10 % der Anteile von CoreWeave, ist sowohl dessen GPU-Lieferant als auch der zweitgrößte Aktionär und hat sich zudem verpflichtet, Cloud-Dienste im Wert von 6,3 Milliarden US-Dollar von CoreWeave zu beziehen. Diese Beziehung hat Bedenken des Marktes vor einer „zirkulären Finanzierung“ ausgelöst – ein Chiphersteller investiert in einen nachgelagerten Kunden, der Kunde nutzt diese Mittel, um Produkte des Lieferanten zu kaufen, was das scheinbare Volumen der Nachfrage nach KI-Infrastruktur übertreiben könnte.

Huangs optimistische Äußerung steht in krassem Gegensatz zu den Risikosignalen, die der Kreditmarkt aussendet. Er lieferte jedoch keine spezifischen Finanzdaten, um die Behauptung zu stützen, dass „die Kapitalkosten sinken“.

Die Wahl der Gründer sagt alles

Zurück zur Frage am Anfang des Artikels: Was bedeutet die Realisierung von 3,3 Milliarden US-Dollar?

Der Unternehmenssprecher sagte, dies sei „persönliche Finanzplanung“. Diese Aussage an sich ist nicht falsch. Der 10b5-1-Plan ist ein legales Instrument für Führungskräfte börsennotierter Unternehmen, um ihr persönliches Vermögen zu verwalten. Es ist im Silicon Valley nicht ungewöhnlich, dass Gründer einen Teil ihrer Beteiligungen verkaufen, um ihre Vermögenswerte zu diversifizieren.

Aber der Kern des Problems liegt nicht in der Frage, ob der Verkauf regelkonform ist, sondern im Umfang und im Zeitpunkt des Verkaufs. In der gleichen Woche, in der der Markt für Credit Default Swaps eine Ausfallwahrscheinlichkeit des Unternehmens von über 60 % in fünf Jahren preist, und in der gleichen Woche, in der die Gründer öffentlich von „unbegrenzten Mitteln“ sprechen, haben die drei Mitbegründer Aktien im Wert von 2,4 Milliarden US-Dollar innerhalb von 12 Monaten verkauft. Sie wissen besser als jeder andere über die Verschuldungsstruktur des Unternehmens, die Laufzeitvereinbarungen der Kundenverträge und die Abschreibungsgeschwindigkeit des GPU-Vermögens Bescheid.

Fast 40 % des Vermögens von McBee liegen derzeit in Form von Bargeld und Äquivalenten vor. Diese Zahl selbst ist bereits ein Signal.

Das Kernannahme des Finanzierungsmodells für die KI-Recheninfrastruktur ist, dass das Nachfragewachstum die Kapitalkosten decken kann. Wenn diese Annahme zutrifft, ist die Verschuldung ein Hebel; wenn sie nicht zutrifft, ist die Verschuldung eine Belastung. Die Gründer haben sich dafür entschieden, einen Teil ihrer Beteiligungen in Bargeld umzuwandeln, und der Anleihenmarkt hat sich dafür entschieden, das Ausfallrisiko einzupreisen. Beide Handlungen weisen in die gleiche Richtung.

Wohin diese Richtung führt – ob es zu einer Branchenkonsolidierung nach der Überbauung von Rechenleistung kommt oder zu einem Wendepunkt im Investitionszyklus der KI-Infrastruktur – wird CoreWeave nicht beantworten. Das Unternehmen geht nur eine riesige Wette ein. Das Geld, mit dem Mark Zuckerberg wettet, gehört nicht vollständig ihm selbst, und die Gründer von CoreWeave haben bereits einen Teil ihrer Wette in Bargeld umgewandelt.

Dieser Artikel stammt aus dem WeChat-Offiziellen Konto „Tech Business“, Autor: Tech Business, veröffentlicht mit Genehmigung von 36Kr.