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Huawei und Qualcomm rechnen ihre Patentkonten neu ab

知产力2026-10-06 11:09
Am 5. Oktober 2026 kündigten Huawei und Qualcomm an, eine mehrjährige gegenseitige Patentlizenzvereinbarung abgeschlossen zu haben. Qualcomm wird zudem einen Teil der US-Patente von Huawei erwerben. Welchen Preis muss ein Unternehmen zahlen, wenn es die Technologie eines anderen Unternehmens nutzt, und welche Gegenleistung kann ein Unternehmen erhalten, wenn seine Technologie von einem anderen Unternehmen anerkannt wird – diese beiden Rechnungen werden nun an einem gemeinsamen Verhandlungstisch behandelt.

Im Jahr 2025 veröffentlichte die englische Fachzeitschrift „Science of Law Journal“ in Band 4, Heft 5 den Aufsatz mit dem Titel „Umsetzungsdilemmata des FRAND-Grundsatzes bei der Lizenzierung standardessentieller Patente und Überlegungen zum chinesischen Weg“ (chinesischer Referenztitel) von Yu Nanfen, der bei Qualcomm Communication Technologies (Shenzhen) Co., Ltd. tätig ist. Eine wichtige Frage, die der Artikel aufwirft, lautet: Chinesische Unternehmen sind sowohl Nutzer standardessentieller Patente als auch zunehmend wichtige Patentexporteure – wie können sie zwischen diesen beiden Rollen ein ausgewogenes Interesse wahren?[1]

Dies ist auch ein Schlüssel zum Verständnis der jüngsten Transaktion zwischen Huawei und Qualcomm.

Am 5. Oktober 2026 gaben die beiden Unternehmen bekannt, dass sie eine mehrjährige gegenseitige Patenterlizenzvereinbarung für technologische Bereiche wie 5G, Computing, künstliche Intelligenz und Netzwerke geschlossen haben; darüber hinaus wird Qualcomm einen Teil der US-Patente von Huawei in den Bereichen Computing, künstliche Intelligenz, Netzwerke und anderen Technologiebereichen erwerben. Laut der Bekanntgabe wird die Transaktion nach Erhalt der erforderlichen behördlichen Genehmigungen abgeschlossen.[2]

Welche Kosten entstehen, wenn ein Unternehmen die Technologie eines anderen nutzt; und welche Vergütung erhält ein Unternehmen, wenn seine Technologie von einem anderen anerkannt wird – diese beiden Rechnungen werden nun auf einem Verhandlungstisch zusammengeführt.

Der berufliche Wechsel von Yu Nanfen verleiht dieser Angelegenheit eine narrative Note, aber das wirklich analysierenswerte ist wie die Forschungsergebnisse chinesischer Unternehmen in den globalen Patenthandel gelangen und wie traditionelle Lizenzunternehmen den Wert chinesischer Unternehmen neu bewerten.

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Patentlizenzierung ist nie nur eine technische Rechnung

Yu Nanfen stand einst auf der anderen Seite dieses Interessengewinns. Im Jahr 2019 zitierte die Eröffnungsrede im Verfahren der US-Handelskommission gegen Qualcomm ihre Zeugenaussage während ihrer Tätigkeit bei Huawei: Ohne eine Verlängerung der CDMA-Lizenzvereinbarung könnte Qualcomm die Lieferung von Chips einstellen, was das Geschäft von Huawei beeinträchtigen würde. Zu diesem Zeitpunkt lag einer der Streitpunkte darin, ob die Beziehung zwischen Chipleiferung und Patentlizenzierung Endgeräteunternehmen in den Verhandlungen in eine ungünstige Lage versetzt. Im August 2020 hob das Berufungsgericht für den neunten Bezirk jedoch das kartellrechtliche Urteil der ersten Instanz in diesem Fall und die damit verbundene dauerhafte Verfügung auf.[3]

Diese Geschichte zeigt, dass Patentlizenzierung nie nur die technischen Beiträge berechnet. Lieferbeziehungen, Alternativlösungen, Prozesskosten und die Fähigkeit von Unternehmen, Risiken zu tragen, beeinflussen alle die Verhandlungen.

