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Volkswagen – Warum muss es sich selbst verstümmeln, um zu überleben?

东针商略2026-07-15 15:42
Nach der Blutstillung, wie weit ist die Regeneration entfernt?

Am 9. Juli 2026 stand vor dem Volkswagenwerk in Zwickau, Deutschland, ein Mitarbeiter, der sich als Sensenmann verkleidet hatte, schweigend in der Mitte einer Protestkundgebung. Dieses Foto verbreitete sich schnell weltweit und ließ die Außenwelt unmittelbar spüren, welch gewaltige Erschütterungen dieser alte Industriekonzern durchlebt.

Am selben Tag erhielt der Aufsichtsrat des Konzerns am Hauptsitz in Wolfsburg das von der Unternehmensleitung vorgelegte Restrukturierungskonzept namens „Zukunftsplan“.

Das Konzept sieht vor, das Modellportfolio um bis zu 50 % zu kürzen, die Komplexität der Sonderausstattungen um 75 % zu reduzieren und das globale Jahresproduktionsziel von 12 Millionen Einheiten vor der Pandemie auf 9 Millionen Einheiten zu senken.

Sogar laut internen Quellen hat die Unternehmensleitung zeitweise versucht, einen Abbau von 100.000 Arbeitsplätzen und die Schließung von vier Werken in Deutschland voranzutreiben.

Warum muss dieser Automobilkonzern, der jährlich fast zehn Millionen Fahrzeuge verkauft und einst als Rückgrat der deutschen Industrie galt, heute so scharfe Klingen gegen sich selbst richten? Kann er nach der Streichung der Hälfte seiner Fahrzeugmodelle wirklich wieder in den Rhythmus zurückfinden und im Wettbewerb um intelligente und elektrifizierte Mobilität wettbewerbsfähig bleiben?

Meiner Meinung nach liegt die aktuelle Krise von Volkswagen ganz offensichtlich in einem Bruch zwischen seinem organisatorischen Erbe aus dem Industriezeitalter und den Geschwindigkeitsanforderungen des digitalen Zeitalters.

Der Restrukturierungsplan von 2026 ist tatsächlich ein Ausbruch, der gemeinsam durch den Druck des Kapitalmarkts und die Pattsituation in der internen Unternehmensführung erzwungen wurde. Ob er wieder mit dem Tempo der Zeit Schritt halten kann, hängt nicht davon ab, wie viele Modelle gestrichen werden – der entscheidende Punkt ist, ob das Unternehmen den Mut hat, einen wichtigen Wandel vom Hardware-Montagebetrieb zum Software-definierten Systemintegrator zu vollziehen.

Anhand der bisher veröffentlichten Signale sieht die Perspektive dieses Wandels jedoch nicht optimistisch aus.

Die Reform, die durch den Aktienkurs „erzwungen“ wurde

Viele schreiben die Krise von Volkswagen in erster Linie dem rückläufigen Absatz auf dem chinesischen Markt oder der schwachen Nachfrage in Europa zu.

Das ist zu naiv und zu einseitig.

Ich glaube, diese Faktoren sind eher der Zünder, der die Probleme auslöst, nicht aber die tief verborgenen strukturellen Ursachen.

Aus Sicht des Finanzmarktes betrachtet befindet sich Volkswagen eigentlich schon lange in einer Situation der langfristigen Ablehnung – erst diese Leistungswarnung hat den Druck endgültig an die Schwelle getrieben.

Betrachtet man die Kursentwicklung der Volkswagen-Aktie, so ist die Haltung der Investoren extrem zurückhaltend.

Anhand der Daten rund um Juli 2026 hat sich der Aktienkurs des Unternehmens wieder auf das Niveau vom Sommer 2010 zurückgebildet. Seit Jahresbeginn ist er um mehr als 30 % gefallen, und die gesamte Marktkapitalisierung des Unternehmens schrumpfte auf rund 38,6 Milliarden Euro.

Was bedeutet diese Zahl?

Die Marktkapitalisierung von Toyota ist etwa fünfmal so hoch wie die von Volkswagen. Sogar das chinesische Unternehmen für neue Energiefahrzeuge BYD hat Volkswagen in seiner Marktkapitalisierung längst hinter sich gelassen. Ist es nicht klar, dass der Kapitalmarkt einem riesigen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 250 Milliarden Euro eine so niedrige Bewertung zuweist? Die meisten Investoren erkennen nicht an, dass das aktuelle Geschäftsmodell des Unternehmens das zukünftige Gewinnwachstum stützen kann.

Im Finanzwesen ist der Aktienkurs keine einfache Abbildung des laufenden Absatzes, sondern die Diskontierung aller erwarteten zukünftigen Cashflows durch den Markt.

