Wie kann man in der Hype um AI - Investitionen zwischen Blasen und Chancen unterscheiden?
Einführung: Wenn die generative KI eine Investitionsspekulationswelle auslöst und technologische Innovationen wieder mit finanziellen Blasen verschmelzen, wie können wir durch die Verwirrung hindurchblicken und die Chancen des Zyklus nutzen? In letzter Zeit erschien das Klassikerbuch "Technologische Revolutionen und Finanzkapital: Die Dynamik von Blasen und Goldzeiten" in einer neuen Auflage! Als bahnbrechendes Werk von Carlota Perez, der Pionierin der Theorie des "technisch-ökonomischen Paradigmas", basiert dieses Buch auf fünf technologischen Revolutionen der letzten 200 Jahre und bietet neue Einsichten in den Investitionszyklus der KI-Zeit. Es lüftet die zugrunde liegende Logik von "technologischem Durchbruch - finanzieller Wahnsinn - Blasenplatzen - institutioneller Neubau - Goldzeit" und hilft uns, die Regeln der gegenwärtigen Technologieinvestitionen zwischen Wahnsinn und Ordnung zu verstehen.
Im Folgenden finden Sie die Empfehlungseinleitung "Zwischen Wahnsinn und Ordnung: Die Gedanken von 'Technologische Revolutionen und Finanzkapital'" von Chen Yongwei, Leiter der Forschungsabteilung von "Comparative Studies", für unsere Leser.
Autor: [GB] Carlota Perez
Übersetzer: Tian Fangmeng et al.
Verlag: Canlu Culture / Zhejiang Science and Technology Publishing House
Erscheinungsdatum: Dezember 2025
Von der Blase zur Ordnung: Die tieferen Rhythmen des Kapitalismus
Carlota Perezs "Technologische Revolutionen und Finanzkapital" ist ein Klassikerwerk, das die Evolution des Kapitalismus aus langfristiger Perspektive versteht. Es bringt nicht nur neue Ideen in die Tradition von Joseph Schumpeters "Innovation und Zyklus" ein, sondern zeigt auch aus einer einzigartigen systemischen Perspektive die komplexen Wechselbeziehungen zwischen Technologie, Finanzwesen und Institutionen auf.
Perez zeichnet anhand mehr als 200 Jahre Industriegeschichte die "wellenförmige" Struktur der kapitalistischen Entwicklung: Von der Mechanisierungsrevolution im 18. Jahrhundert über die Dampf- und Eisenbahnrevolution im 19. Jahrhundert bis zur Stahl- und Elektrizitätsrevolution, der Massenproduktionsrevolution bis hin zur heutigen Informationstechnologie- und Kommunikationsrevolution - jede technologische Revolution ist nicht nur der Aufstieg einer neuen Technologie, sondern auch eine umfassende Veränderung der sozialen Organisationsweise und des Wertesystems.
Perez weist darauf hin, dass der Kapitalismus alle etwa fünfzig Jahre eine von technologischen Revolutionen getriebene systemische Transformation durchläuft. Diese Transformation verläuft nicht linear, sondern in einem Zyklus von finanzieller Blüte und institutionellem Neubau. Sie teilt diesen Zyklus in zwei Phasen: die Einführungsphase und die Expansionsphase. In der Einführungsphase dominiert das Finanzkapital und treibt den Ausbruch neuer Technologien voran; aber der Spekulationswahnsinn und die Verzögerung der Institutionen führen zwangsläufig zu Krisen und Kollapsen. Anschließend, in der Expansionsphase, passt sich das soziale System allmählich den neuen Technologien an, das Produktionskapital gewinnt wieder die Oberhand und die Wirtschaft tritt in eine relativ stabile und blühende "Goldzeit" ein.
Genau dieser Rhythmus von "Unruhen - Anpassung - Blüte" bildet den Puls der langfristigen Evolution des Kapitalismus. Perez sagt: "Finanzieller Wahnsinn und Produktionsblüte sind nicht entgegengesetzt, sondern zwei Töne des Selbstupdates des Kapitalismus." Das ist der Grund.
Das Tanzpaar von Technologie und Finanzwesen: Die doppelte Antriebskraft des Kapitalismus
Nach Perez kommt die Stärke des Kapitalismus von einem dynamischen, symbiotischen Doppelrad: technologischen Revolutionen und Finanzkapital. Die ersteren bieten neue Wachstumsmotoren, die letzteren liefern den Treibstoff.
