Es ist keine Abenteuer, sondern Struktur: Die Patentlogik von Lijin's Klage gegen Samsung
Das Ende dieses Rechtsstreits mag noch ungewiss sein, aber das Spiel an sich ist bereits in die Industriegeschichte von China im Bereich von Micro-LED eingegangen.
Im Januar 2026 nahm das Nanjinger Oberstes Gericht eine eher unbedeutende, aber äußerst symbolische Patentklage an.
Der Kläger ist ein junges chinesisches Unternehmen, das erst seit fünf Jahren besteht – Ligolden Semiconductor. Der Beklagte ist einer der Regulierer der globalen Anzeigetechnologiebranche – Samsung Electronics.
Ligolden hat keine Patente für Randverbesserungen angegriffen, sondern die Basis-Chips und die Leuchtstruktur von Micro-LED.
Dies ist kein „Rechtschutzausbruch“, sondern ein offener Konflikt um die Macht im Bereich der nächsten Generation der Anzeigetechnologie.
I. Aufstrebende Macht vs. Branchenriese: Ein scheinbar asymmetrisches Spiel
Anscheinend ist dies ein typisches „Kleines gegen Großes“. Ein lokales neues Unternehmen klagt den Anzeigetechnologieriesen Samsung, der über 20.000 Patente verfügt.
Aber wenn man nur die Größenunterschiede sieht, wird man die wahre Natur dieses Falls fehlurteilen.
Die beiden Patente, die Ligolden in diesem Fall geltend macht, betreffen direkt die vertikale Chipstruktur und die Leuchtstruktur von Micro-LED. Dies sind keine peripheren Anwendungen, sondern Basisarchitekturtechnologien, die die Ausbeute, Helligkeit und die Massenproduktionsmöglichkeit bestimmen.
Mit anderen Worten, Ligolden berührt nicht die Äste von Samsungs „Patentenwald“, sondern versucht, einen unübersehbaren Patentpfahl in die Grundschicht der nächsten Generation der Anzeigetechnologie zu setzen.
II. Samsungs Patentstrategie: Erfahren, aber nicht unangreifbar
Als langjähriger Regulierer der Anzeigetechnologiebranche hat Samsung eine äußerst ausgereifte Patentklagestrategie, die hauptsächlich zwei typische Wege aufweist:
Erstens, strategische Einigung: Wenn die Grenzkosten des Rechtsstreits höher sind als die kommerziellen Gewinne, setzt sich Samsung nicht darauf, „bis zum Ende zu kämpfen“.
Beispielsweise zahlte Samsung 2023 Nanoco 150 Millionen US-Dollar, um den Quantum-Dot-Patentrechtsstreit zu beenden, und schloss 2025 eine globale Einigung mit BOE ab, um Marktstabilität durch gegenseitige Lizenzen zu erreichen.
Zweitens, Gegenwehr durch Patentanfechtung: Durch Verfahren wie die PTAB und das nationale Amt für geistiges Eigentum wird die Gültigkeit des Patents des Gegners systematisch in Frage gestellt. Dies ist auch das größte Risiko, das Ligolden in diesem Fall direkt zu begegnen hat.
III. Ligoldens Zuversicht: Nicht ein „Roulett-Spiel“, sondern eine vorausschauende Patentstruktur
Ligolden hat den Mut, Samsung zu verklagen, nicht wegen des Mut allein, sondern wegen seiner Patentstruktur.
Ihre Patentstrategie basiert nicht auf einem einzigen Weg, sondern auf einem typischen Zwei-Säulen-Modell von „Akquisition + Eigenentwicklung“. Einerseits hat es durch die Akquisition von fast 10.000 Optoelektronikpatenten von LG Innotek schnell die Lücken in den Schlüsselmaterialien und -prozessen wie GaN und GaAs geschlossen. Andererseits hat es seit 2024 kontinuierlich in die Kerntechnologien von Micro-LED investiert, und die eigenentwickelten Patente konzentrieren sich stark auf die Schlüsselproblemzonen.
Bis jetzt hat Ligolden in China bereits 712 veröffentlichte Patente und weltweit über 4.150 lizenzierte Patente. Dies ist ein Patentportfolio, das ausreicht, um aktiv seinen geistigen Eigentumsrecht zu schützen, und nicht nur eine „Einschlagattacke“.
IV. Dies ist kein Fall von Patentverletzung, sondern ein Kampf um die Macht in der Technologieausrichtung
Wenn man beide Parteien in dasselbe Koordinatensystem setzt, wird man ein kontrastierendes Bild mit zeittypischen Merkmalen feststellen:
Samsung verfügt über eine riesige Anzahl von Patenten, die die etablierte Anzeigetechnologie abdecken. Es hat reiche Erfahrung in der gesamten Wertschöpfungskette und eine starke SEP-Patentreserve.
Ligolden hat zwar eine relativ begrenzte Patentanzahl, aber es konzentriert sich stark auf den aufstrebenden Micro-LED-Sektor. Seine Kernpatente bilden eine geschlossene Schleife, und die Technologieausrichtung ist klar definiert.
Dies bestimmt die Natur dieses Falls: Es geht nicht darum, wer welchen Patent verletzt und wie viel Schadenersatz zu zahlen hat, sondern darum, wer an der Definition der Technologieausrichtung der nächsten Generation der Anzeigetechnologie teilnehmen kann.
V. Ligolden will weit mehr als nur einen Sieg im Prozess
1. Technologische Rechtssicherheit
In der Zeit, in der die Micro-LED-Standards noch nicht endgültig festgelegt sind, ist die Sicherstellung der Stabilität der Kernpatente durch ein gerichtliches Verfahren die Vorraussetzung, um an den Tisch der Standardisierung zu gelangen.
2. Markteintrittsstrategie
Ob es sich um eine Verkaufsverbotserklärung oder um Lizenzgebührenverhandlungen handelt, im Kern geht es darum, die bestehende technologische Blockade zu brechen und dem SiMiP-Ansatz einen Platz auf dem High-End-Anzeigemarkt zu verschaffen.
3. Ökosystem-Aggregation in China
Angesichts der verstreuten Micro-LED-Industriekette hat Ligolden gemeinsam mit IPwe einen Patentpool gegründet. Es braucht dringend „verifizierbare Kernpatente“, um mehr Unternehmen anzuziehen.
4. Kapitalförderung
Für ein nur fünf Jahre altes Unternehmen in der Expansionsphase ist es selbst ein starkes Signal der Unternehmenswertschätzung, sich direkt dem Branchenriesen zu stellen.
Ligoldens Klage gegen Samsung scheint ein asymmetrisches Spiel zu sein, ist aber tatsächlich eine Veränderung der Strategie der chinesischen Anzeigetechnologiebranche. Wenn chinesische Unternehmen beginnen, auf der Ebene der Grundtechnologie und der Patentstruktur aktiv vorzugehen, und wenn Rechtsstreit nicht mehr nur ein Verteidigungsinstrument, sondern ein Mittel für die technologische Rechtssicherheit und den Industriekampf wird, beginnt sich die Machtbalance im Bereich der High-End-Anzeigetechnologie tatsächlich zu verschieben.
Das Ende dieses Rechtsstreits mag noch ungewiss sein, aber das Spiel an sich ist bereits in die Industriegeschichte von China im Bereich von Micro-LED eingegangen.
(Dieser Artikel stellt nur die Meinung des Autors dar und nicht die Position von „Zhichanli“.)
Dieser Artikel stammt aus dem WeChat-Account „Zhichanli“ (ID: zhichanli), Autor: Yang Leilei. Veröffentlicht von 36Kr mit Genehmigung.