Wenn ein Automobilhersteller zwar viele Autos verkaufen kann, aber nicht das Potenzial zur Monetarisierung in Bereichen wie Software-Ökosystemen, autonomen Fahrdiensten und Energiegeschäften aufzeigen kann, fehlt ihm in den Augen der Investoren der Wert eines sogenannten „Call-Options“.

Hinter den hohen Bewertungen von Unternehmen wie Tesla und BYD stehen nicht nur die aktuellen Verkaufszahlen, sondern auch das Vertrauen des Marktes, dass diese Unternehmen in Zukunft kontinuierliche und hochmargige Einnahmen durch Abonnements für intelligentes Fahren, Fahrzeug-App-Ökosysteme und den Export von Batterietechnologie erzielen können. Der Einbruch der Bewertung von Volkswagen zeigt, dass der gesamte Kapitalmarkt kaum noch einen Aufschlag für seine zukünftigen Möglichkeiten zahlt.

Diese „gewinnorientierten“ Leute sind der Meinung, dass das Unternehmen noch in der alten Welt lebt, in der Hardware einmalig gekauft wird.

Diese langfristige Schwäche auf der Ebene der finanziellen Bewertung übt einen Druck auf die Großaktionäre aus, der immer unerträglicher wird. Ein großer Teil des Vermögens der Familie Porsche-Piëch ist eng an den Volkswagen-Aktienkurs gebunden, und die finanziellen Interessen der Landesregierung Niedersachsens hängen ebenfalls von der Stabilität und Wertsteigerung der Aktien ab. Wenn der Aktienkurs um mehr als 30 % gegenüber Jahresbeginn fällt und das Vermögen der Aktionäre innerhalb weniger Monate um Hunderte von Milliarden Euro schrumpft, müssen selbst die stärksten politischen Beziehungen und die tiefsten Verbundenheiten zur Gewerkschaft der finanziellen Realität weichen.

Das heißt, der radikale Schlankheitsplan, der 2026 beschleunigt umgesetzt wird, hat seine erste Antriebskraft nicht in der strategischen Weitsicht des Vorstandsvorsitzenden – er wird tatsächlich synchron von der Bilanz und dem Marktwert des Eigenkapitals angetrieben.

Erst die fortwährende Ablehnung durch den Kapitalmarkt zwingt die Unternehmensleitung, in kurzer Zeit ein wirkungsvolles Kostensenkungskonzept vorzulegen, um der Außenwelt zu beweisen, dass das Unternehmen in der Lage ist, seine Gewinnuntergrenze zu wahren.

Vor diesem Hintergrund ist die Logik, die Hälfte der Modelle zu streichen und die Produktionskapazität auf 9 Millionen Einheiten zu senken, sehr direkt.

Über viele Jahre hinweg unterhielt Volkswagen eine extrem breite Produktpalette: von Einsteiger-Kleinwagen bis zu ultra-luxuriösen Sportwagen, von traditionellen Verbrennerfahrzeugen bis zu verschiedenen abgeleiteten Elektrofahrzeugen – im gesamten Konzern waren etwa 150 Modellreihen gleichzeitig im Verkauf.

Diese Vielfalt konnte zwar in Zeiten des Marktbooms verschiedene Verbrauchergruppen maximal abdecken, aber heute, in einer Phase mit verlangsamtem Wachstum und stetig steigenden Entwicklungskosten, verwandelt sie sich in eine schwere Belastung für den Ressourcenverbrauch.

Besonders auf dem chinesischen Markt sank der Absatz von Volkswagen im ersten Quartal 2026 um 20 % im Vergleich zum Vorjahr. Das drückte den Gesamtgewinn des Konzerns direkt um 28 % auf 1,6 Milliarden Euro. Wenn der größte Gewinntriebwerk ins Stocken gerät, verwandeln sich die ineffizienten Modelle innerhalb der Produktpalette schnell von „tolerierbarer Vielfalt“ in „unerträgliche Kostenlücken“.

Die Entscheidung, massenhaft Modelle zu streichen, ist in diesem Moment eher eine Notfallmaßnahme zum sofortigen Stoppen der Blutung als eine aktive strategische Optimierung.

Zerbrechliche Software-Grundlage: Die Realität hinter den Modellkürzungen

Aus der Nachrichtensicht betrachtet ist die Kürzung der Hälfte der Modelle und die Reduzierung der Ausstattungskomplexität um 75 % eine Standardpraxis für produzierende Unternehmen, um Kosten zu kontrollieren und sich auf hochmargige Marktsegmente zu konzentrieren.

