Will sich DJI auch ein Stück vom Photovoltaik-Kuchen sichern? Von Drohnen zu Solarmodulen – kann es dieses Mal wieder „abheben“?
DJI steigt in den Balkon-Photovoltaik-Markt ein: Chancen und Herausforderungen gehen Hand in Hand und verändern die Branchenlogik.
Laut Informationen von Vorausschauende Energie wurde kürzlich die Internationale Funkausstellung Berlin (IFA 2026) eröffnet. Zwischen den zahlreichen Ausstellungsständen mit neuen Produkten präsentierte DJI ein komplettes Balkon-Solarsystem. Ein Photovoltaik-Modul, ein Mikrowechselrichter und eine Schuko-Steckdose sind zu einem vollständigen Stromerzeugungssystem in Reihe geschaltet.
Dieses Szenario wurde von vielen Medien als „grenzüberschreitender Angriff“ interpretiert. Doch eine fragwürdige Frage lautet: Was bedeutet der Einstieg von DJI in den Balkon-Photovoltaik-Bereich eigentlich für die Photovoltaik-Branche?
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Angefangen beim Aufladen von Drohnen
Ein Weg, der von den Anforderungen der Kunden vorangetrieben wird
Das Engagement von DJI im Energiebereich ist keine spontane Idee und folgt auch keinem kurzfristigen Trend. Der Ausgangspunkt dieser Geschäftslinie liegt in den echten Problemen von Drohnen-Nutzern.
In der zweiten Jahreshälfte 2022 begann DJI intern mit der Planung von tragbaren Energiespeicherprodukten. Damals war die Sorge um die begrenzte Akkulaufzeit bei Außenaufnahmen mit Drohnen ein dringendes Bedürfnis – ein Akku reicht nur für 20 bis 30 Flugminuten, und es ist üblich, mehrere Akkus mitzunehmen.
Früher wurde dieses Bedürfnis von Drittanbietern von Stromversorgungsprodukten erfüllt, während DJI sich entschied, dies selbst zu übernehmen. Ende 2023 brachte DJI offiziell sein erstes Outdoor-Stromversorgungsgerät auf den Markt, dessen Kernverkaufsargument unter anderem das Schnellladen der eigenen Drohnenakkus ist.
Die Positionierung dieses Schritts ist klar: Es handelt sich nicht um ein eigenständiges Energiegeschäft, sondern um einen Zusatzdienst für das Drohnen-Ökosystem.
Anschließend baute DJI seine Stromversorgungsprodukte schrittweise aus. 2025 begannen seine Energiespeicherprodukte, sich von „Außen“ auf „Innen“ auszudehnen – der Begriff „Haushaltsnotstromversorgung“ tauchte in der offiziellen Beschreibung auf.
Im selben Jahr brachte DJI das dazugehörige Solarpanel auf den Markt, mit dem Nutzer den Energiespeicher über Photovoltaik aufladen können. Zu diesem Zeitpunkt hat die Energiesparte von DJI den ersten Sprung von „Ladezubehör“ zu „unabhängigem Stromversorgungssystem“ vollzogen.
Auf der IFA im September 2026 vollzog DJI den dritten Schritt: Es kombinierte Energiespeicher, Photovoltaik-Modul und Mikrowechselrichter zu einem vollständigen netzgekoppelten Haushaltsenergiesystem, das direkt an eine Steckdose zu Hause angeschlossen werden kann und sich an Bewohner von Stadtwohnungen richtet.
Dieses System erfordert keine Installation auf dem Dach und kein Bauteam. Die Zielgruppe sind Menschen, die keine herkömmliche Photovoltaik-Anlage installieren können, aber Stromkosten sparen möchten.
Betrachtet man diese Zeitlinie: Vom Drohnen-Ladegerät über das Outdoor-Stromversorgungsgerät bis hin zum Haushalts-Energiespeichersystem mit Solarpanel – jeder Schritt ist eine Erweiterung der vorherigen Phase. Die Nutzerbasis erstreckt sich von Drohnen-Enthusiasten über Camping-Fans bis hin zu Stadtmietern. Dies ist kein „grenzüberschreitender Angriff“, sondern ein natürlicher Prozess, bei dem ein Unternehmen sein Geschäft schrittweise entsprechend den Bedürfnissen seiner Kernnutzer ausbaut.
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Was sind die echten Herausforderungen?
DJI hat einen guten Zeitpunkt gewählt.