Das Finanzkapital ist aufgrund seiner hohen Liquidität und Risikobereitschaft oft der erste Investor in neue Technologien. Es erkennt scharf die zukünftigen Möglichkeiten und lenkt durch Spekulation Kapital in den Innovationssektor. Genau in dieser "Kombination von Gier und Vorstellungskraft" entstehen neue Branchen und alte Strukturen werden zerstört. Perez nennt dies den "Big Bang" des Kapitalismus.
Allerdings kann die Kurzsichtigkeit und Spekulation des Finanzwesens Innovationen auch in Blasen verwandeln. Zu Beginn jeder technologischen Revolution geht es mit zunehmender Ungleichheit, überbewerteten Vermögenswerten und moralischem Niedergang einher. Wenn das Finanzsystem sich vom realen Wirtschaftszweig entfernt und in einer Selbstreferenzschleife verstrickt ist, ist ein Kollaps unvermeidlich.
Aber die Krise ist nicht das Ende. Die Krise ist der Rekombinationsmechanismus des Kapitalismus, der Schmerz, wenn alte Institutionen der neuen Ordnung weichen. Nach dem Kollaps greift die Regierung ein, und Institutionen wie Bankenaufsicht, Steuerrecht, Gewerkschaften und Sozialversicherungssysteme, öffentliche Investitionspolitik werden allmählich an die neue technologische Logik angepasst, und die Gesellschaft findet wieder die Balance. Dann übernimmt das Produktionskapital die Führung und die Wirtschaft tritt in eine Phase des "schöpferischen Aufbaus" ein, und die Goldzeit beginnt.
Diese Analyse lässt uns das Finanzwesen in einem neuen Licht sehen: Es ist sowohl der Katalysator für Innovation als auch die Quelle von Krisen. Perez' Verdienst besteht darin, dass sie das Finanzwesen nicht als äußeren Störfaktor ansieht, sondern in den inneren Zyklus des Kapitalismus integriert. Die Interaktion zwischen Finanzwesen und Produktion ist kein Ausreißer, sondern ein unvermeidlicher Prozess der institutionellen Evolution.
Das "technisch-ökonomische Paradigma": Von Thomas Kuhn zu Joseph Schumpeter
Das am meisten originelle Konzept in diesem Buch ist das "technisch-ökonomische Paradigma". Perez übernimmt das Konzept des "wissenschaftlichen Paradigmas" von Thomas Kuhn und bringt es in die Wirtschaftsgeschichte ein, um die "Effizienzkompetenz" und die "organisatorische Rationalität" zu erklären, die sich aus jeder Generation technologischer Revolutionen ergeben.
Jede technologische Revolution ist nicht nur die Aktualisierung von Maschinen, sondern auch der Wechsel der Denkweise. Die Dampf- und Eisenbahnära hatte die "Geschwindigkeit und Expansion" als Rationalität; die Ära der Massenproduktion hatte die "Standardisierung und Skaleneffekte" als Glaubenssatz; und die Kernlogik der Informationsära ist die "Netzwerke und Flexibilität". Diese "Paradigmen" beherrschen nicht nur die Unternehmensführungspraxis, sondern auch die institutionelle Gestaltung der Gesellschaft, die Konsumkultur und sogar die Wertvorstellungen.
Perez meint, dass ein neues technologisches Paradigma tiefgreifende soziale Veränderungen auslösen kann, nicht nur weil es die Produktivität erhöht, sondern auch weil es ändert, "was als effizient, vernünftig oder fortschrittlich angesehen wird". Wenn eine neue Effizienzlogik von den wirtschaftlichen Akteuren weitgehend akzeptiert wird, formt sich die gesamte Gesellschaft in einem neuen Koordinatensystem neu.
Deshalb versteht sie Innovation als einen sozialen Absorptionsprozess - Technologie kann erst in wirtschaftliches Wachstum umgewandelt werden, wenn sie von den Institutionen absorbiert wird. Der Erfolg oder Misserfolg einer technologischen Revolution hängt von der "Plastizität" der Institutionen gegenüber ihr ab.Diese Einsicht bringt Perezs Theorie über den traditionellen "Technologiedeterminismus" hinaus und in eine historische Perspektive mit mehr Komplexität und Interaktion.
