Fünf Bücher: Wie Technologiekonzerne mit ihrem Reichtum die Politik beeinflussen
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- Die modernen Technologiegiganten haben längst die Rolle des "Spielteilnehmers" im Geschäftsleben überwunden und sind stattdessen zu "Spielregelverfassern" geworden, die tief in politische Entscheidungen und die gesellschaftliche Ordnung eingebunden sind. Die Frage, wie Reichtum in Macht umgewandelt wird, ist der Schlüssel, um die gegenwärtigen Probleme der Demokratie und der Regierungsführung zu verstehen.
- Fünf neue englische Bücher bieten verschiedene Perspektiven: Von der "bewaffneten Philanthropie" der Koch-Brüder und ihrer ideologischen Kampagnen bis hin zur von Shoshana Zuboff vorgeschlagenen "Surveillance Capitalism" und dem von Ulises A. Mejias und Nick Couldry skizzierten "Vier-X-Modell des Datenkolonialismus" werden die subtilen Spannungen zwischen Kapital, Technologie und Macht dargestellt.
- Alexander Karp, CEO von Palantir, ruft in "The Technological Republic" die Silicon Valley auf, ihren Sinn für Mission wiederzufinden. Der "Washington Post"-Reporter Faiz Siddiqui analysiert in "Hubris Maximus" die Aufstiegslogik von Elon Musk anhand einer Reihe von Konflikten zwischen Tesla, der SEC und der Plattform X. In den Lücken des Systems expandiert Kapital natürlich zur Souveränität.
Große Unternehmen, repräsentiert durch verschiedene Technologiegiganten, scheinen auf den ersten Blick Symbole von Innovation und Effizienz zu sein. Doch die enorme Macht, die mit ihrem Reichtum verbunden ist, hat ihre Rolle längst über die eines "Spielteilnehmers" im Geschäftsleben hinaus erweitert. Sie sind stattdessen "Spielregelverfasser", die tief in politische Entscheidungen und die gesellschaftliche Ordnung eingebunden sind. Die Frage, wie Reichtum in Macht umgewandelt wird, ist der Schlüssel, um die gegenwärtigen Probleme der Demokratie und der Regierungsführung zu verstehen. Die folgenden fünf Bücher werden aus verschiedenen Perspektiven aufzeigen, wie Technologiegiganten ihren Reichtum nutzen, um die Politik zu beeinflussen. Dadurch können wir möglicherweise tiefer in die subtilen Spannungen zwischen Kapital, Technologie und Macht eintauchen.
■ "Dark Money: The Hidden History of the Billionaires Behind the Rise of the Radical Right"
Dark Money: Die verborgene Geschichte der Milliardäre hinter dem Aufstieg der Radikalen Rechten
Autor: Jane Mayer
Verlag: Knopf Doubleday Publishing Group
Bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 beliefen sich die Gesamtausgaben auf rund 6,8 Milliarden US-Dollar, fast doppelt so viel wie 2012. Etwa 1 Milliarde US-Dollar stammten von einigen mysteriösen Superreichen. Diese "Geldgebergruppe der Republikaner" umfasste: den Las Vegas Casinoskonzern-Scheich Sheldon Adelson, einer der großzügigsten Förderer republikanischer Kandidaten; den Hedgefondsmanager Robert Mercer, der durch die Unterstützung von Cambridge Analytica und Breitbart News extreme rechte Ansichten in die öffentliche Meinung einbrachte; und den Investmentmilliardär Foster Friess, der lange Zeit religiös-konservative Agenda unterstützt hat. Und der "Gruppenadmin" an der Spitze war der Bruder Charles und David Koch. In "Dark Money" enthüllt die erfahrene "New Yorker"-Reporterin Jane Mayer mit detaillierten Untersuchungsdaten, wie diese Superreichen die amerikanische politische Landschaft tiefgreifend geprägt haben.
Das Buch zeigt, wie die Koch-Brüder von ihrer familiären Energieunternehmen ausgehend die von ihren Vätern hinterlassenen Pipeline- und Raffinerieanlagen zu einem riesigen Unternehmenskonzern erweiterten, der Öl, Kohle, Holz, Chemie, Rohstoffe und andere Bereiche umfasst - "Koch Industries". Dieser Konzern war einst das zweitgrößte private Unternehmen in den USA. Gleichzeitig bauten sie ein politisches System auf, das aus Thinktanks, Stiftungen, Lobbyorganisationen und Volksgruppen bestand und ineinander verschachtelt und sich gegenseitig stützte. Dieses System gab ihnen die enorme Macht, die öffentliche Meinung zu formen und Politik zu beeinflussen. Aus diesem Grund sind sie eher als "politische Ingenieure" zu betrachten, die mit Reichtum als Waffe bestrebt sind, die amerikanische politische Struktur neu zu gestalten, als als Unternehmer.