Deutschland ist einer der weltweit größten Märkte für Balkon-Photovoltaik. Bis Mai 2026 hat die offizielle Registrierung von Plug-and-Play-Photovoltaik-Systemen in Deutschland bereits 1,3 Millionen Einheiten überschritten. Nachdem Deutschland 2024 mit dem Solar Package I die Registrierung vereinfacht, die Leistungsgrenze angehoben und Mietern das Recht zur Installation eingeräumt hat, ist die Nachfrage schnell angestiegen. Seit dem 27. August 2026 ist in Großbritannien der rechtmäßige Anschluss und die Nutzung von Plug-and-Play-Photovoltaik erlaubt. Auch in Kalifornien wurden entsprechende Gesetze verabschiedet. DJI hat einen Markt gewählt, in dem sich das politische Fenster bereits geöffnet hat.
Aber der richtige Zeitpunkt bedeutet nicht, dass es keine Herausforderungen gibt. DJI steht vor mindestens drei echten Problemen:
Erstens: Es besteht Unsicherheit in der politischen Ausrichtung.
Die rasche Entwicklung der Balkon-Photovoltaik hängt stark von der politischen Unterstützung ab, aber die Politik ist nicht unveränderlich. Im Juni 2025 hat Deutschland den Entwurf der Norm „IEC 60364-7-751“ vorgelegt, der vorschreibt, dass Balkon-Photovoltaik-Systeme über einen unabhängigen Stromkreis mit Schutzvorrichtung angeschlossen werden müssen und nicht über eine gewöhnliche Steckdose mit Strom versorgt werden dürfen. In Frankreich gilt seit August 2025 die Pflicht, dass alle Balkon-Photovoltaik-Geräte an einen unabhängigen Stromkreis mit Leistungsschalter angeschlossen und von einem zertifizierten Elektriker installiert werden müssen.
Obwohl Deutschland und Großbritannien derzeit noch einen relativ lockeren Rahmen beibehalten, ist der Trend der europäischen Regulierung, sich von „Plug-and-Play“ zu „regulierter Installation“ zu verschärfen, bereits sichtbar. Wenn mehr Länder dem französischen Modell folgen, wird das Kernverkaufsargument von DJIs System, „einfach an die Steckdose anschließen und nutzen können“, stark an Bedeutung verlieren.
Zweitens: Es gibt Defizite bei Vertriebskanälen und Dienstleistungen.
DJI ist spezialisiert auf Unterhaltungselektronik: Design, Produktion und Verkauf über Einzelhandelskanäle. Aber Balkon-Photovoltaik-Systeme umfassen Installation, Netzanschluss und Kundendienst – für diese Bereiche hat DJI keine vorhandene Erfahrung. Obwohl „Plug-and-Play“ die Installationshürden senkt, benötigen Nutzer immer noch grundlegende elektrische Kenntnisse und Bedienfähigkeiten. Bei Installationsproblemen, Geräteausfällen oder Schwierigkeiten beim Anschluss an das Stromnetz: Hat DJI die Fähigkeit, diese Probleme zu lösen? Dies ist kein einfaches Problem, bei dem ein Drohnen-Nutzer das Gerät zur Reparatur zurückschickt, sondern betrifft die Sicherheit der Haushaltsstromversorgung.
Der deutsche Verband für Plug-and-Play-Photovoltaik weist ebenfalls darauf hin: Wenn die Regulierungsbehörden zwingend vorschreiben, einen Elektriker zu beauftragen oder spezielle Steckdosen zu installieren, werden die Kosten stark steigen und die Verbreitung gehemmt. Dies stellt eine potenzielle Bedrohung für das „Plug-and-Play“-Modell von DJI dar.
Drittens: Die Wettbewerbslandschaft ist weit voller als erwartet.
DJI ist nicht das einzige Unternehmen, das diese Chance erkannt hat. Anker Innovation hat im Mai 2026 das Balkon-Photovoltaik-Energiespeicherprodukt Anker SOLIX Solarbank 4 E5000 Pro vorgestellt. IKEA hat bereits Balkon-Photovoltaik-Pakete in Deutschland auf den Markt gebracht. Es gibt auch viele einheimische europäische Marken für Balkon-Photovoltaik.
Noch wichtiger ist, dass die Preisstrategie von DJI es in eine heikle Position bringt: Das Basis-Paket von IKEA kostet 449 Euro, ein typisches zweimoduliges Plug-and-Play-System in Deutschland kostet etwa 500 Euro. Der Preis von DJIs eigenem Power 2000 liegt allein bei 900 bis 1100 Euro, und zusammen mit Photovoltaik-Modul und Mikrowechselrichter liegt das gesamte System wahrscheinlich bei über 1500 Euro.
DJI verkauft nicht das billigste Photovoltaik-System, sondern ein „Energiesystem“ mit Energiespeicher. Das Problem lautet aber: Wie wird ein Stadtmieter zwischen einem Einsteigersystem für 500 Euro und einem DJI-System für über 1500 Euro wählen? Ob die Markenprämie von DJI diesen Preisunterschied rechtfertigen kann, muss sich erst noch am Markt beweisen.