Blasen, Krisen und Neubau: Das Schicksal des Finanzkapitals
In Perezs Darstellung hat jede Blütephase des Kapitalismus Risse. Der finanzielle Wahnsinn in der Einführungsphase treibt den Ausbruch von Innovationen voran, aber er schafft auch soziale Spaltungen und institutionelle Lücken. Sie weist darauf hin, dass von der Eisenbahnblase in den 1840er Jahren des 19. Jahrhunderts über die Wall Street-Blüte in den 1920er Jahren bis hin zum Internetwahnsinn in den 1990er Jahren die Blase fast eine Pflichtstunde jeder neuen Wirtschaft ist.
Die Struktur dieser Blasen ist erstaunlich ähnlich: Zunächst die optimistische Überzeugung, dass "neue Technologien alles verändern"; dann Spekulation, Kreditexpansion und Überbewertung von Vermögenswerten; und schließlich Kollaps und Rezession. Sie weist es nicht einfach auf Gier oder Irrationalität zurück, sondern sieht es als eine historische Notwendigkeit - denn die Evolution der sozialen Institutionen hinkt immer hinter der Verbreitung der Technologien hinterher. Wenn die alten Institutionen das neue Finanzwesen nicht eindämmen können, wird die Krise zum Katalysator für die institutionelle Aktualisierung.
Nach der Krise bildet sich allmählich ein neues institutionelles Rahmenwerk: Bankenaufsicht, Steuersystem, Gewerkschaften und Sozialversicherungssysteme, öffentliche Investitionspolitik... Diese Institutionen ermöglichen es, dass das Potenzial der Technologie wirklich freigesetzt wird und eine neue "Synergiephase" entsteht. Dann tritt das Finanzkapital in den Hintergrund, das Produktionskapital gewinnt wieder die Oberhand und die Gesellschaft tritt in eine relativ stabile Goldzeit ein.
Dieser Prozess heißt "Recoupling" (Wiederankopplung): Wenn die technologische Logik wieder mit den sozialen Institutionen übereinstimmt, bündelt sich die schöpferische Kraft des Kapitalismus wieder. Nach Perez ist es gerade dieser Zyklus von "Kopplung - Entkopplung - Wiederankopplung", der es dem Kapitalismus ermöglicht, langfristig eine dauerhafte Vitalität zu behalten.
Methode und Botschaft: Historisches Systemdenken
Methodisch gesehen ist der größte Beitrag von "Technologische Revolutionen und Finanzkapital" die Wiederherstellung der historischen Dimension der wirtschaftlichen Gedankenwelt. Perez sieht die Wirtschaft nicht als isolierten Markt an, sondern stellt sie in das Wechselwirkungsnetz von Technologie, Institutionen und Kultur. Ihre Analyse überspannt Ökonomie, Soziologie und Politik und bildet eine "systemische Evolutionsgeschichte".
Sie lässt uns erkennen, dass wirtschaftliche Schwankungen keine Zufallsereignisse sind, sondern das wiederholte Auftreten von Fehlanpassungen zwischen Technologie und Institutionen. Finanzblasen sind keine Anomalien des Marktes, sondern eine Art des Systemlernens. Das Eintreten der Goldzeit ist nicht das Ergebnis einer natürlichen Gleichgewichtsbildung, sondern das Ergebnis der aktiven Wiederherstellung der Ordnung durch die Gesellschaft nach einer Krise.
Eine solche historische Sichtweise hat große praktische Bedeutung. Sie mahnt uns: Die Aufgabe der Politik besteht nicht darin, Schwankungen zu beseitigen, sondern Blasen zu lenken, Krisen zu nutzen und Chancen für die Wiederankopplung zu schaffen. Angesichts der Wellen von Künstlicher Intelligenz, sauberer Energie und neuen Infrastrukturen ist diese Einsicht immer noch von Bedeutung. Regierung und Gesellschaft müssen nicht die Risiken neuer Technologien unterdrücken, sondern Institutionen aufbauen, die Risiken absorbieren und Kapital in die Produktion lenken können.
Einige Überlegungen: Die Stärke und Spannungen der Theorie
Als ein umfassendes Erklärungsrahmenwerk hat "Technologische Revolutionen und Finanzkapital" eine bemerkenswerte Erklärungskraft, aber es ist auch nicht ohne Kontroversen. Es ist zwar ein theoretischer Gipfel, aber auch das von ihm angebotene "systemische Erzählen" ist fragwürdig.
