Warum müssen Smartphone-Hersteller im Jahr 2026 unbedingt Pocket-Produkte entwickeln und auf den Markt bringen?
Das intensivste Wettbewerbsgeschehen in der Unterhaltungselektronikbranche im Jahr 2026 spielt sich auf einem Raum ab, der nicht größer als eine Hosentasche ist.
Ein kleines Produktsegment, das DJI einst selbst auf einen Marktwert von einer Milliarde Yuan schätzte, hat drei Jahre später ein Einzelprodukt mit einem Absatz von zehn Millionen Exemplaren hervorgebracht. Und bis zum Jahr 2026 haben Insta360, OPPO, vivo und Honor begonnen, auf unterschiedlichen Wegen in dieses winzige Marktsegment vorzudringen.
Die Taschen-Gimbal-Kamera hat sich von einem Hit-Produkt von DJI zu einem neuen umkämpften Segment der gesamten Unterhaltungselektronikbranche entwickelt.
Die Zeitlinie für Taschen-Gimbal-Kameras war noch nie so dicht gedrängt wie in diesem Jahr: Im April veröffentlichte DJI die Osmo Pocket 4; nach einer etwa zweimonatigen Verspätung ging die auf professionellere Anwendungen ausgerichtete Dual-Kamera-Version Pocket 4P endlich in den Verkauf über. Gleichzeitig, im Juni, trat Insta360 mit seiner ersten Taschen-Gimbal-Kamera Luna Ultra in den Wettbewerb ein und drang mit einem 1-Zoll-Hauptsensor, 3-fach-Teleobjektiv und abnehmbarem Bildschirm erstmals direkt in das von DJI über Jahre aufgebaute Marktgebiet ein.
Honor verfolgt einen interessanteren Ansatz: Es hat direkt an der Position des Kameramoduls seines Smartphones ein Mini-Gimbal integriert und mit einer 200-Megapixel-Kamera ausgestattet – das ist ein sogenanntes „Robot Phone“, ein Roboter-Smartphone.
Laut Informationen von ifanr prüfen weitere Smartphone-Hersteller wie OPPO und vivo ebenfalls unabhängige Projekte für Taschen-Gimbal-Kameras. Öffentlichen Berichten zufolge hat vivo bereits damit begonnen, Testnutzer für entsprechende Produkte zu rekrutieren, während das interne OPPO-Projekt mit dem Codenamen „Fuyao“ auf eine Markteinführung im Jahr 2026 abzielt. Auch wenn Form und Funktionen der Produkte noch Veränderungen unterliegen können, haben die Smartphone-Hersteller bereits am Spieltisch Platz genommen.
Man muss bedenken: Über einen sehr langen Zeitraum hinweg fiel Verbrauchern bei dem Stichwort „Taschen-Gimbal-Kamera“ fast nur der Name DJI Pocket ein.
Die Frage lautet nun: Warum haben sich alle wie abgesprochen dazu entschieden, 2026 als Zeitpunkt für den Markteintritt zu wählen?
Eine lang erwartete Wachstumskurve
Die Smartphone-Hersteller warten schon viel zu lange auf eine neue Wachstumskurve.
Daten von IDC zeigen: Im ersten Quartal 2026 ging der weltweite Absatz von Smartphones im Vergleich zum Vorjahr um 2,9 % zurück, womit das zehn Quartale andauernde Wachstum zuvor beendet wurde. Der Rückgang erfasste alle führenden Hersteller, Xiaomi, OPPO und vivo blieben davon nicht verschont. Die Smartphone-Hersteller brauchen dringend ein neues Wachstumsfeld.
In dieser Situation wirkt ein bereits erprobtes Gerät mit einem Stückpreis von mehreren tausend Yuan und einer Technologieplattform, die der von Smartphones stark ähnelt, überaus anziehend.
Dieser Markt wurde praktisch erst wiederentdeckt, nachdem er lange Zeit unbeachtet geblieben war.
Im Bereich der Bildaufnahme gibt es schon lange eine unbesetzte Preislücke, die unbefriedigend ist. Im unteren Bereich lösen Smartphone-Stabilisatoren für wenige hundert Yuan nur das Problem der Bildstabilisierung; im oberen Segment sprechen Wechselobjektivkameras für sechs- bis siebentausend bis zu zehntausend Yuan erst eine anspruchsvolle Bildqualität an.
Der dazwischenliegende Preissegment von 3000 bis 5000 Yuan ist am heikelsten: Mit diesem Budget bekommt man zwar ein APS-C-Gehäuse, aber kein anständiges Objektiv dazu. Die 1-Zoll-Kompaktkameras, die ursprünglich dieses Segment besetzten, haben angesichts der immer leistungsfähigeren Smartphone-Bildverarbeitung ihre Wettbewerbsfähigkeit verloren und ihre Produktaktualisierungen sind zum Erliegen gekommen.