Der eindrucksvollste Teil des Buches ist die Analyse der politischen Ideen und Praktiken der Koch-Brüder. Seit den 1980er Jahren, beeinflusst von den Ideen des Ökonomen Friedrich Hayek, sind sie überzeugt, dass die spontane Regulierung des Marktes jeder staatlichen Regulierung überlegen ist. Um diese Idee zu fördern, haben sie eine große Menge Geld in zahlreiche gemeinnützige Organisationen investiert. Diese Organisationen geben sich scheinbar als "unabhängige Thinktanks" oder "Bürgergruppen" aus, haben aber in Wirklichkeit eine starke ideologische Ausrichtung. Von "Citizens for a Sound Economy" bis hin zu "Americans for Prosperity" fördern diese Institutionen seit langem die Ideen der Anti-Regulierung und der Anti-Steuerung. Mayer weist scharf darauf hin, dass dies eine langfristige "ideologische Schlacht" ist, deren Ziel nicht nur die Beeinflussung bestimmter Gesetze ist, sondern auch die schrittweise Schwächung des Vertrauens der Öffentlichkeit in staatliche Eingriffe, um das Land fest unter die Herrschaft des freien Marktes zu stellen.
Interessanterweise beschränkt Mayer ihren Blick nicht auf die Koch-Brüder, sondern geht bis in die Zeit der Rockefeller zurück, um die andere Seite der "Philanthropie" aufzuzeigen. Seit den 1920er Jahren haben Stiftungen und steuerbefreite Spenden sich allmählich zu einem geheimen Werkzeug der Kapitalisten zur Manipulation der öffentlichen Politik entwickelt. Diese "bewaffnete Philanthropie" ist sowohl ein raffiniertes Steuerumgehungsmittel als auch ein politischer Hebel zur Beeinflussung der gesellschaftlichen Richtung. In der Generation der Koch-Brüder ist Philanthropie und Gemeinnützigkeit zu einem wichtigen Werkzeug geworden, um die öffentliche Meinung zu formen, Politik zu beeinflussen und sogar die gesellschaftliche Struktur zu verändern.
Naturgemäß hat das Buch "Dark Money" auch einige Kritik auf sich gezogen. Einige Kritiker argumentieren beispielsweise, dass Mayer sich auf die Geldgeber der Republikaner konzentriert und die Tatsache ignoriert, dass auch die Demokraten von Geldgebern abhängig sind. Doch für chinesische Leser vermindert dies nicht den Wert von "Dark Money": Einerseits enthüllt es uns die politischen Ambitionen und Betriebsmethoden der Koch-Brüder; andererseits warnt es uns, dass die Grundlagen der Demokratie allmählich ausgehöhlt werden, wenn Kapital unerbittlich in die Politik eindringt.
■ "The Age of Surveillance Capitalism: The Fight for a Human Future at the New Frontier of Power"
Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus: Der Kampf um die menschliche Zukunft an der neuen Machtgrenze
Autor: Shoshana Zuboff
Verlag: PublicAffairs
In ihrem Buch "The Age of Surveillance Capitalism" geht die emeritierte Harvard Business School-Professorin Shoshana Zuboff auf ein zentrales Problem der Gegenwart ein: In einer Zeit, in der Big Data und Algorithmen alles durchdringen, wie bauen Technologiegiganten eine neue Wirtschaftsform - den "Überwachungskapitalismus" - auf, indem sie persönliche Verhaltensdaten erfassen, analysieren und verkaufen? Diese Form basiert nicht mehr auf der Ausbeutung von Natur und Arbeitskraft wie in der industriellen Ära, sondern auf der Vorhersage menschlichen Verhaltens. Sie wandelt die alltäglichen Gewohnheiten und Entscheidungen der Menschen in handelbare Waren um. Der Wert dieses Buches liegt darin, dass es durch detaillierte Fallstudien aufzeigt, wie diese verborgene Ausbeutung in das tägliche Leben jedes Einzelnen eindringt.
