Die Ergebnisse explodieren – warum sind Wertpapierhäuser noch nicht im Trend?
Am 3. Juli veröffentlichte Guotai Haitong als erstes Wertpapierhaus die Halbjahresgewinnprognose für 2026, deren Ergebnisse als „explosionsartig“ bezeichnet werden können. In der Folge legten führende Institute wie CITIC Securities, GF Securities, Huatai Securities und China Merchants Securities ihre Prognosen vor – alle gehören zum Klub der Unternehmen mit einem Nettogewinn von über 10 Milliarden Yuan.
▲ Halbjahresgewinnprognosen der Wertpapierhäuser (Stand: 16. Juli), Quelle: Wind
Mehrere Wertpapierhäuser verzeichneten im zweiten Quartal einen deutlichen Gewinnanstieg gegenüber dem Vorquartal und dem Vorjahreszeitraum. Dies bestätigt die hohe Dynamik der Branche vor dem Hintergrund des aktiven A-Aktien-Marktes. In Kombination mit der niedrigen PB-Bewertung stellt sich die Frage: Kann der Sektor der Wertpapierhäuser im zweiten Halbjahr eine Erholung erleben?
Verdopplung des Gewinns
Nach der Fusion von Guotai und Haitong belegt das Unternehmen in mehreren Dimensionen wie Gesamtvermögen, Nettovermögen, Marktanteil im Brokerage-Geschäft, Margin-Handel und IPO-Pipeline den ersten Platz im Land. Umsatz und Nettogewinn liegen zwar noch leicht hinter CITIC Securities zurück, doch die Kluft verringert sich seit 2026 schrittweise.
In der ersten Hälfte des Jahres 2026 erzielte Guotai Haitong einen den Aktionären zurechenbaren Nettogewinn von 20 bis 20,5 Milliarden Yuan, was einem Anstieg von 27 % bis 30 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Beim um nicht wiederkehrende Posten bereinigten Nettogewinn für Aktionäre beträgt der Vorjahresanstieg sogar 164 % bis 171 %.
Aufgeschlüsselt ergibt sich im zweiten Quartal allein ein den Aktionären zurechenbarer Nettogewinn von 13,6 bis 14,1 Milliarden Yuan – ein Anstieg von 290 % bis 304 % gegenüber dem Vorjahr und damit der höchste Quartalsgewinn der Unternehmensgeschichte.
Der Leistungsschub von Guotai Haitong beruht vor allem auf zwei Motoren. Erstens ist der aktive Handel am Kapitalmarkt zu nennen: Traditionelle Geschäfte wie Brokerage und Nettozinsertrag wachsen stark, was für den gesamten Sektor der Wertpapierhäuser gilt.
In der ersten Hälfte des Jahres belief sich der durchschnittliche tägliche Handelsumsatz an den A-Aktien auf 2,74 Billionen Yuan – fast das Doppelte des Vorjahreswerts. Ein Blick zurück zeigt, dass die täglichen Umsätze in den Jahren 2020, 2022 und 2023 nur bei über 800 Milliarden Yuan lagen, 2021 und 2024 bei etwas über 1 Billion Yuan. 2025 erholten sie sich deutlich auf 1,66 Billionen Yuan und in diesem Jahr übertreffen sie diesen Wert noch – eng verbunden mit dem anhaltenden Aufwärtstrend des Marktes.
Man muss wissen: Nach der Fusion von Guotai und Haitong stieg der Marktanteil im Brokerage-Geschäft stark an und erreichte 2025 8,56 %, womit das Unternehmen den ersten Platz am Markt belegte.
Auch das Margin-Handelsgeschäft entwickelte sich dynamisch. Zum 30. Juni belief sich der Margin-Handels-Saldo der A-Aktien auf 2.997,1 Milliarden Yuan, während er im Vorjahreszeitraum noch unter 2 Billionen Yuan lag.
▲ Diagramm des Margin-Handels-Saldos der A-Aktien, Quelle: Wind
Zum Ende des ersten Quartals betrug der Margin-Handels-Saldo von Guotai Haitong 254,5 Milliarden Yuan (mit einem Marktanteil von fast 10 %), was einem Anstieg von 35 % seit Jahresbeginn entspricht und den Nettozinsertrag des Unternehmens stark antreibt.
Zweitens sind Beteiligungen an Technologieunternehmen die größte Quelle für die Ergebnisflexibilität von Guotai Haitong im zweiten Quartal.
In der ersten Hälfte des Jahres stiegen der Tech-Aktien-Index STAR 50 und der ChiNext-Index um 64 % bzw. 35,6 % – weit vor anderen Hauptindizes. Vor diesem Hintergrund erzielten mehrere von Guotai Haitong gehaltene Technologieaktien hohe Gewinne.
Dazu gehören die begleiteten Unternehmen Hua Hong Hongli, Changjin Photonics und Dapuweite – allesamt stark steigende Aktien mit unrealisierten Gewinnen von 4,66 Milliarden Yuan, 400 Millionen Yuan bzw. 800 Millionen Yuan, die zusammen einen Ergebnisbeitrag von 5 bis 6 Milliarden Yuan leisten.