Aber Huawei ist längst nicht mehr nur die Partei, die Lizenzgebühren zahlt. Im Juli 2020, als Huawei die neue Patentlizenzvereinbarung mit Qualcomm bekanntgab, wurde ausdrücklich erklärt, dass Qualcomm ebenfalls eine Lizenz für einige Patente von Huawei erhalten hat. Daher sollte die heutige Transaktion als eine weitere Anpassung der Rechtsbeziehungen zwischen den beiden Seiten verstanden werden, nicht als das erste Mal, dass Huawei in eine gegenseitige Lizenzvereinbarung eintritt.[4]

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Produkte, Lizenzen und Kauf und Verkauf: drei voneinander abhängige Geschäfte mit jeweils eigenen Bedingungen

Es gibt ein Detail, das mehr Erklärungskraft hat als die „Handschlag zwischen ehemaligen Gegnern“.

Der Jahresbericht von Qualcomm für das Geschäftsjahr 2025 zeigt, dass das US-Handelsministerium im Mai 2024 die Exportlizenz für den Verkauf von 4G- und einigen anderen Chips an Huawei widerrufen hat, weshalb Qualcomm erwartet, keine Produkteinnahmen mehr von Huawei zu erzielen. Derselbe Jahresbericht zeigt zudem, dass aufgrund des Ablaufs der ursprünglichen Patentlizenzvereinbarung von Huawei die Einnahmen aus dem Lizenzgeschäft von Qualcomm ab dem zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2025 keine Patentlizenzgebühren von Huawei mehr enthalten.[5]

Verkauf von Produkten, Patentlizenzierung und Kauf und Verkauf von Patenten sind drei miteinander verbundene Geschäfte mit jeweils eigenen Bedingungen.

Qualcomm kann auf dem Produktmarkt mit Huawei konkurrieren, gleichzeitig wünschen, die Lizenzbeziehung zu Huawei aufrechtzuerhalten, und zudem die Patentvermögenswerte von Huawei erwerben. Ebenso kann Huawei sein eigenes Chip- und Technologiesystem entwickeln, gleichzeitig über Transaktionen die Kosten für die Nutzung von Patenten Dritter bewältigen und den Wert seiner eigenen Patente realisieren.

Unternehmensbeziehungen bestehen aus konkreten Interessen. Ein Konflikt in einem Geschäftsbereich bedeutet nicht, dass die Grundlage für eine andere Transaktion verloren geht. Die neue Patentvereinbarung kann auch nicht so interpretiert werden, dass die Beschränkungen für die Chipleiferung aufgehoben wurden.

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Wo liegt der Unterschied zwischen gegenseitiger Lizenzierung und Patenterwerb?

Bei dieser Transaktion ist der Unterschied zwischen gegenseitiger Lizenzierung und Patenterwerb beachtenswert.

Die gegenseitige Lizenzierung löst zunächst das Problem, dass beide Seiten die Patente der anderen im vereinbarten Rahmen nutzen dürfen. Wenn die Geschäfte beider Unternehmen gleichzeitig Bereiche wie Konnektivität, Computing und KI abdecken, steigen die Kosten für die Beseitigung von Patentrisiken einzeln umso mehr, je stärker sich die Technologien überschneiden. Mehrjährige, bereichsübergreifende Lizenzvereinbarungen können die Vorhersehbarkeit des Geschäftsbetriebs verbessern und es Unternehmen erleichtern, Investitionen in Forschung und Entwicklung, Produkte und Märkte zu planen.

Diese Sicherheit hat an sich einen kommerziellen Wert. Unternehmen können Lizenzeinnahmen erzielen, Raum für weniger Streitigkeiten erhalten oder eine Kombination aus beidem. Gegenseitige Lizenzierung bedeutet nicht automatisch, dass keine Gebühren gezahlt werden – das tatsächliche Entgelt hängt weiterhin von den Patentportfolios, dem Geschäftsvolumen und den vertraglichen Vereinbarungen beider Seiten ab.

Der Patenterwerb hingegen beinhaltet darüber hinaus die Übertragung des Eigentums.

Die Erlangung einer Nutzungslizenz beantwortet vor allem die Frage „Darf ich das nutzen?“; die Erlangung des Patenteigentums betrifft zudem, wer anderen eine Lizenz gewähren, Vermögenswerte veräußern und Rechte geltend machen darf. Natürlich unterliegen diese Fähigkeiten weiterhin Bedingungen wie bestehenden Lizenzen, vertraglichen Vereinbarungen und der Gültigkeit der Patente.