Zuboff führt zunächst das Beispiel des Unternehmens Apple an. Wie bekannt ist, hat Apple sich durch die Erzählung von "Konsumentenwahl" über lange Zeit ein Image als erstklassige Marke aufgebaut. Doch Zuboff weist scharf darauf hin, dass hinter dieser sogenannten "Wahl" eine tiefe Verfolgung und Nutzung der Verhaltensdaten der Nutzer steckt. Vom App Store bis hin zu iCloud sammelt Apple ständig riesige Datenmengen und wandelt diese in präzise Empfehlungen und Werbeeinnahmen um. Selbst wenn Apple "Datenschutz vorrangig" als Propagandakopfzeichen verwendet, basiert seine Geschäftslogik dennoch auf der möglichst umfangreichen Erfassung von Daten. Dies zeigt uns, dass selbst Unternehmen, die darauf bestehen, den Datenschutz zu schützen, in Wirklichkeit möglicherweise die Logik des Überwachungskapitalismus ständig stärken.
Apple ist kein Einzelfall. Zuboff geht noch tiefer in die Analyse von Google und Facebook ein. Sie weist darauf hin, dass diese Plattformgiganten durch die Monopolisierung der Informationskanäle fast die öffentliche Wahrnehmung neu geformt haben. Geschlossener Quellcode und hohe Patentschranken lassen es der Außenwelt unmöglich, ihre algorithmischen Blackboxen zu überprüfen. Der Erwerb von Schlüsselunternehmen wie YouTube, Android, Instagram und WhatsApp hat ihre Nutzerbasis und ihre Informationsherrschaft erweitert. Um diese Undurchsichtigkeit aufrechtzuerhalten, kontrollieren sie den Informationsfluss durch Vertraulichkeitsvereinbarungen und vertikale Integration. Gleichzeitig fördern sie die akademische Welt mit einer großen Menge Geld und Stellen, rekrutieren Spitzenwissenschaftler mit hohen Gehältern, kontrollieren die neuesten Forschungsergebnisse und beeinflussen die zukünftige akademische Richtung, was die Konzentration von Wissen und Ressourcen verstärkt. Insbesondere ist zu beachten, dass viele CEOs ihrer Unternehmen einen hohen Anteil an Aktien halten und daher die Unternehmensstrategie nach eigenem Willen bestimmen können, was es fast unmöglich macht, diese Unternehmen von außen zu kontrollieren. In dieser Situation ist es für die Öffentlichkeit und die Regierung schwer, diese Unternehmen effektiv einzuschränken.
Darüber hinaus enthüllt Zuboff die zwiespältige Beziehung zwischen der amerikanischen Regierung und den Unternehmen. Sie weist darauf hin, dass im Kontext des "Kriegs gegen den Terror" die US-amerikanische National Security Agency und die Central Intelligence Agency enorme Gelder in die Entwicklung von Überwachungstechnologien investiert haben und die Massendatenerfassung normalisiert haben. Dies hat es den Technologieunternehmen ermöglicht, einerseits starke technische Unterstützung zu erhalten und andererseits ein lockeres Regulierungsumfeld zu genießen. So sind öffentliche Macht und privates Kapital miteinander verflochten und haben gemeinsam die Ausweitung des auf Daten gegründeten Überwachungskapitalismus vorangetrieben.
"The Age of Surveillance Capitalism" bietet keine praktikablen Strategien und Lösungen gegen den Überwachungskapitalismus, aber es mahnt uns dazu, zu beachten: Wie wird die Machtstruktur der modernen Gesellschaft auf eine Weise neu geformt, die wir uns nicht bewusst sind? Wir können uns auch fragen: In einer Welt, in der jeder Schritt aufgezeichnet, analysiert und vorhergesagt wird, wie viel Freiheit und Autonomie kann ein Individuum noch haben?
■ "Data Grab: The New Colonialism of Big Tech and How to Fight Back"
Datenraub: Der neue Kolonialismus der Tech-Giganten und wie man dagegen vorgehen kann
Autoren: Ulises A. Mejias und Nick Couldry
Verlag: University of Chicago Press
Vor Jahrhunderten hat der Kolonialismus durch Gewalt und institutionelle Ausbeutung Landraub betrieben und eine Weltordnung aufgebaut, die die Ressourcenverteilung neu organisierte. Heute baut der Datenraub durch die allgegenwärtige Erfassung und Nutzung persönlicher Informationen eine neue gesellschaftliche Ordnung auf, die es wenigen Unternehmen und Ländern ermöglicht, die Macht und die großen Gewinne zu erlangen, während die Masse gezwungen ist, als Datenlieferanten und Ausbeutete zu fungieren. In ihrem Buch "Data Grab: The New Colonialism of Big Tech and How to Fight Back" setzen Ulises A. Mejias und Nick Couldry die "Daten" in den großen narrativen Rahmen des Kolonialismus und enthüllen die verborgene Machtlogik der digitalen Ära. Mejias ist derzeit Professor für Kommunikationswissenschaft an der State University of New York in Oswego, während Couldry Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaft an der London School of Economics ist.