Erstens hält es ein gefährliches Gleichgewicht zwischen Gesetzmäßigkeit und Zufall. Perez fasst technologische Revolutionen in einen fast festen Fünfzig-Jahres-Zyklus zusammen und zeigt den Rhythmus der Geschichte. Aber die reale Welt ist oft viel komplexer: Die Geschwindigkeit der Technologiediffusion, die Veränderungen der politischen Umwelt, die Ungleichgewichte im globalen System können den Zyklusrhythmus stören. Dass die "Goldzeit" der Informationsrevolution bis heute nicht eingetreten ist, zeigt, dass die Geschichte nicht mechanisch schwankt, sondern mit unsicheren Abweichungen voll ist.
Zweitens wirkt es zu mild zwischen Funktionalismus und Machtpolitik. Perez betont die Logik der institutionellen "Anpassung", aber sie diskutiert weniger die Machtkonflikte hinter dieser Anpassung. Der institutionelle Neubau erfolgt nicht automatisch, sondern hängt oft von politischen Kämpfen, sozialen Bewegungen und sogar Kriegen ab. Der von ihr beschriebene "Recoupling"-Prozess scheint organisch koordiniert, aber er verbirgt die Komplexität der Machtverteilung und sozialen Konflikte.
Drittens wirkt es konservativ angesichts des heutigen digitalen Kapitalismus. Wenn die Plattformwirtschaft, die Datenmonopolisierung und die Algorithmenregulierung die Grenzen zwischen "Finanz" und "Produktion" neu verwischen, haben sich die beiden Kapitalformen, die Perez unterschieden hat, schon durchdringt. Die Finanzlogik dringt in die tägliche Produktion ein, und das Algorithmenkapital übernimmt gleichzeitig Spekulations- und Produktionsfunktionen. Ihr historischer Rhythmus von "Finanzrückzug - Produktionsvorherrschaft" ist vielleicht in dieser Ära umgestoßen.
Aber gerade wegen dieser Spannungen wirkt ihre Theorie lebendig. Sie ist kein geschlossener Rahmen, sondern eine Denkweise - eine historische Systemtheorie, die Abweichungen akzeptiert und Komplexität anerkennt. Der Wert von Perez liegt nicht darin, endgültige Antworten zu geben, sondern uns anzuregen, erneut zu fragen, wie der Kapitalismus sich selbst repariert und lernt.
Zukunft denken in der Abfolge von Paradigmen
"Technologische Revolutionen und Finanzkapital" ist kein Buch über die Vergangenheit, sondern über die Zukunft. Es sagt uns, dass die Lebenskraft des Kapitalismus nicht in der Stabilität liegt, sondern im Zyklus; nicht in der Beseitigung von Widersprüchen, sondern in der Umwandlung von Widersprüchen in Kraft für die Aktualisierung.
Wenn Joseph Schumpeter die Logik des "schöpferischen Zerstörens" aufgedeckt hat, dann hat Perez die Ordnung des "schöpferischen Neubaus" weiter aufgedeckt. Sie lässt uns verstehen, dass echte Innovation nicht im Laboratorium entsteht, sondern in der sozialen Absorption von Chaos und der Neugestaltung von Institutionen. In einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz und Klimawandel zusammenkommen, mahnt uns Perezs Gedanke: Die Bedeutung der technologischen Revolution liegt nicht in der Intelligenz der Maschinen, sondern darin, ob die Gesellschaft für sie einen neuen institutionellen Behälter finden kann. Ohne diese "Wiederankopplung" wird das Potenzial der Technologie schließlich sich selbst verzehren.
Der Rhythmus der Marktbewegungen geht weiter. Nach der Blase könnte vielleicht wieder eine neue Goldzeit kommen. Aber ob sie der Mehrheit gehört, hängt davon ab, wie wir diese Kraft verstehen und beherrschen. Wie Perez es aufgedeckt hat - der Tanz zwischen Finanz und Technologie kann nicht gestoppt werden. Die echte Frage ist: Wer dirigiert das Stück?
Das bahnbrechende Werk von Carlota Perez, Pionierin der Theorie des "technisch-ökonomischen Paradigmas"
Analyse der Regeln von fünf technologischen Revolutionen in 200 Jahren
Ein Investitionsleitfaden für die KI-Zeit
Hilft Ihnen, die großen Zyklen zu verstehen und langfristigen Wert zu sichern