Daher kann aus geschäftlicher Sicht der Erwerb einiger US-Patente von Huawei durch Qualcomm sowohl dem Risikomanagement des eigenen Geschäfts als auch der Ergänzung des Patentportfolios dienen. Huawei erhält hingegen einen Kanal, um den Wert seiner Vermögenswerte außerhalb der selbst durchgeführten Lizenzierung zu realisieren. Da die Patentliste, der Preis und die nachfolgenden Vereinbarungen noch nicht öffentlich sind, lässt sich derzeit nicht beurteilen, wie diese Vermögenswerte konkret verwendet werden.

Aber eine Richtung ist bereits klar: Die durch Forschung und Entwicklung chinesischer Unternehmen entstandenen Rechte können zu Vermögenswerten werden, die von internationalen Patentbetreibern aktiv bewertet und erworben werden.

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Für den Eintritt von Patenten in den Handel sind weitere Fähigkeiten erforderlich

Dies hat für chinesische Unternehmen eine weit tiefere Bedeutung als „nur eine weitere große Vereinbarung unterzeichnet zu haben“.

Um Produkte in einen bestimmten Markt einzuführen, sind normalerweise Lieferketten, Vertriebskanäle, Zertifizierungen und Kundenunterstützung erforderlich; für den Handel mit Patenten hingegen sind andere Fähigkeiten notwendig: Klar festgelegte Eigentumsverhältnisse, wirksame regionale Ausgestaltung, anfechtungsfeste Ansprüche sowie nachweisbarer technischer und kommerzieller Wert.

Diese beiden Fähigkeiten können sich gegenseitig unterstützen, aber auch jeweils eigenständig wirken. Wenn das Produktgeschäft eines Unternehmens in einem bestimmten Markt eingeschränkt ist, bedeutet das nicht, dass alle Patente, die es dort besitzt, ihren Wert verlieren. Solange die betreffenden Rechte gültig sind, einen Nutzen haben und die Bedingungen für einen regelkonformen Handel erfüllen, können sie weiterhin Gegenstand von Lizenzierung, gegenseitiger Lizenzierung oder Verkauf sein.

Das führt zu einer Änderung der Standards für das Patentmanagement von Unternehmen.

Früher konzentrierten sich einige Unternehmen mehr darauf, wie viele Patente sie anmelden und wie viele sie erteilt bekommen. In der Phase des Handels müssen sie zudem die Frage beantworten: Wer braucht diese Patente, welche Produkte decken sie ab, welche Kosten können sie der anderen Seite ersparen und was können sie dafür im Gegenzug erhalten?

Dasselbe Patent kann, wenn es im Besitz des ursprünglichen Rechtsinhabers verbleibt, hauptsächlich dem Schutz von Produkten dienen; nachdem es in das Portfolio eines anderen Unternehmens aufgenommen wurde, kann es aufgrund unterschiedlicher Kunden, technischer Abdeckung und Betriebsfähigkeit neue Nutzungsbereiche erschließen. Der Wert eines Patents ergibt sich sowohl aus der Erfindung selbst als auch davon, wie der Inhaber die Rechte organisiert und nutzt.

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Überseeische Lizenzgeber müssen ebenfalls ihre Verhandlungsmethoden aktualisieren

Für ausländische Unternehmen, die Lizenzgeschäfte in China betreiben wollen, bedeutet dies ebenfalls, dass die Verhandlungsmethoden aktualisiert werden müssen.

Chinesische Unternehmen sind nach wie vor wichtige Technologienutzer, aber immer mehr von ihnen besitzen ebenfalls Patentvermögenswerte, die es wert sind, bewertet zu werden. Überseeische Lizenzgeber müssen den Umsatz ihrer Kunden prüfen, aber auch die Forschungsergebnisse ihrer Kunden; sie müssen ihre eigenen technischen Beiträge nachweisen und gleichzeitig erkennen, was die andere Seite anbieten kann.