Die beiden Autoren beschreiben zunächst anhand des Landraubs in Süd-Rhodesien (heute Simbabwe) Ende des 19. Jahrhunderts die beiden Hauptmerkmale des Kolonialismus: Erstens ist es ein globaler Prozess; zweitens bringt es einerseits Entzug und Ungerechtigkeit mit sich und hinterlässt andererseits langfristige Auswirkungen. Anschließend kritisieren sie die übliche Annahme, dass der Kolonialismus eine historische Erscheinung sei, und argumentieren, dass der heutige Datenraub die Fortsetzung des damaligen Landraubs ist - er organisiert die Ressourcen neu, exploiert die Masse und konzentriert die Chancen auf wenige Personen. In diesem Rahmen ist es am wertvollsten, das "Vier-X-Modell" der historischen Kolonialexpansion zu nutzen, um zu analysieren, wie der Datenkolonialismus voranschreitet:
(1) Erkundung (X-plore): Das "neue Land" der Datenzeit ist nicht eine geografische Region, sondern der menschliche Körper und das alltägliche Verhalten. Der Herzschlag der Nutzer, das Tippenrhythmus und die Liedlisten, die man in der Nacht zum Entspannen von depressiven Gefühlen abspielt, werden von Algorithmen als Rohressourcen betrachtet, die erforscht und entwickelt werden können.
(2) Expansion (X-pand): Plattformunternehmen dringen wie koloniale Imperien in die Lebensmittelversorgung ein und verpacken "sofortige Befriedigung" als unverzichtbare Luft der modernen Zivilisation. Sobald eine Abhängigkeit entsteht, werden die Nutzer in das Dienstleistungssystem festgelegt und zahlen ständig für Upgrades.
(3) Ausbeutung (X-ploit): Genauso wie die Kolonialisten Zucker aus Zuckerrohr machten, wandeln Plattformen die Selbstaufnahmen und Interaktionen der Nutzer in Kapital um. Soziale Medien manipulieren nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern auch die Emotionen, indem sie beispielsweise mit massiven Daten extremen Inhalt verbreiten und Spaltung und Gewalt schaffen.
(4) Vernichtung (X-terminate): Unter der algorithmischen Logik der Technologiegiganten können traditionelle Branchen und kleine Unternehmen nur eine einzige Zukunft haben: die Vernichtung. Taxifahrer werden durch Autofahren ersetzt, kleine und mittlere Unternehmen sterben ab, weil sie keine Fähigkeit zur Datenplatzierung haben. Dieser Mechanismus ist identisch mit der Zerstörung von Industrien in der Kolonialzeit.
Darüber hinaus ist die Entmystifizierung der mythischen Rhetorik der Technologiegiganten in diesem Buch sehr wertvoll. Beispielsweise behaupten die Technologiegiganten gerne, dass sie den Nutzern "Zeit sparen" und "Effizienz steigern" können. Doch hinter diesem Effizienzmythos verbirgt sich die Erosion der Privatsphäre der Nutzer und das Opfer der Gesundheit der Arbeiter, ähnlich wie die Kolonialisten die Ausbeutung und den Raub mit der "Verschleppung der Zivilisation" verhüllen. Oder sie behaupten, dass soziale Medien die Welt in null Entfernung verbinden können, aber sie erwähnen absichtlich nicht, dass diese Verbindung in der Realität die politische Polarisierung beschleunigt und Hassrede verbreitet, was zu sozialen Konflikten und Spaltungen führt. Darüber hinaus analysiert das Buch, wie die "Kolonialschicht" von GAFAM (Google, Amazon, Facebook, Apple, Microsoft) eng mit den nationalen Interessen verbunden ist und die Entstehung des "Algorithmus-Staats" vorantreibt, um das gesamte Ausbeutungssystem aufrechtzuerhalten. Diese Analyse kann mit der Argumentation in "The Age of Surveillance Capitalism" einander bestätigen.
Im Vergleich zu "The Age of Surveillance Capitalism" liegt der Vorteil dieses