Daher stellen immer mehr Menschen fest: Wenn die Smartphone-Kamera keine guten Ergebnisse liefert und das Budget nur 3000 bis 5000 Yuan beträgt, gibt es kaum andere Optionen, als weiter mit dem Smartphone zu fotografieren oder das Budget auf über 6000 Yuan aufzustocken.
Die Einführung der Pocket 3 hat diesem Preissegment eine nie dagewesene Dynamik verliehen: Sie vereint Kamera, Stabilisator, Bildschirm und Mikrofon in einem Gerät, das kürzer als eine Handfläche ist, und ermöglicht für 3499 Yuan die Fähigkeit, „jederzeit aufzunehmen, stabile Kamerafahrten durchzuführen und mühelos Bilder mit ansprechenden Farben zu erzeugen“.
Wang Tao verriet in einem Interview mit der Zeitschrift „LatePost“ im Jahr 2026, dass die Pocket 3 weniger als zwei Jahre nach ihrer Markteinführung über zehn Millionen Mal verkauft wurde. Ursprünglich war DJI davon ausgegangen, dass der gesamte Markt für Hand-Gimbal-Kameras nur etwa 10 Milliarden Yuan wert ist – später stellte sich heraus, dass dieses Segment inzwischen auf mehrere hundert Milliarden Yuan angewachsen ist.
Das ist genau die Art von Wachstumskurve, auf die die Smartphone-Hersteller schon lange nicht mehr gestoßen sind – sie ist vom Markt bereits bestätigt, aber noch nicht vollständig ausgereift; sie liegt nah genug an der Lieferkette für Smartphones und lässt gleichzeitig Raum für Neuerfindungen.
Entscheidender ist, dass Taschen-Gimbal-Kameras fast alle Kernkomponenten von Smartphones gemeinsam nutzen: Sensor, ISP, NPU, Bildschirm, Speicher, Akku, drahtlose Verbindungen, Mikrofon und rechnergestützte Fotografie sind alles Themen, mit denen sich Smartphone-Hersteller täglich befassen. Das Einzige, was sie noch ergänzen müssen, sind drei Komponenten: Präzisionsmotoren, mechanische Strukturen und Gimbal-Steuerung.
Für sie ist die Herstellung einer Taschenkamera praktisch eine „nebensächliche“ Aufgabe.
Aber am Spieltisch zu sitzen und die Runde zu gewinnen, sind zwei verschiedene Dinge. Wenn alle eine Taschenkamera mit guter Bildqualität herstellen können, die man einfach in die Hand nimmt und aufnimmt, wieso sollte der Nutzer dann noch ein zusätzliches Gerät kaufen?
Jenseits von Spezifikationen: Smartphone-Hersteller haben die Chance, das Nutzererlebnis neu zu gestalten
Nach dem Erfolg eines Produkts passiert es in der Branche am häufigsten, dass alle Hersteller eine Reihe von Produkten mit ähnlicher Form und leicht abweichenden Spezifikationen auf den Markt bringen.
Größere Sensoren, höhere Bildraten, längere Brennweiten, hellere Bildschirme – diese Verbesserungen sind natürlich wichtig. Aber wenn die Smartphone-Hersteller am Ende nur eine „Pocket-Kamera, die Aufnahmen mit dem eigenen Smartphone austauschen kann“ abliefern, beantworten sie damit immer noch nur die Frage, die DJI bereits längst gelöst hat. Die echte Chance der Smartphone-Hersteller liegt nicht in der Spezifikationstabelle.
Die erste Chance liegt in einer durchdachten Bedienung.
Bei der Pocket 4 steuert man die Gimbal-Richtung, wechselt die Brennweite und passt die Belichtung über Joystick, Tasten und Touchscreen. Das klingt ausreichend, aber in der Praxis sieht es anders aus: Beim Hochformat werden die Tasten verdeckt, und um die Belichtung anzupassen, muss man zuerst ein Menü von der rechten Bildschirmseite aufrufen. Diese Logik funktioniert gut, wenn man auf Reisen in Ruhe Landschaften oder Porträts fotografiert, aber bei unseren eigenen Aufnahmen auf Messen vor Ort geraten wir fast alle paar Minuten in hektische Situationen.
Ein idealeres Hardware-Konzept ist erstaunlich einfach und fast altmodisch: Der Joystick steuert nur die Gimbal, der Hebel nur den Zoom, das Drehrad nur die Belichtung. Ein physischer Controller ist genau einer festen Funktion zugeordnet. Nutzer müssen nicht erst nachschauen, „in welchem Modus ich mich gerade befinde“, und müssen sich keine Sorgen machen, dass derselbe Joystick plötzlich die Gimbal, den Zoom oder das Menü steuert. Das wirkt wenig „intelligent“, aber es folgt genau dem wichtigsten Prinzip der Mensch-Maschine-Interaktion.