Auf diese Weise können die Verhandlungen mehr Vereinbarungen umfassen: Einseitige Lizenzierung, gegenseitige Lizenzierung, Erwerb von Vermögenswerten sowie Rechtskonfigurationen mit unterschiedlichen Bereichen und Laufzeiten. Je solider die technischen Errungenschaften chinesischer Unternehmen sind, desto wahrscheinlicher verlagern sich die Verhandlungen von der Diskussion über die Zahlungsfähigkeit hin zur Diskussion über die Beiträge beider Seiten.

Dies garantiert nicht, dass jedes chinesische Unternehmen dasselbe Ergebnis wie Huawei erzielt. Nur konkrete, wirksame und kommerziell verbundene Rechte können in die Verhandlungen einbezogen werden. Die Anzahl der Patente kann das Investitionsvolumen zeigen, aber sie kann den Nachweis des Wertes der Rechte nicht ersetzen.

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Zurück zum FRAND-Grundsatz: Ein und derselbe Grundsatz verbindet die beiden Rollen

Eine nützliche Patentanalyse sollte Rechte und Geschäfte verbinden können: Welche Rechte decken den Zielmarkt ab, welche können die Verhandlungen unterstützen, welche sind geeignet, behalten zu werden, welche können verkauft werden; welchen Nutzungsraum behält das Unternehmen nach der Transaktion und welche Pflichten übernimmt es.

Zurück zum FRAND-Grundsatz, der in dem Aufsatz von Yu Nanfen diskutiert wird: Fair, vernünftig und nicht diskriminierend ist kein fertiges Preisverzeichnis. Sein Wert liegt darin, dass Rechtsinhaber eine angemessene Vergütung erhalten und Technologienutzer unter vorhersehbaren Bedingungen in den Markt eintreten können.

Da chinesische Unternehmen beide Rollen gleichzeitig übernehmen, benötigen sie umso mehr erklärbare, vergleichbare und überprüfbare Lizenzregeln. Der Wunsch nach angemessenen Gebühren als Nutzer und der Wunsch nach Anerkennung der eigenen Beiträge als Rechtsinhaber sollten durch denselben Grundsatz miteinander verbunden werden.

Die jüngste Transaktion zwischen Huawei und Qualcomm liefert ein beobachtenswertes Beispiel: Der Wettbewerb von Unternehmen auf dem Produktmarkt kann gleichzeitig mit Transaktionen auf dem Patentmarkt bestehen; Vermögenswerte, die durch kontinuierliche Forschung und Entwicklung entstanden sind, können ebenfalls den Inhalt der Verhandlungen zwischen beiden Seiten verändern.

Die Fähigkeit chinesischer Unternehmen im Bereich des geistigen Eigentums in der nächsten Phase sollte sich in dieser Veränderung widerspiegeln – sie sollten klar darlegen können, was sie nutzen, was sie beitragen und welche Vergütung diese Beiträge verdienen.

Referenzmaterialien

[1] Yu Nanfen, „Umsetzungsdilemmata des FRAND-Grundsatzes bei der Lizenzierung standardessentieller Patente und Überlegungen zum chinesischen Weg“, Science of Law Journal Band 4, Heft 5, Clausius Scientific Press https://clausiuspress.com/assets/default/article/2025/11/01/article_1762051570.pdf

[2] Qualcomm, Huawei and Qualcomm Announce Broad Patent License Agreement, Oktober 2026 https://www.qualcomm.com/news/releases/2026/10/huawei-and-qualcomm-announce-broad-patent-license-agreement

[3] US-Handelskommission (FTC), Eröffnungsreden zum Verfahren FTC v. Qualcomm, Januar 2019 https://www.ftc.gov/system/files/documents/cases/2019_01_04_ftc_opening_slides.pdf

[4] Huawei, Huawei und Qualcomm schließen Patentlizenzvereinbarung, Juli 2020 https://www.huawei.com/cn/news/2020/7/huawei-qualcomm-ip-agreement

[5] Jahresbericht von Qualcomm für das Geschäftsjahr 2025 (Form 10-K), US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/804328/000080432825000085/qcom-20250928.htm

Dieser Artikel stammt aus dem WeChat-Offiziellen Konto „zhichanli“ (ID: zhichanli), Autor: Shawn/MCP, veröffentlicht mit Genehmigung von 36Kr.