Aus technischer Sicht zeigt sich jedoch eine peinlichere interne Realität hinter der drastischen Verkleinerung des Produktportfolios von Volkswagen: Sein Softwaresystem kann die einst stolz gemanagte vielfältige Produktpalette gar nicht effektiv unterstützen.

In den vergangenen Jahrzehnten bestand das elektronische System traditioneller Autos im Wesentlichen aus Dutzenden oder sogar Hunderten unabhängiger Steuergeräten, von denen jedes für eine spezielle Funktion zuständig war – etwa für das Heben und Senken von Fenstern, das Motormanagement oder die Lichtsteuerung. Diese Steuergeräte stammen von verschiedenen Lieferanten, laufen auf jeweils eigener Software und erfordern kaum Kommunikation untereinander. Die Kernaufgabe des Herstellers lag in der Hardware-Integration und der Qualitätskontrolle.

Die neue Architektur des Zeitalters intelligenter Elektroautos hingegen konzentriert sich auf wenige oder sogar eine zentrale Rechenplattform, über die alle elektronischen Komponenten des Fahrzeugs durch Bereichssteuergeräte verbunden werden.

Diese zentralisierte Architektur ermöglicht die stetige Weiterentwicklung der Fahrzeugfunktionen durch Fernaktualisierung, genau wie die Systemaktualisierung bei einem Smartphone.

Gerade aufgrund dieser Fähigkeit konnten Tesla und eine Reihe chinesischer Hersteller von neuen Energiefahrzeugen ständig neue Funktionen für das assistierte Fahren, neue Interaktionserfahrungen und Anwendungsdienste einführen.

Volkswagen erkannte diesen Trend bereits vor einigen Jahren und gründete eigens die Software-Tochter CARIAD. Außerdem plante es die erweiterbare Systemplattform SSP für zukünftige Modelle, um die elektronische Architektur aller Marken des Konzerns zu vereinheitlichen.

Nach dem ursprünglichen Zeitplan sollte die SSP 2026 in die Serienproduktion gehen und die digitale Grundlage für die nachfolgenden Massenmodelle bilden.

Allerdings zeigen Berichte aus ausländischen Medien, dass die SSP-Plattform aufgrund von Engpässen bei der Software-Integration auf 2027 oder sogar 2028 verschoben wurde, bevor sie in den oberen Audi-Modellen eingesetzt werden kann. Die Kernmodelle der Marke Volkswagen sollen erst 2029 folgen.

Das führt direkt zu einer schwerwiegenden Folge: Schlüsselmodele, die den zukünftigen Umsatz stützen sollen – wie die vollelektrische Version des Golfs – mussten verschoben werden und können nicht wie geplant auf den Markt kommen. Dadurch ist das Unternehmen gezwungen, sich weiterhin auf die gealterten bestehenden Plattformen zu verlassen, um gegen Konkurrenten anzutreten.

Darüber hinaus kündigten Volkswagen und Bosch 2022 großspurig an, gemeinsam Technologien für das autonome Fahren mit einem Investitionsvolumen von bis zu 1,5 Milliarden Euro zu entwickeln. Untersuchungen deutscher Medien belegen jedoch, dass dieses Projekt 2026 kurz vor dem Stillstand steht – Volkswagen sucht nach neuen Partnern.

Die Auflösung eines so kostspieligen Technologieverbunds spiegelt die enorme Kluft zwischen den Softwareentwicklungszielen des Unternehmens und den realen Ergebnissen wider.

Wenn das interne technische Fortschrittstempo die Erwartungen lange nicht erfüllen kann, wird die Fortführung einer breiten Modellpalette und vielfältiger Ausstattungsoptionen zu einer Katastrophe. Denn jede Ausstattungskombination jedes Modells erfordert Tests, Anpassungen und spätere Wartungsarbeiten auf seiner elektronischen Architektur.

Begrenzt man die Softwarekapazität, steigt mit der Anzahl der Modelle und der Komplexität der Ausstattungen das Risiko von Verzögerungen und Fehlern.

Das, was die Öffentlichkeit als „Streichung der Hälfte der Modelle“ sieht, ist also nur der sichtbare Teil des Eisbergs.

Die härtere Logik unter der Oberfläche ist, dass das Softwareteam von Volkswagen die riesige Produktpalette, die aus dem Industriezeitalter übrig geblieben ist, nicht mehr tragen kann. Die Reduzierung der Vielfalt in der physischen Welt dient im Wesentlichen dazu, dem sich langsam entwickelnden „digitalen Gehirn“ des Unternehmens Last abzunehmen.

Eine Ingenieurskultur, die Präzision, einmalige Fertigstellung und streng lineare Abläufe verfolgt, stößt bei der Entwicklung digitaler Produkte, die schnelle Fehlerkorrekturen, datengesteuerte Prozesse und die iterative Trennung von Hardware und Software erfordern, auf erhebliche Passungsprobleme.