Die Belichtungskorrektur sollte vor allem nicht mehr in einem Untermenü versteckt sein. Personen im Gegenlicht, Wechsel zwischen Innen- und Außenbereichen, Lichter am Himmel, Leuchtreklamen in der Nacht – jede Szene auf einer Reise zwingt den Fotografen, die Belichtungskorrektur häufig anzupassen. Die automatische Belichtung kann einem einige Tastendrücke ersparen, aber sie kann nie die subjektive Absicht des Nutzers ersetzen.
Natürlich ist die Umsetzung aller häufig genutzten Funktionen über physische Tasten nur ein Weg. Der andere Ansatz besteht darin, mehrere einfache szenariobasierte Voreinstellungen zu erstellen, mit denen Nutzer sofort fertige Aufnahmen machen – das passt eher zu den Stärken von Smartphone-Herstellern. Beide Wege laufen aber auf dasselbe hinaus: Wer es schafft, dass Nutzer nicht erst lernen müssen, die Kamera zu bedienen, hat die halbe Miete bereits.
Die zweite Chance ist die Positionierung als systemweite externe Kamera.
Stellen Sie sich vor, eine vivo Pocket-Kamera kommt in die Nähe eines vivo-Smartphones. Sie sollte nicht nur „verbunden“ werden, sondern direkt in der Kameraliste des Systems erscheinen – bei Videoanrufen über WeChat, Tencent Meetings, Douyin-Livestreams und Drittanbieter-Fotoanwendungen taucht neben der Frontkamera, der Hauptkamera und dem Teleobjektiv noch eine „externe Gimbal-Kamera“ auf. Sie wird gleichberechtigt neben den anderen Objektiven des Smartphones vom System aufgerufen.
Noch weitergehend können Smartphone und Pocket bei Annäherung gleichzeitig aus mehreren Perspektiven aufzeichnen und überwachen. Das ist keine Utopie: Apples Final Cut Camera hat diesen technischen Ansatz bereits umgesetzt, bis zu vier Geräte können gleichzeitig eine Vorschau anzeigen und synchron aufzeichnen oder stoppen. Smartphone und externe Gimbal-Kamera nutzen denselben Timecode, dieselben Farbeinstellungen und denselben Aufzeichnungsstatus – das ist eine Fähigkeit, die Smartphone-Hersteller vollständig beherrschen und auf die Drittanbieter kaum uneingeschränkt zugreifen können.
Die dritte Chance besteht darin, dass die Aufnahmen den gesamten Arbeitsprozess automatisch durchlaufen.
Bisher überträgt die Pocket die Aufnahmen über die App DJI Mimo, die Geschwindigkeit ist bereits hoch und das Erlebnis gut, aber der Aufwand für die Verbindung und die Nachbearbeitung in der App ist nie vollständig beseitigt worden. Wenn das Gerät aber von einem Smartphone-Hersteller entwickelt wird, sollte es als natives Gerät nicht als „Zubehör“ behandelt werden, sondern als Erweiterung des Bildsystems des Smartphones.
Das ideale Szenario sieht so aus: Sobald die Kamera mit der Aufnahme beginnt, wird eine Vorschau-Datei mit niedriger Bitrate direkt in das Fotoalbum des Smartphones synchronisiert, wo es einen eigenen Reiter für Pocket-Aufnahmen gibt. Nach der Aufnahme kann man die Inhalte sofort ansehen, markieren, grob schneiden und teilen – ohne jede Wartezeit. Die Originaldateien verbleiben in der Kamera und werden im Hintergrund übertragen, wenn das Gerät im Leerlauf ist, geladen wird oder eine schnelle WLAN-Verbindung besteht.
Wenn Sie auf der Pocket die Option „Favorit“ auswählen, wird die entsprechende Aufnahme im Fotoalbum des Smartphones sofort markiert, und das Original wird an die erste Stelle der Übertragungswarteschlange gesetzt. Lange Aufnahmen, die nicht als Favorit markiert sind, behalten nur die Vorschau-Datei, bis Sie sie manuell herunterladen.
Wie gut die Zusammenarbeit funktioniert, zeigt sich letztendlich daran, wie viele Arbeitsschritte und Wartezeiten sie dem Nutzer erspart. An diesem Punkt zeigt sich der Vorteil der Smartphone-Hersteller erst richtig: Sie verstehen Smartphones, das Ökosystem und die reibungslose Bereitstellung von Bildinhalten für soziale Plattformen besser als DJI. Das ist ihr einziger, nicht kopierbarer Trumpf.
Der Hit ist bereits da, aber erfolgreiche Anbieter sind noch rar
Der Absatz von zehn Millionen Exemplaren der Pocket 3 beweist, dass das Produkt funktioniert – aber er beweist noch nicht, dass das Segment bereits so ausgereift ist, dass es zehn Hersteller gleichermaßen versorgen kann.
Ähnlich wie vor dem Erscheinen der AirPods hatte Earin bereits echte kabellose Kopfhörer entwickelt, die aber keine breite Akzeptanz am Markt fanden. Vor der Pocket 3 hat Feiyu bereits 2013 eine Drohnen-Gim