Darüber hinaus haben die IPOs von Changxin Technology und Unitree Robotics die Genehmigung erhalten. Die Emission wird voraussichtlich im dritten Quartal abgeschlossen und wird weiterhin erhebliche Anlageerträge liefern. Das Unternehmen ist zudem an Projekten wie Super Fusion und LandSpace beteiligt, sodass künftig weitere Ergebnisse aus Technologieinvestitionen erwartet werden können.
Erwähnenswert ist zudem, dass die Geschäftsergebnisse von CITIC Securities, China Merchants Securities, Caitong Securities und Huaan Securities in der ersten Hälfte des Jahres 2026 neue historische Höchststände erreichten. Bei CITIC Securities wird der den Aktionären zurechenbare Nettogewinn im ersten Halbjahr voraussichtlich 23,34 Milliarden Yuan betragen – ein starker Anstieg von 70 % gegenüber dem Vorjahr. Dies beruht auf dem hohen Wachstum von Brokerage und Nettozinsertrag, aber auch auf guten unrealisierten Gewinnen aus Eigenanlagen und der Begleitung von Tech-IPOs, die einen großen Beitrag zum Gewinn leisten.
Verstärkte interne Differenzierung
Tatsächlich hat sich die fundamentale Lage der Wertpapierbranche – einschließlich Guotai Haitong und CITIC Securities – seit 2025 mit der anhaltenden Erholung des Kapitalmarktes verbessert. Doch der Sektor der Wertpapierhäuser, der als „Bullenflagge“ gilt, stieg nicht an, sondern fiel sogar.
Warum?
Aus der Sicht von Market Value Observation haben sich die dominierenden Kapitalströme am A-Aktienmarkt grundlegend verändert.
In den Jahren 2014 bis 2015 war der Kapitalmarkt extrem dynamisch, und Wertpapierhäuser galten als „Bullenflagge“. Damals bestand die Anlegerstruktur hauptsächlich aus Kleinanlegern, Spekulationskapital und Fremdkapital. Da die Wertpapierhäuser über 12 % des Gewichts im CSI 300-Index ausmachten, waren sie eindeutig Träger und Verstärker der Marktstimmung.
Heute halten große Kapitalgruppen wie aktiv gemanagte öffentliche Fonds, passive ETFs, Versicherungsgelder, Nordfluss-Kapital und QFII jeweils mehr als 3 Billionen Yuan – zusammen übersteigt das Gesamtvolumen 15 Billionen Yuan, was etwa 40 % des freien Marktwerts entspricht. Sie haben die absolute Kontrolle über die Marktrichtung und den Sektor der Wertpapierhäuser. Für die Branche hat sich die dominierende Kraft von der Stimmungslage hin zu der fundamentalen Geschäftslage verlagert.
Seit 2015 ist die anhaltende Verschlechterung der Rentabilität des Wertpapierhaus-Sektors eine unbestrittene Tatsache. In den Jahren 2015, 2020-2021, 2022-2024 und 2025 lag die Eigenkapitalrendite (ROE) des Sektors bei 21,3 %, 9 % bis 10 %, 5 % bis 6 % bzw. 7,3 %.
Hinter diesem Trend steht der stetige Rückgang der Provisionen im Brokerage-Geschäft und der Nettomarge im Margin-Handel.
Daten der China Securities Association zeigen, dass die Nettoprovision der Wertpapierbranche 2025 1,78 Zehntelprozent betrug – ein Rückgang von 15,3 % gegenüber dem Vorjahr und ein kumulativer Rückgang von über 70 % gegenüber 6,8 Zehntelprozent im Jahr 2015.
▲ Diagramm der Provisionsraten der Wertpapierhäuser in ausgewählten Jahren, Quelle: Eastmoney
Der „Preiskampf“ im Margin-Handel ist ebenso intensiv. 2015 lag der Margin-Zinssatz bei etwa 7,5 %. 2025 fiel der Zinssatz bei einigen Wertpapierhäusern unter 4 %, und sogar führende Institute bieten Vorzugszinssätze von unter 3 % an.
Dadurch stieg das von Wertpapierhäusern verliehene Kapital stark an, doch der Anstieg des Nettozinsertrags blieb deutlich dahinter zurück. 2025 wuchsen die verliehenen Mittel von CICC und CITIC um 40 %, während die Zinseinnahmen nur um etwa 15 % stiegen.
Die Homogenität der traditionellen Geschäfte in Kombination mit dem Preiskampf führt dazu, dass sich die fundamentale Lage nicht wesentlich verbessert. In einem von Institutionen dominierten Markt werden Wertpapierhäuser nicht mehr so stark nachgefragt wie 2014 bis 2015.
Daher haben sich Wertpapierhäuser nach 2015 von hochflexiblen, stark zyklischen Aktien zu wertorientierten Aktien mit geringer Volatilität entwickelt – mit einer deutlichen Differenzierung innerhalb der Branche.