Die aktuelle Restrukturierung macht diese technische Unvereinbarkeit direkt sichtbar, indem sie das Produktportfolio verkleinert.

Das zeigt: Das grundlegende Problem von Volkswagen ist nicht die zu große Anzahl an Modellen – sondern dass das Tempo, mit dem es eine intelligente digitale Plattform aufbaut, bei weitem nicht ausreicht, um das ursprüngliche Geschäftsumfang zu stützen.

Nach der Blutstillung: Wie weit ist die Erneuerung?

Neben den Dimensionen der finanziellen Bewertung und der Softwarefähigkeit gibt es noch ein ebenso heikles Problem in der Krise von Volkswagen: Seine einzigartige Unternehmensstruktur verbraucht das Tempo des Wandels erheblich.

Diese institutionellen Reibungen bestimmen, ob das Unternehmen nach der Blutstillung die Chance bekommt, wirklich neue Vitalität zu erlangen.

Im Gegensatz zu anderen globalen Automobilherstellern arbeitet Volkswagen auf der Ebene der Entscheidungsfindung seit langem mit einem System der Mitbestimmung.

Die Hälfte der Sitze im Aufsichtsrat wird von Arbeitnehmervertretern besetzt, die Landesregierung Niedersachsen hält 20 % der Stimmrechte und verfügt über ein Vetorecht bei wichtigen Angelegenheiten. Diese Regelung war einst ein Paradebeispiel für die soziale Marktwirtschaft in Deutschland und sorgte für starke interne Solidarität bei der stabilen Expansion von Volkswagen nach dem Krieg.

Wenn der Wandel jedoch schnelle Kostensenkungen, Werksschließungen und die Umstrukturierung von Entwicklerteams erfordert, verwandelt sich dieses auf Konsens ausgerichtete System in einen massiven internen Widerstand.

Die Aufsichtsratssitzung im Juli 2026 hat diesen Widerspruch deutlich gezeigt: Der Plan der Unternehmensleitung, vier deutsche Werke zu schließen und 100.000 Arbeitsplätze abzubauen, wurde wegen des starken Widerstands der Gewerkschaft nicht genehmigt.

Die IG Metall hat sogar durch den Rücktritt eines Vertreters der Arbeitgeberseite vorübergehend zehn Stimmen im Aufsichtsrat – eine relative Mehrheit, die es ihr ermöglicht, Vorschläge der Unternehmensleitung technisch zu blockieren.

Es gibt historische Beispiele: Von Bernd Pischetsrieder bis Herbert Diess haben mehrere Vorstandsvorsitzende wegen der energischen Durchführung von Reformen heftige Konflikte mit der Gewerkschaft erlebt und sind schließlich enttäuscht abgetreten.

Der derzeit veröffentlichte Plan zur massiven Kürzung von Modellen und Produktionskapazitäten ist daher in gewisser Weise eine politische Umgehungsstrategie. Er berührt nicht direkt das empfindlichste Zündkabel – die „Schließung deutscher Werke“ – sondern reduziert schrittweise die überschüssige Produktionskapazität durch die Verkleinerung des Produktportfolios, die Vereinfachung der Ausstattungskomplexität und die Senkung der Produktionsziele.

Sobald die Auslastung einiger Werke aufgrund fehlender neuer Modelle dauerhaft sinkt, könnte die Schließung dieser Werke auf „natürliche Weise“ auf die Tagesordnung kommen, statt in einer heftigen Konfrontation plötzlich ausgelöst zu werden. Dieses schneckentempoartige, schrittweise Vorgehen ist politisch klug, aber im Wettbewerb auf dem Markt tödlich.

Während chinesische Konkurrenten neue Elektrofahrzeuge in einem Zyklus von 12 Monaten oder sogar kürzer auf den Markt bringen, muss Volkswagen intern enorme Anstrengungen unternehmen, um alle Beteiligten zu einem Kompromiss zu bewegen.

Ein solcher Geschwindigkeitsunterschied ist für kein Unternehmen langfristig erträglich.

Um die Lücke in seinen Softwarefähigkeiten zu schließen, hat Volkswagen sich entschieden, externe Partner zu nutzen.

Das Joint Venture mit Rivian bedeutet, dass einige zukünftige Modelle von Audi und Porsche die elektronische Architektur und den Software-Stack des US-Startups nutzen. Die Zusammenarbeit mit Qualcomm auf der Snapdragon-Plattform erstreckt sich auf neue Modelle der Marke Volkswagen wie den ID.EVERY1.

Externe Beschaffung und gemeinsame Entwicklung können Fun