Es gibt noch ein grundlegenderes Problem: Wie groß ist der Markt für Balkon-Photovoltaik tatsächlich? In Deutschland gibt es ein Potenzial für die Installation von Balkon-Anlagen im Umfang von etwa 20 Millionen Einheiten.
Laut Berechnungen von Broker-Research-Berichten, basierend auf deutschen Daten von 2026 und der Annahme eines jährlichen Zuwachses von 400.000 Haushalten mit Balkon-Photovoltaik, wird es 2030 in Deutschland etwa 3,17 Millionen Haushalte mit Balkon-Photovoltaik geben, was einer Durchdringungsrate von etwa 7,6 % entspricht. Zwischen „Potenzial haben“ und „alle installieren es“ liegt eine große Lücke. Ein System für über 1500 Euro ist für eine normale Familie kein Produkt, das man spontan kauft.
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Was bedeutet der Einstieg von DJI für die Photovoltaik-Branche?
Der tatsächliche Einfluss von DJIs Einstieg in die Branche liegt nicht im Absatzvolumen, sondern in der Logik. Er beweist einen Weg: Photovoltaik kann wie Unterhaltungselektronik verkauft werden.
Seit langem ist Photovoltaik ein typisches B2B-Geschäft mit mehrstufigem Vertrieb, Kraftwerken als Vermögenswerten und Photovoltaik-Modulen als Produktionsmitteln. Aber DJI kombiniert Photovoltaik-Modul, Mikrowechselrichter und Energiespeicher zu einem „Plug-and-Play“-Paket und präsentiert es auf der IFA, einer Messe für Unterhaltungselektronik, Seite an Seite mit Drohnen und Staubsaugerrobotern.
Diese Aktion sendet das Signal aus, dass Photovoltaik zu einem „Haushaltsgerät“ wird und in Regale von Supermärkten und Warenkörbe von E-Commerce-Plattformen einzieht.
Dieser Trend wird nicht nur von DJI verfolgt. Haier investiert 6 Milliarden Yuan in den Bau eines neuen Energie-Ökoparks, TCL Zhonghuan behält den ersten Platz beim Auslieferungsvolumen von Siliziumwafern, Midea übernimmt die Kontrolle über Hicon New Energy, und BYD bietet Haushalts-Photovoltaik in seinen Vertriebsgeschäften in Brasilien an. Grenzüberschreitende Akteure strömen aus allen Richtungen und aktivieren gemeinsam den Verbrauchermarkt für Photovoltaik.
Aber ob das Modell von DJI erfolgreich sein kann, hängt davon ab, ob zwei Kernprobleme gelöst werden können:
Erstens: Die Umwandlung von „Vertrauen in die Konsummarke“ in „professionelles Vertrauen in den Energiebereich“. Beim Kauf einer Drohne achtet man auf die Bildqualität, beim Kauf eines Photovoltaik-Systems achtet man darauf, ob es brennt, wie viel Strom es spart und wer es repariert, wenn es defekt ist – die Logik zur Aufbauung dieser beiden Vertrauensarten ist völlig unterschiedlich;
Zweitens: Die Bewältigung des schwindenden politischen Vorteils. Wenn die Bequemlichkeit von „Plug-and-Play“ durch politische Maßnahmen schrittweise verringert wird, verliert DJI sein größtes Unterscheidungsmerkmal. Dann wird es direkt mit herkömmlichen Photovoltaik-Installateuren konkurrieren müssen – und das wird ein ganz anderer Wettbewerb.
Für traditionelle Photovoltaik-Unternehmen ist der Einstieg von DJI ein Spiegel.
Er warnt die Branche: Wenn der Verbrauchermarkt für Photovoltaik wirklich aktiviert wird, müssen traditionelle Unternehmen lernen, Marken aufzubauen, Vertriebskanäle zu entwickeln und Nutzererfahrung zu optimieren – und nicht nur Module und Kraftwerke herzustellen.
Aber DJI ist nicht unbedingt der endgültige Gewinner. Der politische Vorteil von „Plug-and-Play“, auf den es angewiesen ist, weist in Europa bereits Risse auf, und die Energiedienstleistungsfähigkeit, die ihm fehlt, ist genau die zentrale Hürde im Haushaltsbereich.
Dieses Beispiel wird letztendlich eines beweisen: Ob der Verbrauchermarkt für Photovoltaik ein echter großer blauer Ozean ist oder nur ein kurzfristiges Fenster, das durch Politik und Kapital hervorgebracht wurde.
Die Antwort liegt vielleicht nicht auf dem Ausstellungsstand von DJI, sondern in der Entwicklung der europäischen Regulierung in den nächsten drei Jahren und den echten Entscheidungen der Nutzer.
Dieser Artikel stammt aus dem WeChat-Offiziellen Konto „Vorausschauende Energie“, Autor: Wang Mengjiao, veröffentlicht mit Genehmigung von 36Kr.