Heute besteht eine erhebliche Lücke zwischen den Geschäftsmodellen der führenden Großhäuser und denen kleinerer Institute: Erstere haben neue Wachstumspunkte im „Drei-Investitionen-Verbund“ gefunden, während Letztere weiterhin auf traditionelle Geschäfte wie Brokerage und Margin-Handel setzen.
Der sogenannte „Drei-Investitionen-Verbund“ umfasst Research, Investmentbanking und Investitionen – und deckt den gesamten Lebenszyklus von Unternehmen ab, von der Gründung über das Wachstum und den Börsengang bis zur Zeit nach der Notierung. Es gibt drei Umsetzungswege:
Erstens die Frühphaseninvestition vor dem IPO: Die privaten Tochtergesellschaften der Wertpapierhäuser beteiligen sich als frühe Aktionäre und zugleich als übernehmende Institute.
Beispielsweise beteiligte sich die private Fondsgesellschaft von CITIC Securities 2024 an Unitree Technology und hält fast 4,5 % der Anteile. In der Aktionärsliste von Changxin Technology stehen ebenfalls führende Großhäuser wie Guotai Haitong, CICC und CITIC Construction Investment.
Zweitens die Übernahme des Börsengangs und die begleitende Investition. Laut Daten von Wind belief sich das Volumen der begleitenden Investitionen der Wertpapierhäuser im STAR-Markt 2025 auf 1,12 Milliarden Yuan. Die Rendite am ersten Handelstag betrug 261 %, sodass ein Ertrag von 2,92 Milliarden Yuan aus den begleitenden Investitionen erzielt wurde – ein Anstieg von 180 % gegenüber dem Vorjahr. 2026 können die Erträge der führenden Wertpapierhäuser aus begleitenden Investitionen den jährlichen Nettogewinn um bis zu 10 % steigern.
Drittens die Erhöhung der Eigenbestände auf dem Sekundärmarkt. Nach dem Börsengang können Wertpapierhäuser wählen, ihre Anteile schrittweise zu erhöhen, um von langfristigen Wachstumsrenditen zu profitieren.
Durch gründliche vorangehende Forschung, Frühphaseninvestitionen in Unternehmen, Übernahme des IPO-Underwritings und anschließende begleitende Investitionen oder Erhöhung der Eigenbestände – dies entspricht dem Prinzip „ein Fisch, mehrere Mahlzeiten“ und unterscheidet sich stark vom traditionellen Modell, das nur das IPO-Underwriting umfasst.
Dennoch kann dieses neue Modell nur von führenden Wertpapierhäusern umgesetzt werden. Im ersten Quartal 2026 entfielen auf die fünf Wertpapierhäuser mit dem höchsten Underwriting-Volumen – CITIC Securities, CITIC Construction Investment, Guotai Haitong, Huatai Securities und CICC – zusammen über 80 % des gesamten Marktvolumens.
Zudem erweitern diese führenden Institute ihre Marktanteile im Brokerage- und Margin-Handelsgeschäft. Ihre Rentabilität liegt insgesamt über dem Branchendurchschnitt, und ihre Bewertung ist meist höher.
Eastmoney, das auf traditionelle Geschäfte setzt, verfolgt hingegen einen differenzierten Weg und weist die höchste Bewertung der Branche auf – mit einem PB von bis zu 3,3 (Stand: 17. Juli). Dank der riesigen Nutzerbasis von Eastmoney und TianTian Fund verdient das Unternehmen in guten Marktphasen „Marktgelder“ durch Provisionen und Margin-Handel, in stabilen Phasen hingegen „Nutzergelder“ durch Fondsvertrieb und Datendienste. Sein Wachstumspotenzial übertrifft sogar das der führenden Großhäuser.
Zusammengefasst ist die interne Differenzierung der Wertpapierhäuser ein unumgänglicher Trend, wobei das eigene operative Alpha immer wichtiger wird.
Mittelfristige Dynamik bleibt unverändert?
Sowohl das neue Modell des „Drei-Investitionen-Verbunds“ als auch die Dynamik der traditionellen Geschäfte hängen von der Marktlage am Kapitalmarkt ab. Dies ist das Beta des Sektors der Wertpapierhäuser – dessen Gewicht zwar gesunken ist, das aber nicht ignoriert werden kann.
Ob die A-Aktien im zweiten Halbjahr das aktuelle Niveau halten oder weiter steigen, bestimmt die Erwartungen an das künftige Gewinnwachstum der Wertpapierhäuser.
Nach Strategien unterteilen sich die A-Aktien in vier Kernsegmente: Finanzen (Banken, Wertpapierhäuser, Versicherungen etc.), Konsum (Lebensmittel und Getränke, Pharmazeutika etc.), Zykliker (Nichteisenmetalle, Chemie, Öl und Petrochemie, Lithium etc.) und Technologie (Telekommunikation, Halbleiter, KI, Unterhaltungselektronik etc.). Ihre gemeinsame Kraft bestimmt die Marktrichtung.
Betrachtet man zuerst das Technologiesegment: Nach dem epischen Anstieg im zweiten Quartal ist die Bewertung auf ein historisches